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Theater-Lkw mit neuem Stück
Zwei Bären auf kleiner Bühne
Theater-Lkw Maßbach
Anna Schindlbeck und Ingo Pfeiffer sind Ben und Opa Bär in dem Stück „Kleiner Ben, große Angst“. // Sebastian Worch
Maßbach – Theater auf Rädern: Kinder erleben im Theater-Lkw eine Geschichte voller Herz und Humor: Mit Paul Maars „Kleiner Ben, große Angst“ werden kindliche Sorgen überwunden.

Auch wenn es von der Öffentlichkeit gar nicht so sehr wahrgenommen wurde: Am 1. September 2023 wurde am Maßbacher Theater ein neues Kapitel aufgeschlagen mit einem Projekt, unter dem man sich zunächst nichts Genaueres vorstellen konnte: Der neue Theater-Lkw wurde in Dienst gestellt: sieht von außen aus wie jeder ganz normale 7,5-Tonner mit einem geschlossenen Laderaum und einer seitlichen Zugangstür. Aber innen hat er alles, was ein Theater braucht: eine kleine Bühne, vielseitige Beleuchtungseinrichtungen, die von der Fahrerkabine aus gesteuert werden und im hinteren Teil den Zuschauerraum für 25 bis 30 Kinder (plus Begleitung).

Das klingt gemütlich, und das ist es auch. Denn die Welt bleibt wirklich draußen, und man sitzt dicht beieinander und fast mitten auf der Bühne. Wenn der Lkw vorfährt, braucht er nur zwei Dinge von außen: eine einigermaßen ebene Parkfläche und eine Steckdose. Ja natürlich! Und einigermaßen gut erreichbare Toiletten. Das neue Konzept ist sehr gut angekommen.

Wie viele Schauspieler passen rein?

Interessant ist die Frage, was man in dem neuen Vierradtheater spielen kann. Große Massenszenen sind da nicht möglich. Ein- und Zweipersonenstücke lassen sich problemlos machen. Bei drei Personen ist die Grenze eigentlich schon erreicht, denn es gibt praktisch keine Ausweichmöglichkeiten.

Wenn man auf die fünf Produktionen schaut, die derzeit im Angebot sind, dann sind das drei Ein- und zwei Zweipersonenstücke. Und interessanterweise sind alle Uraufführungen. Nicht, dass es keine Zweipersonenstücke gäbe. Aber „Warten auf Godot“ ist nun mal nichts für die Zielgruppe der 4+-Jährigen. Das zeigt aber auch, dass es durchaus ein Interesse in der Autorenschaft gibt, Stücke für Kinder zu schreiben.

Eine Fortsetzung als Uraufführung

Eröffnet wurde das Theaterchen mit einem Stück von Paul Maar: „Opa Bär und die Menz“. Klar, worum es da im Spiel vom Opa und Enkel Bär ging. Jetzt gab es, auch wieder als Uraufführung, die Fortsetzung „Kleiner Ben, große Angst“. Auch hier geht es wieder um Opa und Enkel Bär und ihre Probleme. Plant da Paul Maar, der wunderbar sensible Kinderversteher, so etwas wie eine ganze Reihe? Die Konstellation gäbe es her, und schön wär’s. Aber dann hätte Opa Bärs Demenz nicht am Anfang stehen dürfen.

Denn jetzt, in „Kleiner Ben, große Angst“, ist Opa Bär zumindest erkennbar noch nicht dement, nur manchmal ein bisschen albern.

Der Wolf lauert im Gebüsch

Und das muss er sein, um seinen Enkel Ben aus seinen Ängsten herauszuholen. Denn der traut sich nicht, alleine in den Kindergarten zu gehen, weil er irgendwann mal gehört hat, dass sich hinter jedem Gebüsch ein Wolf verstecken kann.

Opa Bär, der Bens Problem nicht wirklich nachvollziehen kann, startet ein Entangstungsprogramm, experimentiert mit allen möglichen Aktivitäten. Denn nur erklären, dass da kein Wolf ist oder dass ein einzelner Wolf auch vor einem kleinen Bären Angst hat und wegrennt, das nützt nichts.

Was dann? Einen Wolf malen? Oder imponierende Muskeln bilden? Oder aufbauende Speisen zubereiten? Natürlich mit Honig! Oder den Zuckowski machen und mit Ukulele und anderen Lärmquellen Angstreduzierungslieder singen? Man soll ja nicht zuviel verraten. Denn es ist erstaunlich, was für Konstellationen und Handlungen auf der kleinen Bühne mit dem zwangsläufig sehr konzentrierten Bühnenbild möglich sind.

Viel Spaß schon bei den Proben

Uwe Gröschel, Theaterpädagoge des Hauses, hat das Stück mit Ingo Pfeiffer und Anna Schindlbeck in die kleine Bühne eingepasst. Die Proben müssen allen dreien großen Spaß gemacht haben, denn sie konnten sich auch in der Aufführung das Lachen nicht immer ganz verkneifen, obwohl sie sie absolut ernst nahmen.

Und sie fanden eine gute Balance zwischen der vorwärtstreibenden Ungeduld von Opa Bär, der so gerne Erfolge sehen wollte, und der allmählich aufweichenden Angst und schwindenden Skepsis von Ben. Der am Ende beim finalen Angstbefreiungslied ziemlich befreit mitgrölte.

Unterm Strich eine Inszenierung mit viel Witz und Tiefgang, natürlich zugeschnitten auf die Kinder. Aber auch als Erwachsener kann man sich ein „Goldig!“ nicht verkneifen.

Weitere Informationen zum Theater-Lkw finden Sie im Internet.

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