Kritik und Bedenken
Funkwasserzähler: Risiko für Leib und Leben?
Die alten Wasserzähler (siehe Bild) sollen gegen neue elektronische Funkwasserzähler ausgetauscht werden.
Die alten Wasserzähler (siehe Bild) sollen gegen neue elektronische Funkwasserzähler ausgetauscht werden.
Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
F-Signet von Sigismund von Dobschütz Fränkischer Tag
Steinach an der Saale – In Teilen Bad Bocklets kommen elektronischen Funkwasserzähler. Doch zwei Bürger sind mit den Infos seitens der Gemeinde nicht zufrieden.

Nachdem die vom Gemeinderat beschlossene Umrüstung von herkömmlichen Wasserzählern auf elektronische Funkwasserzähler für die Ortsteile Steinach, Roth und Nickersfelden bald beginnt, laden zwei Steinacher Bürger am Donnerstag, 19. Januar, um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Sportheim des TSV Steinach ein.

Unter dem Thema „Schöne neue Welt oder Risiko für Leib und Leben sowie den Geldbeutel der Bürger“ wird Elektromeister Paul Schmitt, Fachmann für baubiologische Messtechnik, zur Frage der Funkstrahlung und deren Belastungen Stellung nehmen. Diplom-Ingenieur Norbert Schmitt, der sich seit 1980 mit Geo- und Baubiologie beschäftigt, wird sich weiterer Fragen annehmen.

Da seitens der Verwaltung keine eigene Informationsveranstaltung geplant sei, tun dies die Referenten nun selbst. „Wir wollen neben den Vorteilen auch die Risiken und Schwachstellen dieser Technik aufzeigen“, sagt Norbert Schmitt als Grund.

„Umfassend informieren“

Die Veranstalter wollen „alle Bürgerinnen und Bürger umfassend informieren, damit sie für sich die richtige Entscheidung treffen und keine Fristen versäumen“. Auf die Einladung eines externen, unabhängigen Fachmannes habe man verzichtet: „Wir stehen mit unabhängigen Fachleuten in Verbindung und werden auch aus den Erfahrungen anderer Kommunen zu dieser Technik berichten.“

Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) versteht den Vorwurf nicht, die Verwaltung habe unzureichend informiert. Bereits Ende September 2021 hatte der Rat beschlossen, beim nächsten turnusmäßigen Austausch der Wasserzähler von bisher herkömmlichen mechanischen Wasserzählern auf elektronische Funkwasserzähler umzurüsten.

Einstimmiger Beschluss

Dem Beschluss war die Information eines Vertreters der Herstellerfirma Kamstrup vorausgegangen. Kamstrup gilt als weltweit führend bei Systemlösungen für intelligente Energie- und Wasservermessung. Darüber berichteten die Lokalzeitungen ausführlich unter der Überschrift „Künftig wird das Wasser per Funk abgelesen“.

Zwei Monate später beschloss das Gremium die Umstellung für die Ortsteile Steinach, Roth und Nickersfelden. Über diesen Beschluss informierte die Gemeinde sofort und ganzseitig im November-Heft 2021 des Ortsmagazins „Prima“.

In der letzten Bürgerversammlung in Steinach hatte Norbert Schmitt bereits Bedenken über die Strahlung der neuen Wasserzähler geäußert. Kämmerer Patrick Könen hatte diese zu nehmen versucht: „Jedes Handy hat mehr Strahlung als der Wasserzähler. Die Vorteile überwiegen eindeutig.“ Diese Argumentation reicht dem Steinacher nicht, weshalb er nun zu der Infoveranstaltung einlädt.

Gerichtsbeschluss eindeutig

Allen Bedenken zum Trotz hat der Bayerische Verfassungsgerichtshof bereits im April 2022 eine Klage und Bedenken hinsichtlich Gesundheit oder Datenschutz zurückgewiesen: Nach vorliegenden Erkenntnissen lassen sich keine relevanten Auswirkungen auf Gesundheit oder psychisches Wohlbefinden feststellen, war dessen Begründung. Die Furcht vor einem „funktechnischen Lauschangriff“ sei unbegründet, da die Daten ausschließlich auf die Erfüllung der Wasserversorgung beschränkt seien.

Nach Mitteilung von Bürgermeister Sandwall werden Ende Januar alle Hauseigentümer in Steinach, Roth und Nickersfelden vom Rathaus angeschrieben und „über den Austausch der Wasserzähler ausführlich informiert“. Anschließend hat jeder zwei Wochen Zeit, um offiziell Widerspruch einzulegen. „Allerdings kann man nur das Funkmodul ablehnen“, ergänzt Sandwall. „Der Wasserzähler wird dennoch getauscht.“

 

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