Es sind 122 Stufen hinauf auf den Aussichtsturm der Mottener Haube. Es folgt ein herrlicher Rundumblick in Richtung Hessen auf der einen und Bayern mit Platzer Kuppe, Dreistelz und kleiner Haube auf der anderen Seite. Zwischen Bergkuppen schmiegen sich Dörfer ein. Die Mottener Haube ist wohl einer der schönste Ort im Landkreis zum Heiraten. Freiluft-Trauungen liegen voll im Trend.
Das bestätigt auch Katja Habersack, Bürgermeisterin der Gemeinde Motten. Sie hat bereits die eine oder andere Trauung hier oben durchgeführt. „Der Heimatbezug ist diesen Paaren sehr wichtig.“ Der Blick auf die Heimat spiegle die emotionale Bindung wider. In einem anderen Fall, sagt Habersack, „stand für das Paar vor allem der Bezug zur Natur im Vordergrund.“
Seit 2011 ist es möglich, auf der Mottener Haube zu heiraten. Als erstes Paar trauten sich dort der damalige Mottener und heutige Bad Brückenauer Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) und seine Frau Claudia.
Trauort mit würdiger Form
Der Ort der Eheschließung darf in Bayern kein beliebiger sein. Er muss – laut bayerischem Innenministerium und Landratsamt Bad Kissingen – von der Gemeinde oder Verwaltungsgemeinschaft als solcher gewidmet werden. Kriterien dafür sind unter anderem eine „würdige Form, die dem Standesbeamten eine ordnungsgemäße Vornahme der Amtshandlung ermöglicht“.
Außerhalb des Standesamtes und von gewidmeten Eheschließungsorten darf eine Eheschließung nicht vorgenommen werden, so das Landratsamt. Das entspreche dem Grundsatz im Personalstandswesen beziehungsweise der Eheschließung als staatlichem Akt, dass die Eheschließenden zum Standesbeamten kommen und nicht der Beamte die Ehewilligen an einem Ort ihrer Wahl aufsucht. Gaststätten, private Gärten oder ähnliches sind laut Innenministerium ausgeschlossen wegen ihrer sonstigen Zweckbestimmung.
Bad Kissingen: Möglichkeiten gut genutzt
In der Kreisstadt Bad Kissingen weiß man auch um den Freiluft-Hochzeitstrend. Besonders schön sei die Trauung in der Oberen Saline Outdoor im tollen Innenhof, heißt es aus dem Rathaus. Auch die Zehntscheune in Kleinbrach könne von Paaren gebucht werden. Die Möglichkeiten, draußen zu heiraten, werden in Bad Kissingen „an sich sehr gut angenommen“. Seit Corona habe der Trend zugenommen.
Seit diesem Sommer gibt es in Hammelburg die Möglichkeit, im Klostergarten zu heiraten. Seitdem fanden dort zwei Trauungen statt; vier weitere sind dieses Jahr angemeldet. „Für 2024 gibt es auch schon vier Anmeldungen“, heißt es aus der Verwaltung – es seien noch Kapazitäten frei.
Keine Anfrage im Hochzeitsparadies Bad Brückenau
Keine Möglichkeiten zur Trauung unter freiem Himmel gibt es in Bad Brückenau – obwohl die Stadt mal ein selbsternanntes Hochzeitsparadies war. „Hier gab es bisher noch keine einzige Anfrage dafür“, heißt es aus der Verwaltung. Allerdings: „Wir überlegen uns, einen Ort in Zukunft zu widmen und anzubieten“, sagt Geschäftsleiter Michael Worschech.
Freiluft-Trauungen sind auch in Münnerstadt Fehlanzeige. Dafür gibt es einen Platz leicht außerhalb von Burglauer, im Nachbarlandkreis Landkreis Rhön-Grabfeld. Der Trauplatz wird laut Verwaltung sehr gut angenommen. Er liege im Naherholungsgebiet „Hohnwiese“, direkt am Reichenbach.
