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"Fastnacht in Franken"
Trotz Bundestagswahl: Kein Maulkorb in der Bütt
Martin Rassau und Volker Heissmann als Waltraud und Mariechen 2024 in Veitshöchheim: Das Duo will bei „Fastnacht in Franken“ auch dieses Jahr durch die Reihen mit der Politprominenz gehen.
Martin Rassau und Volker Heissmann als Waltraud und Mariechen 2024 in Veitshöchheim: Das Duo will bei „Fastnacht in Franken“ auch dieses Jahr durch die Reihen mit der Politprominenz gehen. // Heiko Becker
Signet des Fränkischen Tags von Folker Quack
Veitshöchheim – Welche Vorgaben der Bayerische Rundfunk für die Fernseh-Prunksitzung aus Veitshöchheim zwei Tage vor dem Wahltermin hat. Und wieso Politiker nicht auf die Bühne dürfen.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind laut Rundfunkstaatsvertrag zur Ausgewogenheit verpflichtet, insbesondere zur politischen Balance. Hat dies jetzt Auswirkungen auf die „Fastnacht in Franken“, die am 21. Februar – zwei Tage vor der Bundestagswahl – im Bayerischen Rundfunk (BR) live auf Sendung geht?

Auf Nachfrage teilt der BR mit: ARD-weit sei beschlossen worden, dass Politiker und Politikerinnen in den sechs Wochen vor der Bundestagswahl nicht in Unterhaltungssendungen mitwirken dürften.

Dies bedeute, dass sie nicht als Gast auf der Bühne oder beispielsweise als Büttenredner in einer Faschingssendung mitwirken dürfen. Als Gast im Publikum können sie laut BR bei Sendungen aber dabei sein. So gesehen ändere sich für „Fastnacht in Franken“ nichts.

BR: Für Auftritte gilt die künstlerische Freiheit

Für die Auftritte bei „Fastnacht in Franken“ gelte die künstlerische Freiheit, teilt die zuständige Redaktion des BR mit. Für die Künstlerinnen und Künstler gebe es keine speziellen Vorgaben mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl am 23. Februar.

Wie in den Vorjahren würden die Akteure bei ihrer Vorbereitung für die Sendung vom Sender redaktionell begleitet. Und wie sonst auch bekämen „alle Parteien ihr Fett ab“, kündigt der BR an: Die Akteure würden sich dem gesellschaftlichen und politischen Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern. Damit ergebe sich automatisch eine politische Ausgewogenheit.

Wahl für Fasching nebensächlich

Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, ist zwar gespannt, wie das Thema Wahl behandelt wird. Für den Fasching sei der Wahltermin jedoch nebensächlich: „Man hält der Politik und der Gesellschaft so oder so den Spiegel vor.“

Das sieht auch Anja Miller so. Auf die Frage, ob der Termin so kurz vor Wahl Fluch oder Segen sei, sagt die Leiterin des BR Franken: „Ganz klar, ein Segen!“ Einen Maulkorb für die Künstler werde es jedenfalls nicht geben.

Entspannte Akteure: Die Programme stehen

Den ließen sich die wohl auch kaum anlegen. Der Schweinfurter Büttenredner Peter Kuhn sagt, er würde sich inhaltlich niemals hineinreden lassen. Eher würde er auf den Fernsehauftritt vor Millionenpublikum verzichten.

Kuhn tritt in diesem Jahr zum 33. Mal bei der TV-Prunksitzung auf und hält stets eine sehr politische Büttenrede. Der Termin kurz vor der Wahl sei für ihn kein Problem. Schwieriger würden eher seine Auftritte nach der Wahl. Vermutlich werde er seine Rede aber auch dann nicht umschreiben.

Rassau und Heissmann: Wir nutzen den Moment

Auch das Duo Martin Rassau und Volker Heissmann lässt der Wahlsonntag kalt: „Wir haben ja bei unserer Darbietung eine Nonsens-Nummer, da müssen wir nicht so viel Rücksicht auf die aktuelle politische Lage nehmen“, sagt Martin Rassau. Beim Gang durchs Publikum wollen die beiden wieder ganz spontan auf die Kostüme und Reaktionen der Politiker reagieren – ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeiten. „Wir nutzen sozusagen den Moment der Situation – also einfach überraschen lassen.“

Der Karlstadter Mathias Walz, der bei seiner Comedy am Klavier gerne Politikerinnen und Politiker aufs Korn nimmt, sagt: Der einzige Unterschied zu früheren Jahren sei gewesen, dass er jetzt erst sehr spät mit seiner Nummer fertig geworden sei. Bis zuletzt habe er noch auf einen Knaller im Wahlkampf gewartet, um ihn einzubauen.

Live im Saal dabei: Bayerns Politprominenz

Für die Sitzung in Veitshöchheim am 21. Februar habe der Sender wieder die Mitglieder des bayerischen Kabinetts und weitere Landespolitiker wie die Partei- und Fraktionsvorsitzenden eingeladen, teilt der BR mit. Wie in den Vorjahren habe man auf einen fränkischen Bezug und politische Ausgewogenheit geachtet. Und, sagt Anja Miller: Sehr viele Kabinettsmitglieder, Partei- und Fraktionsvorsitzende einschließlich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Söder: Wahl spielt keine Rolle bei der Veranstaltung

Für Söder spielt die Bundestagswahl bei „Fastnacht in Franken“ übrigens keine Rolle. Zumindest sagt der CSU-Chef und Ministerpräsident das. „Veitshöchheim ist zeitlos“, erklärte er im Gespräch mit der Redaktion. „Das hat nichts mit der Wahl zu tun, zumindest für mich nicht.“

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Schulze, wird in Veitshöchheim auch wieder dabei sein. Sie sagt, für sie sei „Fastnacht in Franken“ nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Spiegelbild des politischen Geschehens. Sie sei sich sicher, dass der Wahlkampf dieses Jahr auf der Bühne eine große Rolle spiele – und sei schon ganz gespannt.

Mitarbeit: Angelika Kleinhenz, Benjamin Stahl

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