Es war der gelehrte Mönch Dionysius Exiguus, der vor genau 1500 Jahren, also im Jahr 525 nach Christi Geburt, die christliche Zeitrechnung erfand. Der Ursprung der klassischen Zählung liegt also schon weit zurück. Live dabei war in Bethlehem keiner von uns. Die Corona-Pandemie hingegen haben wir alle miterlebt, jeden Tag.
Fragen wie "War das noch vor Corona?" und Sätze, die "Das müsste schon nach der Pandemie gewesen sein" oder ähnlich lauten, sind heute immer öfter zu hören. Vor allem dann, wenn jemand über einen Urlaub, eine Geburtstagsparty oder den letzten Kinobesuch grübelt, kommt diese Zeitrechnung ins Spiel.
Eine zeitliche Bestimmung von Erlebtem
Beim Schwelgen in Erinnerungen fangen wir an zu unterscheiden: War das "vor", "nach" oder "während" Corona? Damit kann jeder etwas anfangen und es scheint deutlicher als ein "vor fünfeinhalb Jahren". Doch wirklich neu scheint dieses Phänomen nicht zu sein. Große historische Ereignisse wurden schon immer als Anhaltspunkte für die zeitliche Bestimmung von Erlebtem verwendet.
Corona ist also nicht das erste Ereignis, mit dem eine Art neue Zeitrechnung verbunden wird. Der 8. Mai, Tag der bedingungslosen Kapitulation aller Wehrmächte (Marine, Heer, Luftwaffe), die damit einhergehende Zerschlagung des NS-Staates und die Zerstörung von Städten, Wirtschaftsbetrieben und Infrastruktur, ist heute noch als "Stunde Null" bekannt.
Ein anderes Beispiel: Oft hören wir im Zusammenhang mit dem Ende der DDR, der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung den Begriff der „Wende“. Auch bezogen auf die Ereignisse von 1989/1990 teilt man die Zeit also neu ein - nämlich in "vor" beziehungsweise "nach der Wende".
Wir sehen also: Das Phänomen, nach wichtigen geschichtlichen Ereignissen, im Kopf eine neue Zeitrechnung zu beginnen ist alles anderes als neu.
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