Der Georgi-Sprudel stellt so etwas wie das Super-Wasser von Bad Brückenau dar. Er ist reich an Kalzium und Magnesium, enthält Sulfat und Hydrogenkarbonat sowie Kohlensäure. Ihn zu trinken, hilft bei Erkrankungen des Magens und Darmes, lindert Leber-, Gallen-, Blasen- und Nierenleiden. So wirksam, dass Krankenkassen das Heilwasser als Trinkkur verschreiben.
Städtischer Kurbeitrag soll empfindlich steigen
Kurgäste der Stadt Bad Brückenau können es ohne weitere Gebühr in der Georgihalle zapfen; die Kosten sind mit dem Kurbeitrag abgegolten. Dieser Beitrag wurde im Stadtrat heiß diskutiert. Er soll empfindlich steigen. Ist das gerechtfertigt?
Seit 1. Januar 2015 gilt für den städtischen Kurbeitrag Folgendes: Erwachsene übernachtende Kurgäste zahlen 2,50 Euro pro Aufenthaltstag, Schwerbehinderte 2,20 Euro. Tagungs- und Seminargäste müssen nur 1,40 Euro pro Tag berappen; Unter-18-Jährige bezahlen nichts.
3,50 Euro ab vollendetem 16. Lebensjahr
Nun ist bekannt, dass Bad Brückenau Einnahmen braucht. Kämmerer Markus Popp präsentierte deshalb den Räten einen Satzungsentwurf für den Kurbeitrag, der die Preisschraube dreht.
Kurgäste ab dem vollendeten 16. Lebensjahr sollten ab dem 1. März 2024 pro Tag 3,50 Euro zahlen, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 sowie Gehandicapte, deren Behinderungsgrad 80 Prozent oder höher beträgt, drei Euro. Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres, Azubis und Praktikanten sowie zu 100 Prozent Schwerbehinderte bleiben beitragsfrei.
Ziel: Verdoppelung der Einnahmen
Von all dem verspricht sich die Stadt jährliche Einnahmen von vorausberechnet 155.303 Euro. Dies nicht allein durch die Beitragserhöhung, sondern durch das Ausschöpfen ungenutzter Potenziale. Denn, wie Popp in der Stadtratssitzung sagte: "Mehr als 50 Prozent der Übernachtungsgäste zahlen keinen Kurbeitrag."
Die städtische Bilanz für 2023 weist 19.807 Gästeankünfte aus. Die Besucher übernachteten insgesamt 62.457 Mal in der Kurstadt. Die Einnahmen lagen aber nur bei 77.364 Euro, hätten - bei ausgeschöpftem Gästepotenzial - viel höher ausfallen müssen.
Bestimmte Gästegruppen bisher nicht erfasst
Allerdings sind bestimmte Gästegruppen gar nicht durch die bisher gültige Beitragssatzung abgedeckt. Darunter fallen zum Beispiel beruflich Reisende, Wohnmobilisten und auch Kinder, die auf dem Volkersberg übernachten. Das soll sich zum großen Teil ändern.
Stadtrat Claudio Kleinhans (PWG) fragte sich aber, ob der geplanten Erhöhung des Kurbeitrags entsprechende Leistungen gegenüberstehen. "Eigentlich müssten wir eine Senkung machen, weil wir einfach zu wenig tun." Auch müsse man überlegen, wie sich die Erhöhung auf Gästezahlen auswirke.
Therme Sinnflut als Gästemagnet weggefallen
Der städtische Kurbeitrag deckt laut Internetseite der Stadt kostenlose Fahrten mit den Buslinien im gesamten Landkreis Bad Kissingen inklusive Freizeitbusse und Bäderlandbus (von April bis Oktober an Wochenenden) ab. Der Zugang zur Siebener- und Georgi-Quelle ist frei, ebenso der zum Kneippbecken im Georgi-Park. Zum Teil kosten Führungen oder Wanderungen nichts. Ermäßigungen gelten beim Besuch von Einrichtungen wie dem Fahrradmuseum und dem Vital Spa & Garden im Staatsbad.
Weggefallen ist der verbilligte Zutritt zur inzwischen geschlossenen Therme Sinnflut - ein Pfund, mit dem die Stadt gut wuchern konnte. Zudem finden diverse vorher vergünstigte Konzert- und Tanztermine in der Georgihalle nach der Pandemie einfach nicht mehr statt.
Staatsbad-Angebote nicht mit städtischer Gästekarte
Ermäßigungen gibt es mit städtischem Kurbeitrag noch auf Konzerte des Bayerischen Kammerorchesters und das am 8. März startende Puppentheater-Festival.
Angebote der Kurverwaltung im Staatsbad können in der Regel nicht mit städtischer Gästekarte genutzt werden. So bleibt zum Beispiel der Zutritt zur dortigen Wandelhalle Gästen der Stadt Brückenau verwehrt. Um dort hineinzugelangen, bräuchten sie eine dort gültige Gästekarte. Britta Heim, Leiterin der Tourist-Information (TI), weist darauf hin, dass städtische Übernachtungsgäste sich diese zusätzlichen Kosten über ihre Gastgeber oder die TI von der Kommune zurückholen können.
Kurbeitrag läge über Kurtaxe im Staatsbad
Mit dem angestrebten Kurbeitrag von 3,50 Euro läge Bad Brückenau unter der Kurtaxe von Bad Kissingen (3,90 Euro), aber weit über der von Bad Bocklet (2,70 Euro), vor allem aber über dem Betrag, den die Kurverwaltung im benachbarten Staatsbad verlangt.
Dort liegt die Taxe bei 3,20 Euro pro Tag bei Übernachtung; Tagesgäste zahlen die Hälfte. Unter-18-Jährige sind frei. Darin enthalten sind unter anderem neben der freien Nutzung der Quellen im Staatsbad und der Wandelhalle auch Konzerte, Theater und das Zwischenspiel.
Angleichung bleibt nur ein Traum
Claudio Kleinhans sah es als Ziel, Kurbeiträge von Stadt und Staatsbad anzugleichen beziehungsweise Angebote für beide Gästegruppen gleich nutzbar zu gestalten. Markus Popp machte ihm wenig Hoffnung. "Das kann man aktuell nicht zusammenführen." Dazu brauche es Gespräche auf viel höherer Ebene, vielleicht eine eigene Staatsbad-GmbH.
Während sich einige wenige Stadträte mit der Erhöhung des städtischen Kurbeitrags anfreunden konnten, sahen andere Ungerechtigkeiten, gerade im Vergleich mit dem Staatsbad. Dirk Stumpe (PWG) hielt es gar für "das falsche Signal", bei weniger gewordener Leistung zu erhöhen.
Stadtrat vertagt Entscheidung
Am Ende entschied der Stadtrat mehrheitlich, eine Entscheidung zu vertagen. Die Verwaltung soll die Kurbeitragssatzung nochmal überarbeiten. Gleiches gilt für eine Jahrespauschale, die Menschen zahlen sollen, die in Bad Brückenau ihren Zweitwohnsitz haben.





