0
Angemerkt
Die Sache mit dem Sie und dem Du
Angemerkt von Ellen Mützel
Angemerkt von Ellen Mützel // Saale Zeitung
Landkreis Bad Kissingen – Eleganz oder Verwirrung? Im Alltag jonglieren wir mit "Sie" und "Du" und suchen die Balance zwischen Distanz und Nähe.

Manchmal frage ich mich echt, wer sich das mit dem Sie und dem Du ausgedacht hat. Ja, das "Sie" hat seine Berechtigung. Es hat Stil, zeigt Respekt, schafft Distanz. Aber es bringt auch eine Unpersönlichkeit und Steifheit mit sich. Vor allem Jüngere empfinden das "Sie" als altbacken. Es spiegelt nicht mehr die Realität von Beziehungen wider, in denen Alter und Status oft weniger wichtig sind. Und seien wir ehrlich: Es ist auch eine unerschöpfliche Quelle der Peinlichkeit.

Wann "Sie", wann "Du"?

Ein klassischer Fall ist das Treffen auf Eltern von Freunden: Aus Gewohnheit würde man sie siezen, weil sie älter sind, aber warum die Distanz? Das Beispiel aus dem Büro kennen sicher auch viele: In der eigenen Abteilung ist klar, dass man sich duzt. Doch wie spricht man Personen einer anderen Abteilung an? Sicherlich kennen auch viele die Peinlichkeit, wenn man nicht mehr ganz weiß, ob man nun beim "Sie" oder "Du" war - oder man beim "Du" ist, aber aus Gewohnheit ins "Sie" verfällt. 

Die Dame, die ältere oder ranghöhere Person bietet "Du" an

Im Netz gibt es etliche Witze darüber, wie Leute die direkte Ansprache umschiffen. Die interessantesten Satzkonstruktionen kommen dabei auf den Tisch. Super finde ich, wenn das Gegenüber zu Beginn feststellt, ob es das Sie oder das Du sein darf. Selbst macht man das aber ungern, weil man nicht als unhöflich dastehen will. Wem dies obliegt, wird unterschiedlich beschrieben. Entweder ist es der Ranghöhere, die Dame oder die ältere Person. 

Im Grunde bleibt es die Frage nach der richtigen Balance – zwischen Respekt und Nähe, zwischen Tradition und Lockerheit. Oder, wie man es mit einem Augenzwinkern sagen könnte: Hauptsache, wir sprechen überhaupt miteinander.

 

Mehr Angemerkts: 

Inhalt teilen
  • kopiert!