Weit nach 1 Uhr am Montagmorgen waren sie endlich mit ihrer Arbeit durch – die fleißigen Wahlhelfer der Stadtratswahl 2026 in Bad Brückenau. Insgesamt waren 2498 Stimmzettel bei insgesamt 5159 Wahlberechtigten auszuzählen; die Wahlbeteiligung lag bei 48,4 Prozent. 43.145 Stimmen waren gültig, 69 ungültig. Der Wählerwille wirbelt das Kommunalparlament durcheinander – hauptsächlich zulasten einer einst starken Fraktion.
PWG verliert Prozente und Sitze
Normalerweise beginnt die Berichterstattung mit dem oder den strahlenden Sieger(n) einer Wahl. Bei der Brückenauer Stadtratswahl gehört die Aufmerksamkeit zuerst dem klaren Verlierer. Die Parteilose Wählergruppe (PWG) konnte nur 15,3 Prozent der Stimmen einheimsen; damit verlor sie gegenüber der Kommunalwahl 2020 satte 19,3 Prozent. In Sitzen ausgedrückt: drei von sechs Sitzen.
Angekündigt hatte sich das schon länger. „Stimmenkönig” Jürgen Pfister trat nach 42 Jahren im Stadtrat nicht mehr an. Dirk Stumpe, der ihm in der Wählergunst in nichts nachstand, öffnete seine eigene Wählervereinigung. Heike Greenberg-Kremser war während der aktuellen Wahlperiode zur CSU gewechselt.
Kein Mandat für Fritschka und Zimmermann
Bei der aktuellen Stadtratswahl gelang es den PWG-Recken Emanuel Fritschka und Eberhard Schelle nicht, genügend Stimmen für einen der spärlichen drei Sitze zu sammeln. Gleiches gilt für Noch-Stadtrat Robert Eder. Wobei Fritschka und Markus Rüttiger (jeweils 474 Stimmen) als erste Nachrücker feststehen. Wer der Nachrücker wird, entscheidet am 19. März das Los. Dann tagt der Wahlausschuss, teilt Wahlleiterin Anita Sitte-Rudolf mit.
Gar nicht aufgehen wollte der Schachzug, Adelheid Zimmermann (FDP/FB) auf die PWG-Liste zu nehmen. Sie erhielt mickrige 411 Stimmen.
Hoffnung durch Stadtrats-Neulinge
Alles schlecht also bei der PWG? Nicht ganz. Mit Stadtrats-Neuling Stefan Richter zeichnet sich ein neuer interner Stimmenkönig ab. Damit überflügelt er gar Fraktionssprecher Claudio Kleinhans. Ebenfalls erstmals ins Gremium schaffte es Alisa Knüttel.
Für Kleinhans waren die mauen PWG-Ergebnisse „erst einmal ein Schock, aber auch nachvollziehbar“. Mit Stumpe und Pfister hätten jeweils 2000 Stimmen und mehr gefehlt. Fritschka und Zimmermann seien vermutlich aufgrund ihres Alters gescheitert. Aber auch das eigene Ergebnis war für Kleinhans „persönlich eine Niederlage“.
Zuversicht bereiten ihm seine neuen Mitstreiter im Stadtrat: „Die Architekten werden der Stadt guttun.”
CSU behauptet sich
Ein stabiles Ergebnis von 32,9 Prozent (plus 2,2) fuhr die CSU ein. Das bescherte ihr sieben Sitze und damit genauso viel, wie sie 2020 errungen hatte (durch Greenberg-Kremsers Wechsel waren es zuletzt acht). Alle Stadträte der Christsozialen außer Greenberg-Kremser, Tom Kötzner und Franziska Kaul konnten sich behaupten. Sie werden durch Chris Nagy und Sven Wiesner ersetzt.
Ein Sitz mehr für SPD
Die SPD kann sich – selten genug in diesen Tagen – als Gewinnerin einer Stadtratswahl fühlen (18,9 Prozent, 2,4 Prozent mehr als 2020). Vier Genossen ziehen ins Gremium ein: neben den aktuellen Mitgliedern David Fronczek und Florian Wildenauer auch neu Tanja Kirchner und Peter Sperl. Spielt bei diesem guten Ergebnis womöglich der Bürgermeister-Bonus eine Rolle?
Nachhaltig etablieren konnten sich mit elf Prozent (–0,2) die Grünen. An der Seite von Eva Reichert-Nelkenstock sitzt bald Lukas Dill, der Ingo Queck verdrängt.
AfD bringt zwei Kandidaten durch
Spannend war die Frage, mit welcher Stärke die AfD erstmals in den Bad Brückenauer Stadtrat einziehen kann. Nach Auszählung der reinen Urnenwahlbezirke sah es so aus, als ob ihr ein Handstreich gelingen würde: 20,1 Prozent. Doch mit Eintreffen der Briefwahl-Voten am späten Abend schmolz der Vorsprung dahin. Vorläufiges Premieren-Ergebnis: 11,2 Prozent.
Dass alle vier recht unbekannten AfD-Kandidaten im Bereich zwischen 900 und 1000 Stimmen einkamen, legt den Schluss nahe, dass die meisten ihrer Wähler ein Listenkreuz gesetzt haben. In den Stadtrat ziehen ein: Non Staub und Steffen Becker. Interessant: Marco Vorndran, Nummer 1 auf der Liste, erhält kein Mandat. Grund: sein Wegzug aus Bad Brückenau (ein ausführlicher Bericht folgt)
Volinare-Gründer Stumpe sehr zufrieden
Bliebe noch Volinare, die neue Vereinigung von Dirk Stumpe. Mit 10,8 Prozent der Stimmen bei ihrer ersten Stadtratswahl stellt sie künftig zwei Sitze. Stumpe performte etwas unter. Ihm folgt der ehrenamtlich sehr aktive Michael Berger.
Stumpe war mit dem Volinare-Ergebnis „sehr zufrieden, die Wahl hat unsere Erwartungen erfüllt“. Ziel sei gewesen, einen, vielleicht zwei Kandidaten in den Stadtrat zu bringen.
Sitzverteilung im Stadtrat
CSU: 14.178 Stimmen; Heike Kötzner (2019), Heribert Übelacker (1646), Karin Ott (1192), Monika Wiesner (1127), Chris Nagy (1073), Sven Wiesner (1045), Dieter Seban (973).
SPD: 8152 Stimmen; David Fronczek (1525), Tanja Kirchner (801), Peter Sperl (708), Florian Wildenauer (697).
PWG: 6600 Stimmen; Stefan Richter (1284), Claudio Kleinhans (969), Alisa Knüttl (797).
Grüne: 4752 Stimmen; Eva Reichert-Nelkenstock (1311), Lukas Dill (969).
Volinare: 4641 Stimmen; Dirk Stumpe (1840), Michael Berger (700).
AfD: 4822 Stimmen; Non Staub (1007), Steffen Becker (918).













