Allmählich füllt sich der Parkplatz Tattersall in Bad Kissingen mit Mitgliedern der evangelischen Kirche Bad Kissingens. Sie sind an diesem Nachmittag die Ehrengäste – eingeladen von Thomas Leiner, Vorsitzender des Vereins der Postkutsche Bad Kissingen, und Thomas Beck, Geschäftsführer der Staatsbad und Touristik GmbH. Die Stimmung ist erwartungsvoll und heiter. In seiner Begrüßung gratuliert Leiner der Kurseelsorge Bad Kissingen/Bad Bocklet zum 25-jährigen Bestehen.
Ein Horn, vier Pferde und viel Tradition
Kurz darauf ertönt das Posthorn und das gelbe Gespann rollt auf den Platz. Routiniert und mit sichtbarer Freude springt Postillion Paulina Klöffel vom Kutschbock. Während sie die Gäste in Empfang nimmt, bleibt Kutscherin Yvonne Körner auf dem Wagen, die Zügel fest in der Hand und mit Blick auf die vier Pferde. Begeistert treten die Ehrengäste an die Kutsche heran. Im hinteren Teil der Kutsche finden sich sechs Sitzplätze auf bequemen Bänken – in der vorderen Kabine weitere drei Plätze.
Gemächliche Fahrt durch den Herbst
Als alle an Bord sind, setzt sich das Gespann gemächlich in Bewegung. Über die Salinestraße geht es Richtung Nordbrücke, dann weiter entlang der ruhigen Straße „In der Au“. Die Fahrt führt durch bunte Herbstwälder und kleine Dörfer – eine Stunde lang begleitet vom gleichmäßigen Klang der Hufe. Am Schlossparkplatz in Aschach endet die Reise, die Kutsche wird bereits erwartet.
Herzlicher Empfang
Am Schlossplatz angekommen werden die Passagiere von Andreas Sandwall, Bürgermeister von Bad Bocklet, Emil Müller, stellvertretender Landrat im Landkreis Bad Kissingen, und Hans Körner, Poststallhalter, begrüßt. Im Schlosshof erwartet die Gäste die Postkutschenkapelle, die mit festlichen Klängen für einen musikalischen Empfang sorgt.
Gemeinsam zu verrückten Ideen
Nach einigen Stücken der Postkapelle ergreift Thomas Leiner das Wort: „Eine weitere erfolgreiche Saison geht zu Ende. Danke, dass ihr stets unfallfrei gefahren seid!“ Gemeinsam mit dem Ehrenmitglied Wolfgang Wimmel und im Namen des Ehrenpräsidenten Werner Scheller überreicht er ein besonderes Geschenk: echte Poststempel, die Diakon Maik Richter dankend entgegennimmt.
„Nur gemeinsam kann man verrückte Ideen in die Tat umsetzen!“, sagt Pfarrerin Barraud-Volk. „Für meine Kolleginnen und Kollegen sowie für mich war diese Fahrt ein großartiges Erlebnis. Ich fühle mich wunderbar entspannt.“
Auch Bürgermeister Sandwall lobt die Postkutsche: „Es gab keine Reifenplatzer und immer gute Gästezahlen, unser historisches Angebot wird sehr geschätzt. Wir haben ein wunderbares Team – natürlich sind viele Autofahrer genervt, aber da müssen sie leider durch.“
Stefan Matthes, der Leiter der Postkapelle, schließt mit seiner Ansprache. Seit Jahren begleite die Kapelle die Kutsche bei jeder Saisoneröffnung und -schließung. „Auch wenn die Post sich vor Jahren aus dem Verein zurückgezogen hat, wären wir ohne eine Einladung todtraurig“, sagt Matthes. „Die Postkutsche ist ein Spektakel! Ich bin selbst 20 Jahre mitgefahren. Es ist wichtig, die viele Arbeit zu würdigen und zu erhalten, denn es ist einmalig.“
Rund um die Postkutsche
Seit 1988 ist Hans Körner der Poststallhalter. Gemeinsam mit seiner Frau Yvonne, die als Kutscherin im Einsatz ist, betreibt er die Postkutsche mit großem Engagement. Unterstützt werden die beiden von Paulina Klöffel, die sich neben ihrer Tätigkeit als Postillion auch um die Pferde kümmert. Während der laufenden Saison werden die Pferde in einem Gebäude an der Unteren Saline in Bad Kissingen untergebracht. Insgesamt stehen sechs bis acht Pferde zur Verfügung, die für den aktiven Betrieb ausgetauscht werden können. Der Stall mit großem Auslauf wird von der Stadt Bad Kissingen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Wintermonate verbringen die Tiere in ihrem heimischen Stall bei Hans Körner, die Postkutsche überwintert in der Unteren Saline.
Gefahren wird bei Wind und Wetter, „schließlich sind sowohl die Pferde als auch die Kutscherinnen wasserfest“, sagt Hans Körner mit einem Augenzwinkern. Dank dieser Verlässlichkeit kann die Kutsche jedes Jahr von Ende April beziehungsweise Anfang Mai bis Mitte Oktober. In der Saison 2025 nutzten mehr als 800 Fahrgäste die Gelegenheit, mit der historischen Postkutsche durch die Region zu reisen. Mit bis zu neun Sitzplätzen fährt das gelbe Gespann ab Saisonstart von Donnerstag bis Sonntag.
Verein der Postkutsche
Der Verein der Postkutsche Bad Kissingen – Bad Bocklet wurde vor 20 Jahren mit dem Ziel gegründet, die historischer Postkutschenlinie dauerhaft zu erhalten. Zu den Mitgliedern zählen die Stadt Bad Kissingen, der Landkreis Bad Kissingen, der Bezirk Unterfranken, die Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, die Staatsbad und Touristik Bad Bocklet GmbH, der Markt Bad Bocklet sowie – bis 2018 – die Deutsche Post AG.
Einzigartig in Deutschland
Im Jahr 2025 feiert die Postkutsche ihre 86. Fahrsaison – als einzige noch regelmäßig betriebene Postkutschenlinie Deutschlands. Die Saison sei sehr erfolgreich gewesen, die Kutsche jedes Wochenende ausgebucht. Jedes Jahr zur Saisoneröffnung und -schließung lädt der Verein ausgewählte Ehrengäste zu einer Fahrt ein.
Die nächste Saison der Postkutsche beginnt voraussichtlich wieder Ende April oder Anfang Mai 2026. Hin- und Rückfahrt kosten 25 Euro.


















