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Schicksale hinter den Akten
Lesung in Hammelburg: Schellenberger im Fokus der Stasi
Eberhard Schellenberger
Der langjährige Leiter des BR-Studios in Würzburg, Eberhard Schellenberger, war lange Zeit unter Beobachtung der Stasi. // Matt Keyworth
Ramsthal – Deckname Antenne: Schellenberger wurde von der Stasi bespitzelt. Seine Erfahrungen zeichnen ein düsteres Bild der Überwachung in der DDR.

Der Journalist und Autor Eberhard Schellenberger, der jahrzehntelang als „Stimme Mainfrankens“ das BR-Studio in Würzburg leitete, hat bei einer Lesung aus seinem Buch „Deckname Antenne – Als Journalist im Visier der Stasi“ eindrucksvoll an ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte erinnert.

Klaus Kemmer hatte im Nachlauf seiner Tätigkeit als Seniorenbeauftragter ins Ramsthaler Pfarrheim geladen und zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um mehr über die Machenschaften der Staatssicherheit der ehemaligen DDR und die persönlichen Schicksale hinter den Akten zu erfahren.

Schellenberger schilderte in seinem Vortrag die jahrelange Bespitzelung und Überwachung durch die Stasi sowie die perfiden Methoden des Geheimdienstes. Dabei verband er historische Fakten mit persönlichen Geschichten und machte deutlich, wie tief das Misstrauen und die Kontrolle in den Alltag der Menschen eingriffen. Immer wieder las er Passagen aus seinem Buch vor, die im Publikum sichtliche Betroffenheit auslösten.

Eindrucksvolle Schilderung

Besonders eindrucksvoll war die Schilderung der Rolle von Informanten und inoffiziellen Mitarbeitern, die oftmals aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld der Betroffenen stammten. So schilderte er besondere Erfahrungen beim Besuch von Bekannten in der Lausitz oder als BR-Mitarbeiter im Rahmen der entstehenden Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Suhl.

Schellenberger berichtete dabei auch von Gesprächen mit Zeitzeugen und von der intensiven Archivarbeit, die der Entstehung des Buches vorausging. Dabei erhielt er erst eine Vorstellung von dem Umfang seiner Überwachung und Bespitzelung.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig die Erinnerung an die deutsche Teilung und die Auseinandersetzung mit diktatorischen Strukturen auch heute noch sind. Das Publikum an diesem Abend hatte altersbedingt eigene Erinnerungen oder auch Erfahrungen mit der Zeit vor dem Zusammenbruch der DDR.

Wichtiger ist es aber, den nach dieser Zeit heranwachsenden Generationen einen Einblick in dieses Kapitel deutscher Geschichte zu geben. Eberhard Schellenberger meinte dazu, dass er unter den rund 10.000 Besuchern seiner Vorträge etwa 6000 Schüler hatte, die großes Interesse zeigten.

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