Die Marktgemeinde Wildflecken im oberen Sinntal bietet sogar zwei alternative Trauplätze im Freien an: am Bürgerplatz in Oberwildflecken und am Kapellchen in Oberbach. Letzteres wird von Paaren bevorzugt, vermutlich wegen der romantischeren Lage am Hang. Rund ein Viertel der Trauungen in der Marktgemeinde finden dort statt. „Im Sommer ist der Ort sehr beliebt“, sagt Geschäftsleiter Daniel Kleinheinz. Möglich seien die Eheschließungen dort seit 2018.
Oberleichtersbach: Aussichtsturm dabei
In den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau, Geroda, Oberleichtersbach und Riedenberg, wurde in den vergangenen Jahren kräftig gewidmet. So gibt es in Riedenberg den gemeindlichen Grillplatz in Unterriedenberg, der kürzlich dazukam. In Oberleichtersbach kann ab sofort auf der neuen Aussichtsplattform geheiratet werden. Dafür hat die Leiterin des Standesamtes in der Verwaltungsgemeinschaft, Bianca Wittmann, bereits eine Anmeldung.
„Beliebt ist in Geroda der Blisslingsbrunnen“, weiß Wittmann. Das bestätigt Bürgermeister Alexander Schneider. In seiner Gemeinde finden sogar rund 50 Prozent der Trauungen unter freiem Himmel statt. Neben dem Brunnen am beliebten Wanderweg in den Schwarzen Bergen kann dort auch am Grillplatz in Geroda und im evangelischen Gemeindehaus standesamtlich geheiratet werden.
Für Schneider ist der Grund für die Freiluft-Trauungen klar: „Kirchliche Trauungen gehen zurück und die Gästezahl an der standesamtlichen Eheschließung erhöht sich.“ Draußen sei einfach mehr Platz für mehr Gäste. Und „in der Natur ist es einfach schön.“
Mehr wird es nicht geben
Lothar Ziegler, Geschäftsleiter der VG Bad Brückenau, bremst aber ein: „Wir wollen es mit der Widmung von Trauräumen nicht übertreiben.“ Viel mehr, ist er sicher, werde es nicht geben. Denn: Mit einer Trauung unter freiem Himmel sind auch immer Vorbereitungen nötig, die es im Trausaal der Rathäuser nicht gebe.
Hinüber von der Rhön ins Saaletal und an die Thulba: In Euerdorf kann unter freiem Himmel im Museumsgarten des Trias-Museums und im neuen Rathaus mit Innenhof geheiratet werden.
Im benachbarten Ramsthal ist der Terroir-f-Punkt in den Weinbergen gewidmet. Er wird von einheimischen und auswärtigen Paaren gut genutzt, sagt Bürgermeister Rainer Morper. Er geht von fünf bis sieben Trauungen im Jahr aus.
Oberthulba kann in Heirats-Hinsicht mit dem Garten mit Laubengang beim Gemeindehaus in Hassenbach und der Begegnungsgarten in Thulba glänzen. Die Orte sind seit Juni 2022 gewidmet. „Beide werden von den Brautpaaren vermehrt angenommen und sind sehr gut für Trauungen geeignet“, teilt Bürgermeister Mario Götz mit. Die Verteilung sei in etwa gleich.
Viele Orte ohne gewidmeten Platz
In Schondra und Zeitlofs gibt es aktuell keinen gewidmeten Platz unter freiem Himmel. In letzterer Gemeinde wird sich das bald ändern. „Es gibt Ideen und daran wird gearbeitet“, so die Verwaltung. Ebenfalls keine Möglichkeiten fürs Freiluft-Heiraten haben Aura, Fuchsstadt, Wartmannsroth, Burkardroth, Oerlenbach, Nüdlingen, Bad Bocklet, VG Maßbach, Elfershausen und Sulzthal.
Übrigens: Ist Ihr Lieblingsort nicht dabei? Manche Standesbeamte bieten die Möglichkeit an, eine Trauung an einem gewünschten Ort zu wiederholen – als Service sozusagen. Da lohnt es sich sicherlich, mal genau nachzufragen.
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