Es war ein besonderer Tag für Modlos: Bei strahlendem Wetter wurde das alte Backhaus in der Ortsmitte nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet. Was vor einigen Monaten noch ein Gebäude mit undichtem Dach, beschädigter Decke und einem in die Jahre gekommenen Backofen war, steht heute wieder als kleines Schmuckstück mitten im Dorf. Das Dach wurde erneuert, moderne Elektrik verbaut, der Backofen erneuert und das Gebäude um eine Toilettenanlage erweitert. Auch vor dem Backhaus wurde neu gepflastert. Vor allem aber soll es künftig wieder das sein, was Backhäuser früher schon waren: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, miteinander reden, lachen und natürlich auch backen.
Zur Eröffnung waren neben den vielen Helferinnen und Helfern aus dem Dorf auch Bürgermeister Roland Wehner, Gemeinderäte, die Bürgermeister der Brückenauer Rhönallianz sowie Altbürgermeister Dieter Muth gekommen, in dessen Amtsperiode das Projekt seinen Start fand.
Ein Stück Heimat
Bürgermeister Wehner machte deutlich, dass mit der Sanierung nicht einfach nur ein altes Gebäude hergerichtet worden sei: „Mit der Sanierung unseres Backhauses erhalten wir ein Stück Dorfgeschichte und ein Stück unserer Tradition zurück.“ Das Backhaus stehe für Gemeinschaft, Begegnung und ein Stück Heimat. Sein Wunsch ist es, dass dort bald wieder Leben einkehrt – vielleicht bei einem frisch gebackenen Brot oder einem Stück Kuchen aus dem neuen alten Backofen.
Dass das Backhaus heute wieder so dasteht, ist vor allem Gerhard Vieres zu verdanken, der das Projekt als Initiator auf den Weg brachte und mit viel Herzblut vorantrieb. Neben seinem handwerklichen Einsatz brachte er Ideen für die Gestaltung ein und verschönerte das Gebäude mit eigenen künstlerischen Malereien. Noch am Abend vor der Eröffnung gab er dem neuen Backofen den letzten Anstrich. Für Vieres war die Sanierung weit mehr als ein Bauprojekt. „Ich glaube, es braucht im Leben immer Menschen, die an eine Idee glauben, Menschen, die diese Idee unterstützen und auch bereit sind, etwas für ihre Heimat beizutragen“, sagte er. Und genau diese Menschen habe er in Modlos gefunden.
Erstmals 1789 erwähnt
Die Geschichte des Backhauses reicht weit zurück. Bereits 1789 gibt es erste Erwähnungen im Gemeindearchiv; 1845 errichtete die Gemeinde einen Gemeindebackofen. 1953 musste das damalige Backhaus dem Bau eines Feuerlöschteiches weichen und wurde am heutigen Standort neu aufgebaut. In den vergangenen Jahren war das Gebäude zunehmend verfallen. Das Dach hatte Löcher, Regen drang ein, die Decke war beschädigt und auch der Ofen war in schlechtem Zustand. Für Vieres war deshalb klar: „Da müssen wir etwas unternehmen.“
Unterstützung kam von der Gemeinde und durch die Förderung als Kleinprojekt im Rahmen des Regionalbudgets der ILE Brückenauer Rhönallianz. Dazu kamen zahlreiche Geld- und Sachspenden aus dem Dorf und von Unternehmen aus der Region. Vor allem aber packten die Modloser selbst an. Mehr als 1400 Stunden ehrenamtliche Arbeit und Eigenleistung flossen in die Sanierung. Nach Feierabend, an Wochenenden und wann immer Zeit war, wurde abgebrochen, geschleppt, betoniert, geschraubt, gestrichen, aufgeräumt und improvisiert.
Wie generationenübergreifend das Projekt war, zeigte Vieres mit einem Blick auf die Helfer: Der jüngste Helfer Max ist gerade einmal 16 Jahre alt, der älteste Handwerker Wolfgang 87. „Wenn ein 16-Jähriger und ein 87-Jähriger gemeinsam anpacken, um alten Steinen neues Leben zu geben, dann geht es um viel mehr als um Handwerk“, sagte Vieres. Das Backhaus zeige, dass Tradition und Zukunft keine Gegensätze seien, sondern Hand in Hand gehen könnten.
Baustoffe aus Alter Schule
Auch beim Material wurde auf Nachhaltigkeit gesetzt. Zahlreiche Baustoffe aus der „Alten Schule“ konnten im Backhaus weiterverwendet werden – darunter Dämmung, Dacheindeckung, Leuchtmittel und Deckendielen. Die Alte Schule wird in Kürze abgerissen.
Michael Hahn, der gemeinsam mit Vieres an Gestaltung und Koordination mitwirkte, übernahm bei der Eröffnung den Part des Dankes. Viele Unternehmen und Privatpersonen hatten das Projekt unterstützt wie Natura Haus, die Firma Olsen, die Hofbauer Martin und Lukas Hahn GbR, Alexander Müller, Cubik, die Unternehmen Frenzel und Theo Hahn, Reinhard Heinz und der Obsthof Müller, die Firma Fröhlich, TS Stahlbau, Reinhard Diller, die Tankstelle Hartmann und Geldspenden kamen von Hanse Haus, EKS, dem Stammtisch aus Modlos und Frau Gönna Tautorus. Irene Fell versorgte die Baustelle während der gesamten Sanierungszeit mit Strom und Wasser und brachte Kaffee und Kuchen.
Stolz auf Zusammenhalt
Hahn betonte aber vor allem den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer: „Geld kann man spenden. Material kann man kaufen. Eine Maschine kann man zur Verfügung stellen. Aber die eigene Zeit – die bekommt man nicht zurück.“ Und genau diese Zeit haben die Modloser in großer Zahl investiert.
Für Gerhard Vieres ist gerade dieser Zusammenhalt etwas, auf das die Modloser stolz sein können: „Ich bin sehr stolz, dass der Zusammenhalt und die Gemeinschaft in unserem Dorf noch so funktionieren.“ Besonders freue ihn, dass verschiedene Generationen zusammengearbeitet hätten. Junge Väter hätten ihm gesagt: „Ich mache das nicht für mich, sondern auch für meine Kinder.“
Nun soll das Backhaus wieder zu einem Treffpunkt für Jung und Alt werden. Gemeinsam Brot oder Pizza backen, sich gemütlich zusammensetzen oder einen Singnachmittag bei Zwiebelplotz und Bier veranstalten – die Ideen sind vielfältig. „Ein Haus lebt nur, wenn es mit Leben erfüllt wird“, so Vieres. Damit soll das Backhaus wieder zu dem werden, was es früher war: ein Ort der Begegnung.













