Das war wirklich eine gute Idee der Maßbacher, von der man hofft, dass die Premiere nicht gleichzeitig die Dernière war, sondern dass sie in das Programm wandert. Das sollte kein Problem sein, denn sie muss ja nur einmal im Jahr umgesetzt werden. Unter dem Titel „Ins Gespräch kommen: Einladung zur Spielzeitpräsentation“ waren die Freunde des Theaters Schloss Maßbach in das Intime Theater eingeladen, um sich die Spielpläne für alle Sparten des Theaters in der Spielzeit 2026/27 vorstellen zu lassen: eine nicht nur informative Veranstaltung, denn man konnte erfahren, was sich hinter dem einen oder anderen Titel verbirgt, worauf man sich einstellen kann. Und alle konnten sich auf lockere Weise besser kennenlernen.
Maars Rückschau
Zuerst allerdings ließ Prinzipalin Anne Maar, die den Abend moderierte, nicht die Truppe, sondern Zahlen sprechen. Sie hielt eine kurze Rückschau auf die vergangene Spielzeit. Und die fiel durchaus positiv auf (Die Zahlen in Klammern sind aus dem Vorjahr).
Im Intimen Theater gab es 71 Vorstellungen (77), die von 5400 Zuschauern (5820) besucht wurden. Das entspricht einer Auslastung von 88 Prozent. Das Jugendtheater TiP, das Theater im Pferdestall lockte mit 18 Vorstellungen (11) 852 Zuschauer (401) an und hatte damit eine Auslastung von 79 Prozent.
Auf der Freilichtbühne gab es heuer 36 Kindervorstellungen und damit drei weniger als im Vorjahr. Aber es kamen 9392 Kinder, und damit deutlich mehr als in der vorangegangenen Spielzeit. Die Auslastung lag bei 83 Prozent. Die 51 Abendvorstellungen (56) wurden von 12.749 Leuten (besucht (13.198). Das sind in absoluten Zahlen 449 Personen weniger, bedeuten unterm Strich aber auch 15 Leute mehr pro Vorstellung – und damit eine Platzausnutzung von 80 Prozent. Insgesamt passierten 22.141 Leute die Theaterkasse – weniger als in der vorausgegangenen Spielzeit. Aber die kamen zu etwas weniger Vorstellung, und so erhöhte sich die Platzausnutzung über das Jahr von 75 auf 81 Prozent.
Die Ergebnisse der Zuschauerumfrage kann man auf der Homepage des Theaters rund um die Uhr einsehen. Da gibt es manch kuriose Antwort: theater-massbach.de/materialien/zuschauerumfrage_2026_ergebnisse.pdf.
Ernst und heiter
Und dann das Schaulaufen der Theaterstücke in den fünf Spielstätten des Hauses. Natürlich durfte man sich nicht zu viel erwarten, weil ja noch gar nicht alles ausdiskutiert oder hergestellt ist – etwa die Bühnenbilder (die man im Intimen Theater auch gar nicht so schnell wechseln könnte – oder die Kostüme. Was zurzeit feststeht, ist die Auswahl der Werke – wie immer eine gute Mischung aus ernst und heiter.
Und es ist auch schon klar, wer Regie führt. So wurden von den zehn neuen Stücken – einige werden auch in die neue Spielzeit übernommen wie etwa das Programm des Theater-Lkws oder „Loriots dramatische Werke“ – jeweils die ersten Szenen auf die Bühne gebracht; zum Teil von den Vorgesehenen Leuten, zum Teil von Einspringern, die natürlich alle ihre Texte noch nicht gelernt hatten. Da gab’s natürlich viel zu lachen.
Mehrere Problemfäden
Deutlich heraus aus dem Konzept der informierenden Lässigkeit fiel die Vorstellung des ersten Stückes: „Die Trümmer der Zivilisation“ von Penelope Skinner. Da kamen Anna Schindlbeck und Yannick Rey auf die Bühne, natürlich in „Zivil“ und tauchten hochkonzentriert ein in einen ungemein spannenden Dialog, der dramaturgisch geschickt gleich mehrere Problemfäden abzurollen begann.
Da saß jede Stimmfarbe, jede Bewegung. Da versucht man als Zuschauer sofort, die Fäden weiterzuspinnen, um mehr zu erfahren. Und vermutlich wäre niemand böse gewesen, wenn sie einfach weitergespielt hätten. Das hätte freilich nicht funktioniert, denn das Ganze ist ein Vierpersonenstück. Aber es war interessant, wie man aus dem Stand eine derartige Spannung erzeugen kann, und man wurde neugierig darauf, ob sie sich bis zum Ende halten lässt.
Tief in ihren Rollen
Dass Anna Schindlbeck und Yannick Rey so tief in ihren Rollen steckte, war freilich kein Wunder. Denn übermorgen ist Generalprobe, und am Freitag steigt die Premiere.
„All das Schöne“ wird sicher schon vom Thema her ungemütlich, denn Jonas Stüdemann präsentiert im Kaminzimmer des Schlosses einen Jungen, der mit dem Selbstmordversuch seiner Mutter fertig werden muss. Aber auch deshalb, weil da das Publikum eingebunden wird. Und das mag nicht jeder. Deshalb werden wohl die hinteren Ecken des Raums als erste belegt sein.
Peterchen und Frau Carrar
Fanny Schmidt und Thomas Klischke haben eine neue Fassung von dem berühmten Kinderbuch „Peterchens Mondfahrt“ erstellt, in der zwei Kinder einem Maikäfer helfen wollen und zum Mond reisen, um sein abgerissenes sechstes Bein zu suchen, das dort gelandet sein muss. Mit Spannung dürfen auf jeden Fall die Theaterbesucher auf den 29. Januar warten, die Anfang der 80er Jahre schon nach Maßbach kamen. Denn Ingo Pfeiffer inszeniert Bertolt Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“. Da muss er große Fußstapfen umgehen. Denn bei der letzten Inszenierung in Maßbach hat Lena Hutter die Teresa Carrar gespielt. Und sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber ansonsten darf in der anlaufenden Spielzeit viel gelacht werden.












