Schon 2016 und erneut 2022 waren bei Hauptuntersuchungen der aus dem Jahr 1960 stammenden Saale-Brücke zwischen den Bad Bockleter Ortsteilen Roth und Nickersfelden vom Ingenieurbüro Federlein (Salz, Rhön-Grabfeld) „tragsicherheitsrelevante Schäden und Mängel“ bemängelt worden.
Deshalb war die ursprünglich auf eine maximale Verkehrslast von zwölf Tonnen ausgerichtete einspurige Brücke seitdem nur noch für eine Maximallast von 2,8 Tonnen zugelassen und bei einer Fahrbahnbreite von nur 2,20 Metern die Höchstgeschwindigkeit auf zehn Stundenkilometer festgelegt worden.
Nach Vorplanungen und ersten Gesprächen mit dem Wasserwirtschaftsamt sowie der Bezirksregierung beschloss nun der neue Gemeinderat den Neubau einer Stahlbetonbrücke mit einer vier Meter breiten Fahrbahn und Zulassung für maximal 30 Tonnen Verkehrslast.
Vermessungen bereits im Jahr 2024
„Für die Befahrung mit höheren Verkehrslasten als 2,8 Tonnen ist ein Ersatzneubau erforderlich“, war die Kernaussage des Vortrags von Projektleiter Olaf Schmidt (Ingenieurbüro Federlein). Entsprechend war bereits 2024 der Bestand vermessen und der Baugrund untersucht worden. Nach weiterer Planung des Büros wurden im vergangenen März mit der Bezirksregierung zwei förderfähige Varianten eines knapp 20 Meter langen Stahlbeton-Brückenbaus mit Bohrpfahlgründung besprochen, die nun mit einer Kostenschätzung dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgestellt wurden.
Die schmalere Variante 1 hat eine Fahrbahnbreite von vier Metern mit beidseitigen Kappen von jeweils 75 Zentimetern und wäre für eine Maximallast von 30 Tonnen zugelassen. Die Bruttokosten wurden auf etwa 1,220 Millionen geschätzt (Stand 2025), wovon die zu 50 Prozent förderfähigen reinen Baukosten 984 000 Euro ausmachen.
Die Variante 2 mit einer Fahrbahnbreite von 4,50 Metern und ebenfalls 75 Zentimeter breiten Kappen auf beiden Seiten würde geschätzt etwa 67.000 Euro teurer werden. Falls vom Gemeinderat allerdings eine Verkehrslast von bis zu 60 Tonnen gewünscht wird, würden sich beide Varianten um etwa 40.000 Euro verteuern. Hierzu betonte Projektleiter Schmidt, dass eine Zulassung bis 30 Tonnen für die Brücke Roth-Nickersfelden völlig ausreichend sei. „30 Tonnen gelten für fast alle Brücken auf Bundesstraßen, die 60 Tonnen nur für Autobahnbrücken.“
30 Tonnen gelten heutzutage als Mindestmaß
Auf die Frage, warum die neue Brücke unbedingt für 30 Tonnen ausgerichtet sein müsse, wo doch der Altbau nur zwölf Tonnen tragen sollte, antwortete Schmidt: „Unter dem Mindestmaß von 30 Tonnen geht heute gar nichts mehr.“ Heutige Lastwagen seien viel größer und schwerer als in den 1950er-Jahren.
Keine Anreiz zum Rasen bietenWährend die Frage der Nutzlast im Gremium nicht weiter diskutiert wurde, ging es in der Diskussion vor allem um die Breite der Brückenfahrbahn und die Berücksichtigung von Radlern und Fußgängern. Schmidt gab zu bedenken, dass eine breitere Fahrbahn Autofahrer auch zu schnellerem Fahren reizen könnte.
Aus dem Ratsgremium wurde dagegen argumentiert, dass bei einer Breite von 4,50 Metern Radler und Fußgänger gefahrlos überholt werden könnten. Überhaupt sei es doch sinnvoll, auf der Brücke einen separaten Rad- und Fußweg vorzusehen. Dem widersprach Geschäftsleiter Thomas Beck seitens der Verwaltung sehr entschieden: „Wir bauen diese Brücke für Autofahrer und nicht für Radler und Fußgänger.“ Bei der sehr geringen Verkehrsdichte – überhaupt nicht vergleichbar mit Brücken auf Bundesstraßen – sollten die Verkehrsteilnehmer doch gegenseitig Rücksicht nehmen können. Deshalb sei ein gesonderter Rad- und Fußweg unnötig.
Für preiswertere Variante entschieden
Trotz der recht strittigen Diskussion gerade zu diesem Punkt war der Ratsbeschluss überraschend eindeutig: Bei nur einer Gegenstimme folgte das Gremium der Vorlage der Verwaltung und entschied sich für die schmalere und preiswertere Variante mit einer vier Meter breiten Fahrbahn, einer Verkehrslast bis 30 Tonnen und Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro brutto.
Um von der Bezirksregierung die 50-prozentige Förderung der reinen Baukosten von etwa 984.000 Euro zu bekommen, soll jetzt die weitere Planung vom Ingenieurbüro Federlein zügig vorgenommen werden.
Beck: „Wir müssen die Unterlagen bis Mitte September bei der Bezirksregierung eingereicht haben, um möglichst bald den Vorbescheid für die Förderung zu bekommen.“ Erst dann kann mit dem Neubau der Brücke begonnen werden. Nach aktuellem Stand rechnet das Rathaus mit einem Baustart im Jahr 2027.









