Alle diese letzten Male: „So traurig, wichtig, schön. Man wird sich der Kostbarkeit jeder einzelnen Begegnung ganz neu bewusst“, sagt Pfarrer Hans Thurn zwischen all seinen letzten Terminen in der Gemeinde Motten, unter ihnen ein Abschiedsgottesdienst in jedem Ortsteil.
Jetzt, da er seinen Ruhestand antritt, fiel das Wort Abschied natürlich sehr oft. Sechs Jahre lang hatte Thurn in allen Mottener Ortsteilen sowie im pastoralen Raum Bad Brückenau gewirkt. Zusammen mit Domkapitular Armin Haas, Pfarrer Karl Ebner, Diakon Donald Löw, Diakon Horst Conze und Pfarrvikar Mariusz Dolny feierte er seinen offiziellen Abschiedsgottesdienst in Kothen.
Viel zwischen Gemeinden gependelt
Zweischneidig seien Abschiede, da waren sich alle Redner, inklusive Pfarrer Thurn selbst einig. Nicht nur auf das Ausbleiben des Weckerklingelns freue er sich, auch auf das vom Großvater erbaute Haus in Straubing. „Verlusterfahrungen“ stünden auf der anderen Seite der Waagschale: „Die ganze Freude, die mich getragen hat, die mir geschenkt wurde. Die mitbrüderliche und auch ökumenische Verbundenheit, all das ist ab dem ersten Oktober Null Uhr nicht mehr“, sagte er.
Erinnerungen bleiben an die „zehntausende Kilometer Pendeln zwischen Motten, Brückenau, Zeitlofs, Kothen“, aber auch an das „Engagement, die nicht unkritische, aber unzerstörbare Solidarität“ aus den Kirchengemeinden Mottens. An „viele kleine, lustige, mutmachende Gespräche. Und Freundschaften, die bleiben werden“.
Auch wenn schon feststeht, dass er im kommenden Jahr zur Einweihung der neuen Kirche in Motten eingeladen wird, weiß er: „Es geht weiter, auch ohne mich. Wie ein guter Fußballer habe ich die Vorlage geliefert, und gönne den erfolgreichen Abschluss meinem Nachfolger.“
„Markante Charaktere“
An die Kirchengemeinde gerichtet sagte er: „Schenken Sie ihm die Treue, die Freundschaft, die Verbundenheit, die Anerkennung, die ich erfahren durfte.“
Domkapitular Armin Haas sagte „Danke, dass du dich auf uns eingelassen hast“, mit allen Aufgaben zwischen Motten und Zeitlofs, gleich zu Beginn mit dem Corona-Management belastet, dann mit der Aufgabe, „eine Kirche abzureißen und eine neue zu bauen“, nicht zuletzt mit „unseren markanten Charakteren“. Durch Thurns Dienst an den Menschen, sein „zuverlässiges Dasein“, seine Hilfs- und Verantwortungsbereitschaft und seine Solidarität sei man „froh, dass wir uns auf dich verlassen durften“, erklärte Haas.
Respekt zollte auch Walter Fronczek, Vorsitzender des gemeinsamen Pfarrgemeinderats. Eine „Mammutaufgabe“ habe Hans Thurn mit der Seelsorge für alle unterschiedlichen Kirchengemeinden angenommen. Sehr „omnipräsent“ sei Thurn gewesen und habe doch sein eigenes Befinden oft „hintangestellt“.
Mottens Bürgermeisterin Katja Habersack dankte Pfarrer Thurn für Offenheit, Fairness und Wertschätzung sowie für ein „offenes Ohr und Gespräche voller Empathie und Impulse“. Thurn hinterlasse Spuren in den Herzen.
Bad Brückenaus Bürgermeister Jan Marberg sagte, Pfarrer Thurn habe hier „gut und viel gewirkt“. Marberg erinnerte sich an einen spontanen und unkomplizierten Einsatz, als Pfarrer Thurn einem Obdachlosen eine Unterkunft organisiert hatte. Mitmenschlichkeit und respektvolles Miteinander auf Augenhöhe zeichneten Thurn aus, so Marberg..
Eine Woche zuvor hatte Pfarrer Hans Thurn seinen letzten Gottesdienst im Josefsheim, der „Notkirche“ für die Zeit der Bautätigkeiten in der ehemaligen Kirche St. Bartholomä, gefeiert. Es sei eine „Großartigkeit“, so Thurn, die Kirche sei eine Kirche „jedes einzelnen. Das sollte unser größter Gewinn sein“. Thurn dankte „allen, die mit mir unterwegs waren“. In den sechs Jahren seines Wirkens habe er eine „liebenswerte nette Gemeinde“ erlebt.
Kirchenpfleger Michael Mahr würdigte die konstruktive, vertrauensvolle und unkomplizierte Zusammenarbeit mit Hans Thurn. „Von dir bleibt etwas hier“, so Mahr, nicht zuletzt auf Grund des Kirchenumbaus. Viele Elemente würden von dem Einsatz und den Ideen von Hans Thurn zeugen.
Kritisch, aber solidarisch
Von der Kirchengemeinde in Speicherz bleibe Thurn der „solidarisch gute, vor allem kritische Blick. Ich denke gerne an diesen Ort zurück“, auch wenn die Speicherzer Kirche die einzige war, aus der er einmal „rausgeschmissen“ wurde, erzählt er lächelnd. Hintergrund war, dass der damalige Pfarrvikar Fidelis Kwazu in Speicherz verabschiedet werden sollte, Thurn und Kwazu allerdings ohne dieses Wissen Gottesdienste getauscht hatten.
Rudolf Klug vom Kapellenbauverein dankte Pfarrer Hans Turn „für alles Gute, das Sie uns getan haben“. Man gönne ihm den Ruhestand, bedauere es aber sehr: „Gerne hätten wir noch viele Jahre mit Ihnen Gottesdienste gefeiert“.
Diese Worte fielen in jedem Abschiedsgottesdienst, zusammen mit der Versicherung, dass die Kirchentüren in Motten weiterhin für Hans Thurn geöffnet sein werden, und dem Wunsch, dass sein Weg ihn wieder nach Motten, Kothen und Speicherz führen möge.










