Robert Francis Prevost wurde als Papst Leo XIV. gewählt und ist damit der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri. Wie überall auf der Welt wurde diese Nachricht auch in Münnerstadt mit Freude vernommen. Doch: Der Ort hat eine besondere Vorgeschichte mit dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche.
Schon als der Franzosen Dominique Mamberti direkt nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms den Namen des neuen Pontifex verlas, kam er einigen Münnerstädtern bekannt vor. Als dann auch noch die Information hinzukam, dass Papst Leo XIV. ein Augustiner-General war, machte es bei vielen Klick.
Pater Markus Reis ist Münnerstadts Stadtpfarrer – und Mitglied des Augustiner-Ordens. Er lebt im Konvent St. Josef in der Seminarstraße mit seinen Mitbrüdern. Die Wahl von Papst Leo XIV. ist für ihn etwas „ganz Besonderes“, wie er sagt.
Er erinnert sich an die Bekanntgabe des neuen Papstes am Donnerstagabend: „Einerseits waren wir total begeistert und aus dem Häuschen, dass ein Mitbruder Papst wurde. Andererseits auch ziemlich durcheinander.“ Doch letztlich überwiege die große Freude.
Erstes Treffen im Jahr 1998 in Münnerstadt
„Es ist schön und beeindruckend, dass jemand, den ich kenne, Papst ist“, sagt Pater Markus. Leo XIV., damals unter dem Namen Robert Francis Prevost war nicht nur 2012 zu Besuch in Münnerstadt. „Er war auch 1998 schon für sechs Tage da. Damals organisierte ich das Jugendtreffen in Münnerstadt, das die Augustiner weltweit veranstalteten.“ Damals war der heutige Pontifex als Provinzial von Chicago (USA), also als Leiter der Augustinerprovinz, mit Jugendlichen in Münnerstadt.
Pater Markus hat positive Erinnerungen an die Begegnungen mit dem damals 42-jährigen Geistlichen. „Er ist sehr aufmerksam und eher zurückhaltend, aber ganz klar strukturiert“, sagt der Münnerstädter Pfarrer.
Es folgten weitere Besuche in Deutschland und in Münnerstadt, unter anderem im Mai 2012.
Linie von Franziskus fortführen
Pater Markus glaubt, dass Leo XIV. „die Linie von Franziskus fortführen wird“. Denn: „Franziskus hat ihn zum Kardinal ernannt und ihn auch nach Rom geholt.“ Er denkt auch, dass Leo XIV. einen großen Rückhalt in der Katholischen Kirche haben wird. „Er wurde schließlich schon im vierten Wahlgang mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt.“ Leo XIV. ist aus seiner Sicht geeignet, um der sprichwörtliche Brückenbauer zu sein und die Katholische Kirche zu einen. „Er ist sehr kommunikativ, das ist gut.“ Zudem sei es ein großer Vorteil, dass er mehrere Sprachen fließend beherrscht.
Von 2001 bis 2013 war Robert Francis Prevost Generalprior der Augustiner, also der oberste Leiter des Augustinerordens. „Mit seiner Arbeit und seiner Leitung waren wir als Augustiner sehr zufrieden“, konstatiert Pater Markus.
Kommt der Papst wieder nach Münnerstadt?
Ob der Augustiner nun, da er Papst ist, wieder einmal nach Münnerstadt kommt? Die Chancen dafür sieht Pater Markus als eher gering an. „Wenn man sich den Terminkalender eines Papstes anschaut, dann ist das unwahrscheinlich.“ Freuen würden sich die Augustiner in Münnerstadt – und darüber hinaus – aber umso mehr.
„Es macht in Münnerstadt schon die Runde“
„Schon der Name Prevost kam mir bekannt vor“, erzählt die Münnerstädterin Anneliese Albert. Als sie dann gehört habe, dass er General der Augustiner war, wurden ihre Vermutungen bestätigt.
„Durch die Kombination dieser beiden Informationen bin ich darauf aufmerksam geworden“, berichtet sie. Nach einer gemeinsamen Recherche mit ihrem Schwiegersohn habe sie den Zeitungsartikel aus dem Jahr 2012 gefunden. „Es macht in Münnerstadt auf jeden Fall schon die Runde.“
Ähnlich wie Anneliese Albert ging es auch dem Münnerstädter Stadtrat Leo Pfennig. „Als ich den Namen gehört habe, war ich mir ziemlich sicher, dass ich ihn kenne“, erzählt er. Persönlich erinnern könne er sich zwar nicht, beeindruckt ist er aber trotzdem. „Im Nachhinein gewinnen manche Sachen an Bedeutung, die damals noch gar nicht so wahrgenommen wurden“, sagt er.
Bürgermeister Kastl: „Wir waren begeistert"
Für Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl (CSU) erfuhr von der Redaktion, dass der heutige Papst schon in Münnerstadt gewesen ist. „Das wusste ich nicht, 2012 war ich noch nicht kommunalpolitisch aktiv“, sagt der Rathauschef. Die Wahl des US-Amerikaners bekomme dadurch aber eine noch andere Konnotation, so Kastl. „Es ist toll, dass es einen Berührungspunkt mit Münnerstadt gibt.“
Im Fernsehen hat Kastl die Papstwahl am Donnerstag mit seiner Familie verfolgt. Er erinnert sich: „Wir waren zuerst etwas geteilter Meinung, dass ein US-Amerikaner Papst werden sollte, weil derzeit nicht wirklich viel Positives aus den USA kommt.“ Der Eindruck ändert sich allerdings schnell: „Nach der Rede des Papstes und aufgrund seiner Vita waren wir schnell begeistert. Wir denken, seine Ausrichtung ist sehr gut.“




















