Immer wieder gibt es ähnliche Fälle wie den von Yacouba K. (Nachname ist der Redaktion bekannt) und seiner Familie. Der 1988 in der Elfenbeinküste geborene Mann soll nach knapp zwei Jahren in Deutschland das Land wieder verlassen. Keine Chance auf ein Asylverfahren. Ausreisen will er nicht. Er ist untergetaucht. Wir haben mit ihm gesprochen.
Yacouba K. weiß, dass die Polizei jederzeit auftauchen könnte, um ihn zur Ausreise zu zwingen. Im Umfeld der Geflüchtetenunterkunft heißt es, Beamte hätten schon nach ihm gesucht. Er möchte über seine Situation sprechen, darlegen, warum er bei seiner Lebensgefährtin und den drei Kindern bleiben möchte.
Kein Anspruch auf Asyl
Nach einem Gespräch mit der Ausländerbehörde wurde seine Bleibeperspektive negativ beschieden. Kein Anspruch auf Asyl. Seither ist er wieder auf der Flucht. Aufgegriffen wurde er bislang nicht – und niemand weiß, wann die Polizei wieder nach ihm schauen wird. „Ich bin jeden Tag unterwegs. Meine Familie sehe ich nicht jeden Tag. Das ist sehr schwer für uns“, berichtet Yacouba K. auf Französisch. Deutsch spricht er trotz eines begonnenen Kurses nur bruchstückhaft.
Er wolle hier leben und arbeiten. Gemeinsam mit seiner Familie, betont er. „Ich hatte in Deutschland nie Probleme mit dem Gesetz“, ergänzt er.
Der Ivorer fürchtet sich
Vor einem Leben in der Elfenbeinküste fürchtet sich Yacouba K. „Es wird sehr schwer, ich habe keine Wohnung und keine Arbeit.“ Nur seine Mutter lebe in einem kleinen Dorf in dem westafrikanischen Staat. „Ich habe große Angst“, sagt er, die Augen sind glasig. Was ihn in dem westafrikanischen Land erwarte, wisse er nicht. Eine Perspektive sehe er dort für sich und seine Familie nicht.
Die Reise des Ivorers begann, wie er berichtet, vor mehr als zwei Jahren. Sein Heimatland verlassen habe er wegen des dort herrschenden Hungers. „Und weil meine Tochter beschnitten werden sollte. Das wollte ich nicht akzeptieren“, diktiert er in die Übersetzungs-App.
Über Tunesien und Italien nach Deutschland
Ihr Weg führte von der Elfenbeinküste zunächst nach Tunesien. Yacouba K. sagt: „Ich habe in Tunesien gearbeitet. Aber sie begannen, alle dort anwesenden Schwarzafrikaner zu verjagen.“ Deshalb habe er beschlossen, über das Mittelmeer nach Italien zu fahren – eine berüchtigte und gefährliche Route. In Italien habe seine Partnerin ihr zweites Kind bekommen. Hilfe vom italienischen Staat habe es, so erzählt es Yacouba K., keine gegeben. Auch keine Möglichkeit zu arbeiten. Die Familie beschloss also, nach Deutschland zu kommen.
Geburt im Land bedeutet nicht deutsche Staatsangehörigkeit
Mittlerweile hat die Familie weiteren Nachwuchs bekommen. Ein knapp drei Monate alter Sohn ist das dritte Kind. Geboren in Deutschland. Doch das macht, anders als viele denken, keinen Unterschied bei der Staatsangehörigkeit. Anders als beispielsweise in den USA, wo die Geburt im Land auch die Staatsangehörigkeit bedeutet, ist diese in Deutschland von den Ausweispapieren der Eltern abhängig.
In der Unterkunft für Geflüchtete in Volkers sitzt Zenap. Sie ist 1999 geboren und Yacouba Ks. Lebensgefährtin und Mutter der drei Kinder. Um den Körper hat sie ein Tuch gewickelt. Hinterm Rücken schielt das Baby hervor.
Die vierjährige Tochter besucht den Kindergarten in Volkers. Das Mädchen spricht fließend Deutsch und entwickelt sich, wie man hört, sehr gut.
Verzweiflung in der Stimme
Obwohl auch die Frau nur in die Übersetzungs-App spricht, ist die Verzweiflung in ihrer Stimme deutlich erkennbar. Sie sagt: „Wir müssen sehen, wie es mit den Kindern weitergeht. Sie brauchen ihren Vater.“
Die Situation der Familie scheint verzwickt zu sein. Offiziell äußern will sich vor Ort niemand. Aus dem Umfeld der Geflüchtetenunterkunft heißt es, dass der Fall besonders gelagert sei. Denn: Es sei ungewöhnlich, dass es kein gemeinsames Verfahren für die Familie gebe, sondern der Vater getrennt von Partnerin und Kindern, deren Sorgerecht er anerkannt habe, abgeschoben werden soll.
Zwar hätten Menschen aus der Elfenbeinküste ohnehin wenig bis keine Chance auf Asyl in Deutschland. Aber weil es drei junge Kinder gibt, könnte die Familie zunächst geduldet werden, bis die Kinder alt genug sind. Dann müsste die Familie das Land verlassen. Allerdings gemeinsam.
Der TSV Volkers setzt auf ihn
Auch im örtlichen Fußballverein, dem TSV Volkers, macht man sich Sorgen um Yacouba K. und seine Familie. Spielertrainer Edwin Eirich sagt auf Anfrage der Redaktion: „Seit dem 11. Oktober 2024 ist Yacouba K. fester Bestandteil des TSV Volkers. An jenem Tag, als wir trainieren wollten, waren Yacouba K. und sein Freund bereits frühzeitig auf dem Sportplatz und spielten unter sich. Wir luden beide spontan ein, am Training teilzunehmen – und konnten sie im Anschluss dafür gewinnen, dem TSV als Spieler beizutreten.“
Seitdem sind die beiden Männer laut Eirich „vollständig in die Mannschaft integriert“. Yacouba K. nehme zuverlässig an allen Terminen teil und sei sowohl sportlich als auch menschlich „eine echte Bereicherung“. Eirich weiter: „Besonders fällt seine durchweg positive Ausstrahlung auf – schon bei der Begrüßung spürt man seine Freude und sein Engagement.“
Auch beim dreitägigen Trainingslager in Bamberg war es Yacouba K. ein großes Anliegen, dabei zu sein. Es war offensichtlich, wie sehr er die gemeinsame Zeit mit dem Team genossen hat, betont der Spielertrainer.
Kommunikation ist nicht immer einfach
Gleichwohl sagt Edwin Eirich auch: „Die Kommunikation ist nicht immer einfach, da Yacouba K. bislang nur eingeschränkt Deutsch spricht. Trotzdem finden wir im Team stets Wege, uns zu verständigen – sei es durch Gesten, gemeinsames Lachen oder einfach durch das Miteinander auf dem Platz.“
Die Nachricht über seine drohende Abschiebung habe die Mitspieler sehr betroffen gemacht. „Für uns ist Yacouba K. ein geschätzter Mitspieler und ein fester Teil unserer Gemeinschaft geworden.“ Weiter sagt Eirich: „Als Verein sind wir enttäuscht und tief besorgt über seine aktuelle Situation. Yacouba K. ist einer von uns – sein Fehlen wird eine große Lücke hinterlassen.“
Auch Yacouba K. spricht gerne über den TSV Volkers. Er fühle sich im Team sehr wohl und vermisse das Training mit seinen Mannschaftskameraden.
Hinweis: Zu diesem Thema folgen Artikel mit Stellungnahmen der Regierung von Unterfranken sowie der Polizei.













