Da machte sich also die Lerche mit der Eule auf den Weg. In aller Früh. In alleralleraller Früh würde ich sogar sagen. Weil ich die Eule war und solche Uhrzeiten gewöhnlich verschlafe. Diesmal ging der Wecker satte drei Stunden früher und daher deutlich lauter als gewohnt. Als Aufwach-Backup wurde sogar das Mobiltelefon am Kopfkissen platziert. Ausnahmsweise.
Neugierde vertreibt Müdigkeit
Die Lerche hatte mich am Abend zuvor regelrecht überrumpelt mit der Frage, ob ich Interesse hätte, mal einer Rorate-Feier beizuwohnen. Also einem jener Gottesdienste, die in der Adventszeit stattfinden: in Kirchen, in denen viele Kerzen das gewohnte Licht ersetzen. Als es so weit war, hatte die Neugierde auf das Unbekannte längst die Müdigkeit vertrieben.
Im Schein flackernder Kerzen
Gut, ich gebe es zu, ich hatte mich ein bisschen eingelesen, um nicht gänzlich deplatziert zu sein. Aus dem Lateinischen kommend, wird „Rorate“ in etwa mit „den Tau fallen lassen“ übersetzt und geht auf das alttestamentarische Buch Jesaja zurück. Mindestens bis ins 15. Jahrhundert lässt sich diese besonders im Süden Deutschlands beliebte Tradition zurückverfolgen. Was solch eine Frühmesse ausmacht, ist die besondere, wohltuend ruhige Atmosphäre im Schein flackernder Kerzen, sind die meditativen Elemente sowie die Möglichkeit, im Anschluss zusammen zu frühstücken.
Gar nicht so unchristlich
Dass in dem Städtchen einige Dutzend Besucher diese Form von Gemeinschaft suchten, überraschte mich. Ich hatte mit weniger Menschen gerechnet. Sogar ein Geschenk gab es für jeden Besucher. Einen kleinen Stein, auf dem das Wort „Frieden“ geschrieben stand. Eine schöne Idee. Zu einer Zeit, die wohl doch nicht so „unchristlich“ ist, wie ich dachte.
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