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Wenig Möglichkeiten
Nix los für die Jugend in Bad Kissingen
Den Jugendlichen  im Landkreis Bad Kissingen bleiben nur wenige Möglichkeiten zum Feiern, eine davon ist das Look.
Den Jugendlichen im Landkreis Bad Kissingen bleiben nur wenige Möglichkeiten zum Feiern, eine davon ist das Look. // Johannes Nöth
LKR Bad Kissingen – Die Jugend im Landkreis ist unzufrieden. Ihr Wunsch: Veranstaltungen für jüngere Menschen und ein besseres Angebot an Bus und Bahn – vor allem nachts.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste große Party? Schick angezogen, voller Vorfreude, ging es los. Die Aufregung mindestens genauso groß wie die Erwartungen. Die Auswahl an Veranstaltungen war riesig. Heute ist das nicht mehr so: Die Jugendlichen im Landkreis Bad Kissingen haben nur einen Club zum Feiern – den Klein.Stadt.Klub (Look). Auch der Rest der Freizeitangebote scheint sie nicht zufriedenzustellen. Ein Kino, wenige Bars und die Bowling-Arena mit Shisha-Bar reichen nicht aus.

Nur 4,87 Punkte gibt es im Heimat-Monitor für die Frage „Wie gut ist das Angebot für Jugendliche in Ihrem Wohnort?“. Wir haben nachgefragt, wo Jugendliche in Bad Kissingen ihre Freizeit verbringen, was sie von dem vorhandenen Angebot halten und welche Projekte sie sich für die Zukunft wünschen. Nicht alle Befragten waren mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden und bleiben deshalb anonym.

Mehr Konzerte und Festivals

Die 18-jährige Mimi aus Nüdlingen wäre gerne öfter mit ihren Freunden in Bad Kissingen unterwegs. Das Problem: „Es gibt halt nicht so wirklich etwas, das man machen kann. Wir nutzen eigentlich nur das Look.“ Von einem Jugendzentrum oder andere Angebote wisse sie nichts. Die ihr bekannten Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Ferienprogramm, seien mehr für jüngere Kinder ausgelegt, erzählt sie.

Auch drei Jungs aus Albertshausen, Steinach und Poppenroth bestätigen das. „Wir nutzen ab und zu das Bowling-Center, die Shisha-Bar oder gehen mal ins Kino, wenn ein guter Film läuft. Mehr aber auch nicht.“ Sie wünschen sich vor allem häufiger Veranstaltungen wie Festivals oder Konzerte. „Irgendwas abseits vom Rakoczy-Fest wäre cool“, äußern sie.

Kein Vergleich mit größeren Städten

Ähnliche Situation im Rest des Landkreises. „In Münnerstadt geht gar nichts“, beschwert sich ein dort wohnhafter Jugendlicher. „Für Hammelburg fällt uns jetzt auch nicht wirklich was an Freizeitmöglichkeiten ein“, berichtet eine 16-Jährige aus Thulba. Die Sachen, die in Kissingen vorhanden sind, wären nicht wirklich spektakulär, auch sie würde nur das Look nutzen.

Eine 21-jährige Hammelburgerin erzählt: „Es gibt eigentlich nur den Stadtstrand, aber auch der ist ab zehn Uhr zu.“ Mehr als in einem Restaurant essen gehen, könne man dort nicht. Auch sie findet das Rakoczy-Fest gut und äußert den Wunsch nach mehr Veranstaltungen. „Es wäre cool, wenn auch mal ein paar bekanntere Stars für jüngere Menschen nach Bad Kissingen kommen würden. Die, die aktuell kommen, sind eher für die älteren Generationen.“

Trotzdem ist sie sich bewusst, dass man Bad Kissingen nicht mit Würzburg oder Schweinfurt vergleichen darf. „Es könnte natürlich besser sein, aber du hast halt hier auch nicht die gleichen Möglichkeiten wie in größeren Städten.“

Ohne Auto aufgeschmissen

Ein Problem haben alle: Ab zehn Uhr abends fahren keine Busse mehr in Richtung Bad Kissingen. „Man ist total auf die Eltern oder einen anderen Fahrer angewiesen“, beschwert sich die Nüdlingerin. Einzige Möglichkeit ist dann oft das Taxi, dies sei allerdings sehr teuer. Besonders der Rückweg gestaltet sich oft schwierig. „Nachts will einen natürlich niemand mehr abholen und die nächste Bahn fährt oft erst ab sechs oder sieben Uhr früh“, weiß die Hammelburgerin.

Ohne ein Auto sei man bei uns im Landkreis aufgeschmissen. Der Wunsch: Ein Disco-Shuttle. Einen Nachtbus, wie es ihn in den Jahren 2000 bis 2008 im Landkreis bereits gab, ist aktuell nicht geplant. „Aufgrund der zurückgehenden Fahrgastzahlen wurde der Discoverkehr ab 2009 nicht mehr angeboten“, heißt es aus dem Landratsamt.

Mehr private Veranstaltungen

Die wenigen Freizeitangebote und die Schwierigkeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen dafür, dass sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit vor allem auf privaten Veranstaltungen aufhalten. Dort ist es leichter: Oft könne man einfach nach Hause laufen oder bei Bekannten übernachten, sind sich alle Befragten einig.

Bekanntheit bis nach Schweinfurt

Dass man mit attraktiven Freizeitangeboten auch Jugendliche außerhalb des Landkreises anlocken kann, zeigt sich im Look. „Viele unserer Freunde fahren regelmäßig her“, erzählt die 18-jährige Anna aus der Nähe von Bad Neustadt. Und auch aus Schweinfurt kommen die Leute gefahren. „Wir sind extra für den DJ hergekommen“, erzählt eine Gruppe. Aber: Das Problem der An- und Abfahrt trifft auch sie. Ein Taxi nach Neustadt koste zum Beispiel mindestens 90 Euro, die einfache Zugfahrt zwölf.

Die Aussagen der Jugendlichen stimmen mit den freien Nennungen des Heimat-Monitors überein. „Nur sehr geringes Angebot für Jugendliche“, beschwert sich ein Leser aus Hammelburg. Ein Münnerstädter Teilnehmer ist derselben Meinung. Seine Forderung: „Mehr tun für die Jugend!“ Besonders schlecht sind die Zahlen aber vor allem in den ländlicheren Gemeinden. Zeitlofs (3,58), Schondra (3,74) und Wartmannsroth (3,82) landen in dieser Kategorie mit Abstand auf den letzten Plätzen.

Überblick der Einwohnerzahlen

Zum Überblick: Laut Bayrischen Landesamt für Statistik leben im Landkreis Bad Kissingen insgesamt 103.454 Menschen (Stand 31.12.2021). Davon sind 5.975 zwischen zehn und 16 Jahren alt, 1.858 in der Altersgruppe bis 18 Jahren und 5.827 zwischen 18 und 24 Jahren. „Die Bevölkerungsdaten für das letzte Jahr liegen derzeit noch nicht vor, diese werden erst Mitte Juni vorliegen und veröffentlicht“, so das Amt.

 

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