Ein Haus kann vieles bewahren. Plakate vergangener Konzerte, Spuren unzähliger Abende und vielleicht so manche Geschichte, die nur diejenigen kennen, die dabei waren. Vor allem aber bewahrt es Erinnerungen. Das Wasserhaus in Hammelburg hat davon über viele Jahre reichlich gesammelt. Erste Auftritte und letzte Zugaben gehören ebenso dazu wie schiefe Töne, große Momente, neue Freundschaften und Bands, die hier ihre ersten Schritte machten, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
Wie alles begann
Seit 2004 betreibt die Musikinitiative Hammelburg e.V. das Wasserhaus als Jugendkulturzentrum und Vereinsheim. Doch die Geschichte des Vereins reicht deutlich weiter zurück. Am 19. Juli 1986 kamen 24 Musikbegeisterte im damaligen Hammelburger Jugendzentrum zusammen. Was sie verband, war nicht nur die Begeisterung für laute Gitarren, sondern eine gemeinsame Idee: Rockmusik sollte in Hammelburg einen festen Platz bekommen. Und der musikalische Nachwuchs sollte eine Anlaufstelle haben. Aus dieser Idee entstand die Musikinitiative Hammelburg e.V.
Dass die junge Initiative damit offenbar einen Nerv getroffen hatte, zeigte sich nur wenige Wochen später. Am 5. September 1986 veranstaltete der noch junge Verein beim FC Weinfest erstmals „Rock im Zelt“. Flying Toastbreads, Lay Out, Nightmare, Tamara und Double UC standen auf der Bühne. 600 Gäste kamen.
Vier Jahrzehnte später ist aus der Initiative von 24 Musikbegeisterten eine feste Größe der Hammelburger Kulturlandschaft geworden. Mehr als 300 Mitglieder zählt der Verein heute. Er stellt Bands Proberäume zur Verfügung, organisiert Konzerte und Veranstaltungen und betreibt mit dem Wasserhaus einen eigenen Ort für Musik, Jugendkultur und Begegnung. Geblieben ist dabei jener Gedanke, mit dem alles begann: Rockmusik nicht nur eine Bühne, sondern ein Zuhause zu geben.
Jubiläumskonzert
2026 steht ein runder Geburtstag an. Die Musikinitiative wird 40 Jahre alt und feiert das Jubiläum so, wie es zu einem Verein passt, in dem Musik seit vier Jahrzehnten Menschen zusammenbringt.
Am Samstag, 12. September, wird das Gelände hinter dem Wasserhaus zur Open-Air-Bühne. Zehn Bands kommen dafür zusammen. Es soll ein Wiedersehen mit vielen werden, die vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte mitgeprägt haben, ein Fest für die heutige Generation und zugleich ein Vorgeschmack darauf, wohin die Reise der Musikinitiative gehen soll.
Los geht es um 14 Uhr, Einlass ist ab 13.30 Uhr. Musikalisch reicht das Programm von Rock über Blues und Punk bis zu verwandten Spielarten. Dazu kommen Essen und Getränke und später eine Aftershowparty im Wasserhaus mit Hits aus den 1980er, 1990er- und 2000er-Jahren.
Auf der Bühne treffen unterschiedliche Generationen der regionalen Szene aufeinander, von Bands, deren Geschichte sogar weiter zurückreicht als die der Musikinitiative selbst, bis zu jungen Projekten, die erst in den vergangenen Jahren entstanden sind. Viele von ihnen verbindet dabei nicht nur die Musik, sondern eine gemeinsame Geschichte mit der Musikinitiative und dem Wasserhaus.
Blick nach vorn
Vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte bilden den Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Musikinitiative. Mit der Neuwahl des Vorstands im Dezember 2025 ist ein verstärktes Team angetreten. Sean Miller führt den Verein weiter als Vorsitzender, Sebastian Mützel ist sein Stellvertreter, Andreas Pfülb bleibt Kassier und Marcel Grosch Schriftführer.
