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Neuer Gedichtband
Erich Weber: Er jongliert mit Worten
Erich Weber
Autor und Musiker Erich Weber (63) in Gauaschach. // Carina Weber
Gauaschach – Neue Sammlung von Hobby-Poet Erich Weber: Wie er gegen seine Krankheit anschreibt.

Schon vor über zehn Jahren erschienen die ersten drei Gedichtbände des Hobby-Poeten Erich Weber (63) aus Gauaschach. Seitdem konnte man immer mal wieder ein neues Werk auf der Leserseite einer Lokalzeitung finden. Vor wenigen Monaten veröffentlichte der frühere Industriebauschlosser nun sein viertes Buch „Immer wieder geht die Sonne auf“ mit einer Auswahl seiner schönsten Gedichte.

Warmherzig, kritisch, humorvoll

„Vor meinen Versen ist kein Wort sicher“, sagt der 63-Jährige, „weil man in Gedichten so schön mit Worten jonglieren kann“. Wortgewandt jongliert er auch in seiner neuen Gedichtsammlung mit der ganzen Bandbreite alltäglicher Themen, die nicht nur ihn allein, sondern uns alle immer mal berühren. Es geht um Kindheit ebenso wie ums Alter, um Liebe, Trennungsschmerz und Abschied, um die Natur und den Umweltschutz und ganz allgemein um Gesellschaftsprobleme und die Zeit, in der wir leben oder die uns noch bleibt. Webers Gedichte unterschiedlicher Länge sind je nach Thema mal warmherzig, mal kritisch, mal humorvoll, dann wieder tief berührend.

Mit seinen Versen schwebt Erich Weber nicht etwa in den höheren Sphären moderner, für viele oft unverständlicher Lyrik, deren Sinn man häufig erst hinterfragen muss, sondern der frühere Handwerker formuliert seine Gedanken bodenständig in einfachen, klaren Worten und für jedermann verständlichen Reimen, die zum Nachdenken, Erinnern und nicht selten auch zum Schmunzeln anregen. Wie schon der Buchtitel „Immer wieder geht die Sonne auf“ zum Ausdruck bringen soll, will der Dichter aus Gauaschach seinen Mitmenschen die Zuversicht schenken, „dass jeder Tag einen neuen Anfang bereithält“.

Weber weiß, wovon er spricht, muss er sich doch selbst Tag für Tag wieder aufs Neue motivieren: Schon 2005, also vor über 20 Jahren, wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert und seit 2013 ist er erwerbsunfähiger Frührentner. Allein Autofahren darf er auch nicht mehr. „Ich musste feststellen, dass Parkinson recht schnell einsam macht. Doch das muss nicht sein!“, macht er sich und anderen Erkrankten Mut.

Mittel gegen die Krankheit

Sein Mittel gegen die Krankheit ist geistige Kreativität, sagt der 63-Jährige, der früher auch als Komponist und Autor kurzer, humorvoller Theaterstücke tätig war. „In den vergangenen Jahren habe ich vieles ausprobiert und mich künstlerisch weiterentwickelt. Daraus sind viele neue Werke entstanden.“ Eine Auswahl ist nun in seinem neuen Gedichtband zu lesen.

Vielseitige Begabung

In einem seiner Gedichte beschäftigt sich Weber auch mit der eigenen Krankheit, die seit 21 Jahren „ein fester Bestandteil meines Lebens ist“. So beginnt er sein Gedicht „Vergessen!“ mit den Versen „Warum fällt es mir schwer, das Schreiben und das Lesen? Warum weiß ich jetzt nicht mehr, wo ich vorhin gewesen?“ und gibt nach weiteren Strophen selbst die Antwort „Weil das Gehirn es nicht kapiert und sich ab und zu defragmentiert. Deshalb verschwinden unterdessen Erinnerungen durch Vergessen!“

Doch dadurch lässt sich der Hobby-Poet nicht entmutigen, sondern nutzt stattdessen seine vielseitige musische Begabung. Schon seit seiner Jugend schreibt er Gedichte für Familienfeste, Vereinsfeste oder Weihnachtsfeiern. „Das nötige Taktgefühl liegt mir als ehemaliger Musiker im Blut.“ Was einst aus „Freude am Spaß“ begann, hilft ihm heute gegen die tückische Krankheit, die er in einem seiner eigenen Lieblingsgedichte als „Verwandtschaft“ bezeichnet. Darin schreibt er unter anderem: „Begleitet mich tagtäglich von früh bis in die Nacht. Wird meistens unerträglich, wenn er mich langsam macht. Er bleibt an meiner Seite, im Liegen, Sitzen, Stehen. Auch wenn ich mit ihm streite, will dennoch er nicht gehen. So habe ich entschieden und es auch ausprobiert, meist lässt er mich in Frieden, wird er nur ignoriert.“ Webers Gedicht über diesen ungeliebten „Verwandten“ schließt mit der Erkenntnis: „Ich muss ihn wohl ertragen, denn wir sind blutsverwandt.“

Wie sich selbst, will Weber auch allen Mitmenschen mit seinen Gedichten Lebensmut und Freude schenken und sie im oft allzu hektischen Alltag zum Innehalten anregen. Jede Phase im Leben eines Menschen hat ihre schönen Momente, weiß der 63-Jährige – auch das Alter: „Läuft so vieles nicht mehr rund, ist das Alter doch kein Grund, mit dem Schönen abzuschließen, anstatt das Leben zu genießen.“

Das Buch

Erich Weber: „Immer wieder geht die Sonne auf“, Verlag Michael Pfeifer, Taschenbuch, 104 Seiten, Preis: 9,80 Euro, ISBN 978-3933915566; das Buch ist erhältlich bei Firma Georg Endres Buch & Büro, Dalbergstraße 1, Hammelburg oder direkt beim Autor Erich Weber, E-Mail: e.b.weber@t-online.de

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