Die Faschingsstrategen des Elferrats hatten die Bühne als einen großen Spiegel ausersehen, in dem Jedermann und -frau die Früchte im Stadtbild oder außenherum spaßig, sinnstiftend, lachend und raunend erleben konnten.
Es ist immer harte Arbeit, die Launen der Mitmenschen zu erkennen, sie auf die Bühne zu bringen und trotz freundlicher Nadelstiche das Grinsen nicht sein zu lassen. Ein Höhepunkt im Programm ist es, wenn mal wieder Kommunalwahl ist. Da sind Kandidierende und auch etablierte Mandatstragende besonders gemeint.
„Wer den Fasching nicht ehrt, ist im Stadtrat verkehrt!“
Sitzungspräsident Klaus Skuppin vereinnahmt vorauseilend den künftigen Stadtrat: „Wer den Fasching nicht ehrt, ist im Stadtrat verkehrt!“ Er und seine „Mamas und Papas“ sind nicht nur ein Programmpunkt der Show und Teil des Elferrats, sondern bereiten auch die Faschingssitzung vor. Es ist eine seit Jahren gefestigte Gemeinschaft, die den Mürschter Fasching trägt und denen es immer wieder gelingt, kurzweilige Geschichten auf die Bühne zu bringen. Diesmal ein „Best of“ mit populären Musiktiteln.
Die Bilder des Abends:
Ulli Kiesel und Wolfgang Düringer: zwei externe Witz-Athleten
Mit Ulli Kiesel und Wolfgang Düringer sind zwei externe Witz-Athleten in der Bütt. Ulli Kiesel aus Waldberg, mit Kölner Karnevalserfahrung, holt mit „Oh Tannenbaum“ Weihnachten zurück und parodiert die Protagonisten des deutschen Pop-Liedguts.
Der Schweinfurter Wolfgang Düringer hat 50-jähriges Bühnen- oder auch Ehe-Jubiläum, was sich nicht so genau trennen lässt. Er findet die Spitzfindigkeiten in seiner Beziehung, samt Verwandtschaft, oberhalb und unterhalb der Gürtellinie. Sein Publikum fühlt sich angesprochen und applaudiert herzhaft.
Angie Gieselbrecht, noch recht neu in der Bütt, hat ähnlich wie Düringer die Schwiegermutter (die tatsächlich anwesend ist) auf dem Kieker und lässt an ihr kaum ein gutes Haar. Man ahnt es: Beide mögen sich auch nach dem Programmpunkt.
Jörg Gerstein als Nagel mit Kopf über Weltgeschehen und Münnerstadt
Der „Nagel mit dem Kopf“, Jörg Gerstein, findet gereimte Worte zu den Weltgeschehnissen und deren Missetätern. Er streift Berlin, nennt die Wortbrüche des Kanzlers. Man schmunzelt, wenn der „Nagel“ wieder innerhalb der Stadtgrenzen ankommt: Sei es der schiefe Weihnachtsbaum oder die Hausnummer 11 am Marktplatz, landläufig die Schweiz genannt.
Die sanierte Stadtpfarrkirche wurde gelobt, die neue Sitzheizung aber erheiternd persifliert. Das Kunstprojekt „else“ ist in der Bütt angekommen und findet beim „Nagel“ charmante Würdigung.
Im Himmel mit Susanne und Lothar Hillenbrand
Die „Wiedergeburt“ im Himmel wird von Reichenbach aus gemanagt. Susanne und Lothar Hillenbrand finden für den soeben verunfallten Schreiner – „Warum kommen sie in Arbeitsklamotten in den Himmel? Weil hier auch Handwerkermangel herrscht, hat Petrus erkannt!“ – einen Wiedergänger in Nordafrika.
Den „göttlichen“ Teil nimmt auch das segensreiche Wirken der „Schutzfrau von Münnerstadt“ (Caro Schwarz) für sich in Anspruch. Es wird eine Hommage auf das Heimatspiel, ein Blick hinter die Kulissen und eine Würdigung des Angers als Eventgelände.
Besatzungs-WG im Bayerischen Hof muss ausziehen
Die Besatzungs-WG im Bayerischen Hof (Christine und Oliver Schikora, Christine Tapken und Wolfgang Joa) klagt: „Wir müssen wohl raus“, weil „die Schweiz“ verkauft wird. Die beste Idee dagegen ist die Gründung einer neuen Partei in Mürscht. „Blühende Landschaften“ wären für den Ort in der Zukunft eine Untertreibung.
„Die Neuschter ziehen in Scharen nach Mürscht!“ „Großartig, ausgezeichnet, gigantisch, abgefahren.“ Die GAGA-Partei hat auch Lady Gaga als Bürgermeisterin vorgesehen. Die (Christine Tapken) verspricht nicht weniger als „die Wiederauferstehung der Stadt Münnerstadt“ und viele Frauen im Stadtrat.
Thomas Malz singt über die Schweiz
Für Thomas Malz als „Erbe“, der mit seiner von der Tante geerbten Kohle auch die „Schweiz“ kaufen würde. Seine Songs „Skandal am Marktplatz“ oder „Über sieben Schwellen musst du gehn“ beschreiben die Schwierigkeiten, wie mit innerörtlichen Immobilien umgegangen wird.
Hauptbestandteil sind die Garden der Elferratsfamilie. Training von klein auf macht sich besonders in den Faschingssitzungen bezahlt. So war es auch diesmal wieder. Die „Sternchen“ mit ihrer „Rock-Revue“, die Juniorinnen waren „Latin Forever“ unterwegs und die Elferratsgarde brillierte mit einem „Moulin-Rouge“-Auftritt. Zum Glück sehen wir diese Tanztruppen auch bei anderen Gelegenheiten als lebendiges Stadtbild.
Frauen wollen in den Elferrat
In der Sitzung vom Samstag waren zwei neue Büttenrednerinnen zum ersten Mal auf der Bühne: Mareike Werner-Schölzke und Lisa Schmitt. „Der Auftritt war hervorragend als neue Rednerinnen in der Bütt, das war richtig gut. Der Saal hat getobt“, berichtet Klaus Skuppin vom Elferrat. Die beiden zogen in der Bütt über den Elferrat her und bewarben sich als Frauen für das Gremium – ein Novum. „Wir haben gesagt, dass wir uns ja alle 14 Tage treffen, da würden wir diese schwerwiegende Entscheidung besprechen, die wir so spontan nicht treffen können“, so Skuppin.

