Deutlich breiter aufgestellt ist der weitere Vorstand. Daniel Bittner (Kuchen) betreut die Social-Media-Arbeit, Lena Rechtenbacher bringt sich als universelles Dekorationsgenie und Schöpferin des Spieleabends ein. Sandro Aul sorgt als Thekenchef gemeinsam mit Heidi Krebes und David Schramm dafür, dass hinter der Theke nicht nur die Getränke, sondern auch die Abläufe stimmen. Komplettiert wird die Runde durch Joachim Karl, den wohl treffendsten Kandidaten für den inoffiziellen Titel des „Musikhausmeisters“. Wenn im Wasserhaus etwas repariert, instand gehalten oder mit handwerklichem Geschick am Leben erhalten werden muss, ist er zur Stelle. Die Musikinitiative selbst spricht von einem „neu verstärkten Team“, das die Türen des Wasserhauses für viele Besucherinnen und Besucher öffnen möchte.
Seit der letzten Vorstandswahl knüpft die Musikinitiative verstärkt an gewachsene Partnerschaften an. Eine davon verbindet den Verein mit Local Heroes Bayern, einer Plattform, die junge Bands und Soloacts fördert, ihnen Bühnen verschafft und Netzwerke öffnet. Diese Verbindung ist keineswegs neu. Bis 2014 wurde das bayerische Landesfinale in Kooperation mit der Musikinitiative Hammelburg ausgetragen.
Beim diesjährigen „Ab geht die Lutzi!“-Festival in Rottershausen unterstützte die Musikinitiative Local Heroes Bayern beim Landesfinale. Mitglieder des Vereins halfen hinter den Kulissen. Daniel Bittner betreute den Social-Media-Kanal von Local Heroes Bayern und machte die wieder engere Verbindung gemeinsam mit dem Local-Heroes-Maskottchen Bragi auch auf der Bühne sichtbar. Auch Tina Schäfer, Mitglied der Bands The Diapers und EarMachine sowie Gründungsmitglied der Musikinitiative Hammelburg, war erstmals Teil der Jury.
Verbindung zur Popularmusikförderung
Eine zweite wichtige Verbindung führt zu MAINPOP, der Popularmusikförderung Unterfranken. Sie unterstützt Musikerinnen und Musiker, Bands und Kulturschaffende durch Beratung, Workshops, Camps und Vernetzung.
Hinter den Türen des Wasserhauses ist heute mehr zu Hause als Rock und Metal. Das Wasserhaus ist ein Kulturförderungsort und Vereinsheim. Es stellt nicht nur Räume für Veranstaltungen bereit, sondern dient der aktiven Förderung von Musik und Kultur. Im Keller stehen Proberäume zur Verfügung. Im Haus finden Konzerte, DJ-Abende, Workshops und weitere Kulturangebote statt.
Seit 2026 besteht eine Zusammenarbeit mit der Städtischen Jugendarbeit Hammelburg. Die städtische Jugendarbeit betreibt das Jugendzentrum in der Kirchgasse und versteht sich als Anlaufstelle und Treffpunkt für Jugendliche. Dazu kommen Ferienprogramme, Aktionen und Angebote für junge Menschen aus Hammelburg und den Ortsteilen.
Auch Familienangebote und Kulturveranstaltungen jenseits des klassischen Konzertbetriebs haben ihren Platz im Wasserhaus gefunden. Kinderdiscos gehören ebenso zum Programm wie Veranstaltungen von kulturbunt Hammelburg. Der Verein ist mit eigenen Formaten im Wasserhaus zu Gast.
Open-Air am 12. September
Start: Los geht es um 14 Uhr, Einlass ist ab 13.30 Uhr. Musikalisch reicht das Programm von Rock über Blues und Punk bis zu verwandten Spielarten. Dazu kommen Essen und Getränke und später eine Aftershowparty im Wasserhaus mit Hits aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren. Der Eintritt kostet 15 Euro, Mitglieder der Musikinitiative zahlen 10 Euro, Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.
