0
Kein Open Air-Rave
Warum das „Beach Beats“ in diesem Jahr nicht stattfindet
"Beach Beats": Kein Open Air-Rave am Schweinfurter Baggersee
Die Stadt Schweinfurt hat die zweite Auflage des Open-Air-Events „Beach Beats“ am Schweinfurter Baggersee abgelehnt. Der Veranstalter zeigt sich enttäuscht, hat aber noch Hoffnung. (Symbolfoto) // Julia Milberger
Signet des Fränkischen Tags von Desiree Schneider
Schweinfurt
Schweinfurt – Wegen Beschwerden im vergangenen Jahr hat die Stadt das Event nicht genehmigt. Auch ein Kompromiss des Veranstalters wurde abgelehnt – der fühlt sich übergangen.

Hunderte Feierwütige, die unter freiem Himmel zu elektronischer Musik tanzen, grelle Lichter, im Hintergrund die Spiegelungen im Wasser – so sah es im vergangenen Sommer in der Nacht vom 17. auf den 18. August am Schweinfurter Baggersee aus. Denn da fand zum ersten Mal der Open-Air-Rave „Beach Beats“ statt. Veranstaltet haben ihn die Verantwortlichen des ehemaligen Schweinfurter Techno-Clubs „Ensō“, der jüngst nach gut zwei Jahren seine Türen schließen musste.

„Hätten wir letztes Jahr das ‚Beach Beats‘ nicht veranstaltet, hätten wir es finanziell nicht geschafft“, sagt Daniel Schüll, Inhaber des „Ensō“, im Gespräch mit dieser Redaktion. Steigende Miet- und Fixkosten und hohe DJ-Gagen hatten den Club zunehmend vor Herausforderungen gestellt. Mit einigen größeren Veranstaltungen, etwa im März in der Stadthalle oder dem „Beach Beats“ am Baggersee, hätten sie sich finanziell noch einigermaßen über Wasser halten können, sagt Schüll. Gereicht hatte es am Ende dennoch nicht.

Stadt Schweinfurt lehnt Genehmigung für „Beach Beats“ ab

Einen stationären Clubbetrieb wird es deshalb nicht mehr geben. Mit einzelnen größeren Veranstaltungen wolle das „Ensō“ in der Region aber weiterhin präsent bleiben, so die Idee der Verantwortlichen. Auch deshalb hätte es in diesem Jahr eigentlich eine zweite Auflage des “Beach Beats“ am Baggersee geben sollen. Doch dann die Enttäuschung: Die Stadt Schweinfurt lehnte eine Genehmigung des Events ab.

Grund seien unter anderem Beschwerden im vergangenen Jahr. „Der Baggersee dient primär der Erholung und dem Freizeitvergnügen der Besucherinnen und Besucher. Die im vergangenen Jahr verzeichnete hohe Zahl an Beschwerden, verbunden mit Hinweisen zu Lärm- und Umweltbelastungen, lässt derzeit eine sichere und verantwortungsvolle Durchführung weiterer Veranstaltungen nicht zu“, sagt Kristina Dietz, Pressesprecherin der Stadt.

Zwei schriftliche Beschwerden in Zusammenhang mit dem „Beach Beats“ hätten das städtische Ordnungsamt im vergangenen Jahr erreicht, darunter eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Zudem sei am Montag nach der Veranstaltung „eine ganze Reihe telefonischer Beschwerden, auch aus entfernteren Wohngebieten wie dem Bergl, über den Lärm“ eingegangen, so Dietz. Künftig wolle man Anwohnende schützen und sicherstellen, dass die „Umwelt am Baggersee nicht übermäßig belastet wird“.

Enttäuschung beim Veranstalter

Seitens des „Ensō“ zeigt man sich über die Absage enttäuscht. „Gerade in unserer aktuell schwierigen finanziellen Situation hätten wir dieses Event dringend gebraucht“, sagt Daniel Schüll. Er wundere sich über die Beschwerden. „Wir haben uns an die Vorgaben der Stadt zur Lautstärke gehalten“, sagt er. Auch mit den Themen Sicherheit und Sauberkeit sei man gewissenhaft umgegangen.

Er vermute, hinter einigen der Beschwerden könnte etwas anderes stecken. „Das ist ein grundsätzliches Problem, vor dem wir immer wieder stehen. Viele, gerade unter den Alteingesessenen, haben wenig Verständnis für junge, frische Musik“, sagt Schüll. Er wünsche sich mehr Verständnis auch für elektronische Musikveranstaltungen.

"Beach Beats": Kein Open Air-Rave am Schweinfurter Baggersee
Der Schweinfurter Baggersee war für viele Menschen aus der Region bei den sommerlichen und heißen Temperaturen ein beliebter Ausflugsort. // HMB Media/ Heiko Becker

Stadt lehnt auch Kompromissvorschlag ab

Deshalb habe er der Stadt einen Kompromiss vorgeschlagen: Das „Beach Beats“ beginnt früher und endet dafür nicht wie im vergangenen Jahr erst um zwei Uhr nachts, sondern bereits um 22 Uhr. Das könnte die Anwohnenden entlasten, meint Schüll. Doch auch diesen Vorschlag habe die Stadt abgelehnt.

Auf Nachfrage bestätigt die Stadt auch diese Absage und verweist erneut auf Bedenken in Sachen Lärm- und Umweltbelastung. Für Konzerte am Baggersee würden deshalb generell „nur sehr zurückhaltend Genehmigungen erteilt“, erklärt Dietz. So hätten dort in diesem Jahr lediglich zum wiederholten Mal das „Rookie Festival“ für Auszubildende der XXXLutz-Möbelhäuser sowie die „Bolzplatz Open Air Tour“ stattfinden dürfen. Beide seien ohne Beschwerden verlaufen, sagt Dietz.

2025 wird es demnach wohl keine Neuauflage des „Beach Beats“ geben. Für die Suche nach einer alternativen Location und die Planung sei die Zeit jetzt zu knapp, meint Schüll. Trotzdem blicke er optimistisch in die Zukunft. Man stehe nach wie vor mit der Stadtverwaltung im Austausch, wolle zeitnah einen Runden Tisch veranstalten, „um im nächsten Jahr genehmigungsfähige Open-Air-Veranstaltungen auf den Weg zu bringen“, sagt Schüll. „Damit möchten wir gemeinsam Perspektiven entwickeln, die sowohl den Interessen der Jugendlichen als auch den Anwohnern gerecht werden.“

Inhalt teilen
  • kopiert!