Die Bands:
- Black River City Girls: Seit 1997 sind Simone Hepp und Kerstin Eusemann als Black River City Girls unterwegs. Zwei Gitarren, zwei Stimmen und besondere Harmonien bilden das Fundament ihrer gefühlvollen Singer-Songwriter-Musik.
- Nightmare: Kaum eine Band im Jubiläumsprogramm kann auf eine längere gemeinsame Geschichte mit der Musikinitiative zurückblicken als Nightmare. 1980 gegründet, war die Punkrockband aus dem Raum Würzburg und Hammelburg schon Teil der regionalen Szene, bevor es den Verein überhaupt gab.
- Orange Pekoe: Sie entstanden aus der lebendigen Hammelburger Rockszene und wollten sich schon früh nicht einfach zwischen Neo-Grunge, Alternative Rock oder Britpop einsortieren lassen. Wichtiger waren Groove, Gitarren, Bass und Songs, bei denen Musik, Text und Gefühlswelt zusammenfinden.
- Running Gun Blues: Seit 1988 gehören Running Gun Blues zur Hammelburger Musikszene. Heute besteht das Trio aus Gabriel „Gabs“ Uebel an Keyboard und Gesang, Jürgen Peks an E-Gitarre und Gesang sowie Mathias „George“ Uebel an Schlagzeug und Gesang. Ihr Sound verbindet Rock mit Einflüssen von Queen und David Bowie bis Elvis.
- The Diapers: Anfang der 1990er-Jahre gegründet, machten sich The Diapers mit ihrem Alternative Pop Rock, Erfolgen bei „Rock in Bayern“ und „Rock Check“ einen Namen. Zum 40-jährigen Jubiläum kehren vier der fünf Musiker gemeinsam mit dem neuen Drummer Sebastian Mützel für ein Reunion-Konzert zurück. Mit dabei sind Tina Schäfer am Gesang, Radek Wrobel an Geige und Gitarre, Joachim Karl am Bass und Sascha „Lutschi“ Turtschany an der Gitarre.
- The Fitzz: Seit 1990 machen Holger Schmitt-Pawlik, Heiko Hess und Volker Grom gemeinsam als The Fitzz Musik. Ihren unverwechselbaren Stil nennen sie Undergroundpop.
- Lay-Out: Bei Lay-Out treffen zwei Jubiläen aufeinander: 40 Jahre Musikinitiative und 40 Jahre Bandgeschichte. Schon beim ersten „Rock im Zelt“ 1986 standen Lay-Out auf der Bühne und vier Jahrzehnte später sind sie wieder dabei.
- Motherwell Park: Motherwell Park gehören zwar zu den jüngeren Namen, hinter der Band steckt jedoch Schweinfurter und Hammelburger Musikgeschichte. Ihre Mitglieder bringen Erfahrungen aus verschiedenen regionalen Bands mit, darunter Scallwags, Deathjocks und die ebenfalls auftretenden Black River City Girls.
- Manche mögen Tofu-Tigers: Irgendwo zwischen Philosophie, Schund und Humor sind Manche mögen Tofu-Tigers musikalisch zu Hause. Die Hammelburger Akustik-Spaß-Truppe verbindet Akustikgitarre, Tuba und Schlagzeug mit Liedern über faschistoides Kohlgemüse, unsichtbare Ponys oder Exkremente verzehrende Primaten, Stoff also, den man vermutlich nicht bei jeder Band findet.
- EastWest: Die Band entstand 2023 beim Band-Camp von MAINPOP unter dem Namen Heartbeat und entwickelte sich von einer Coverband hin zu eigenen Songs. Heute bewegt sich die Band zwischen Alternative Rock, Nu Metal und Hardcore.









