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Feuerwehr Römershag
Wann kommt das neue Gerätehaus?
Feuerwehr Römershag: Diskussion über Gerätehaus
Die Feuerwehrler in Römershag hätten gern ein neues Gerätehaus, auch um ihr neues Löschfahrzeug normgerecht dort unterzubringen. // Steffen Standke
Römershag – Das neue Löschfahrzeug ist für die Feuerwehr Römershag nicht nur Segen. Dafür müsste ein neues Gebäude her. Die Stadt hat aber kein Geld. Der Vorschlag einer Stadträtin sorgt für Verärgerung.

Der aufgestaute Frust der Römershager Feuerwehrler - er war deutlich zu spüren. Rund die Hälfte der 45 Aktiven der Stadtteilwehr saßen als Zuschauer in der Stadtratssitzung in der Georgihalle. Sie wollten hören, wie ihr Kommandant Kevin Scheller die komplizierte Lage schildert. Aber auch, welche Auswege Stadt und Stadträte finden.

Eigentlich können sich die „Römershäger“ freuen: In rund drei Wochen soll endlich das TSF-W – ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser - abholbereit sein. Es sei noch nicht ganz fertig aufgerüstet, informierte Kommandant Scheller.

Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser zu breit für Halle

So paradox das klingt: Dieses neue TSF-W zeigt die Probleme der Stadtteilwehr auf, verstärkt sie sogar. Mit 6,30 Metern ist es einen Meter länger als das bestehende 30 Jahre alte TSF und auch 30 Zentimeter breiter. Damit passt es nicht vorschriftsgerecht in die Halle, die die Wehrleute vor 20 Jahren in der Ebertshofstraße errichtet haben.

Zudem ist es ein Dieselfahrzeug. Dafür gilt eine andere technische Regel als für Benziner - auch für Bestandsgebäude. Dienstkleidung darf wegen gesundheitsgefährdender Abgase auf keinen Fall neben dem Fahrzeug gelagert, geschweige denn sich dort umgezogen werden. 

6.500 Stunden Eigenleistung in Standort Ebertshofstraße investiert

70.000 Euro und 4.500 Stunden Eigenleistung haben seine Kameraden nach Schellers Angaben damals in den Bau investiert. Hinzu kamen 1.500 Stunden, um ein Grundstück herzurichten und zu befestigen, das die Stadt als Erweiterungsfläche 2019 gekauft hat. Die Kameraden grenzten das Areal ordentlich ab, schotterten es - alles aus eigenem Antrieb.

„Der Platz mit der Schotterfläche ist nutzbar, aber nicht ideal“, berichtete der Kommandant den Stadträten. Und auch, dass neben der selbsterrichteten Fahrzeughalle vergangenes Jahr zwei Container aufgestellt wurden - als Zwischenlösung für Umkleiden. Arbeitsaufwand dafür: noch einmal 500 Stunden.

Der Stadt Kosten von 455.000 Euro erspart

Kevin Scheller rechnete im Stadtrat vor, dass die Stadtteilwehr der Stadt durch diese rund 6.500 Stunden Eigenleistung einerseits etwa 455.000 Euro Kosten erspart hat (einen Stundenpreis von 70 Euro angesetzt). 

Auf der anderen Seite haben die Kameraden das Gefühl, dass städtischerseits in Sachen neues Gerätehaus kaum etwas vorangeht. Ein wesentlicher Punkt, warum sie frustriert sind. 

Entwurf für 1,83 Millionen Euro

Das Architekturbüro Richter aus Bad Brückenau hat 2023 einen laut Scheller „normgerechten Neubau nach Mindestanforderung“ erarbeitet - mit zwei Stellplätzen für Fahrzeuge, getrennten Umkleiden mit insgesamt 50 Spinden (40 für Männer, zehn für Frauen), Duschen, WCs, Büros, Technikraum, Werkstatt, Lager. Dieser sei vergleichbar dem im Juli 2023 eingeweihten Gerätehaus in Volkers. Veranschlagte Kosten: 1,83 Millionen Euro.

Dieser Entwurf sei dem Bürgermeister und dem städtischen Bauamt im September 2023 zugesandt worden - und aufgrund von Vakanzen in den Email-Postfächern versackt, behauptete Scheller. Man habe erfahren, dass die Stadt bis April 2024 nichts davon gewusst habe.

Seit 14. Mai steht nun Jan Marberg (SPD) an der Spitze der Stadt. „Wir müssen uns klar überlegen, wie wir die Römershager stärken“, sagte der Bürgermeister im Stadtrat.

Feuerwehr-Referent: Fehler wurden gemacht

Feuerwehr-Referent Claudio Kleinhans (PWG) sprach davon, dass in der Vergangenheit Fehler begangen wurden. Die bestehende Römershager Fahrzeughalle sei vor 20 Jahren abweichend von der Norm gebaut worden, obwohl diese schon seit 2001 bestanden habe.

Auch bedauerte er, dass sich alles so lange hinausgezogen habe. Man hätte die beiden Gerätehäuser für Volkers und Römershag mit einem Schlag erledigen können.

Für das Streben der Römershager nach einem modernen Feuerwehrhaus äußerte Kleinhans großes Verständnis. Im alten, selbst erbauten, sei vieles nicht mehr Stand der Technik, neben den Abständen zum Beispiel die mangelnde Trennung der Umkleiden. Auch der zweite geplante Stellplatz hält er im Hinblick auf Schulung und Ausbildung für sinnvoll.

Kein Geld für Neubau im Haushalt 2024

Im Haushalt für das Jahr 2024 steht der Neubau allerdings nicht drin. Erst im Investitionsplan für die kommenden Jahre sind laut Andreas Braun von der Stadtkämmerei zwei Millionen Euro vorgesehen - wobei man auf eine staatliche Förderung von bis zu 120.0000 Euro hofft.

Stadtrat David Fronczek (SPD) brachte das ins Grübeln, ob man wie von der Feuerwehr gewünscht weiter vorgehen kann. Einen anderen Standort hält er nicht für sinnvoller; es gehe aber um das Wann der Umsetzung. Wenn schon das neue TSF-W komme, sollte es nicht mehr so lange dauern.

Tom Kötzner (CSU) brachte die Idee eines Teilneubaus ein. Man könne ja erst die Fahrzeughalle hinstellen und den Sozialtrakt später folgen lassen. Solange solle man den Bestand nutzen.

Architekt: Teilneubau möglich, aber teurer

Technisch ginge das, so das Urteil des Architekten Stefan Richter. Unterm Strich würde das Projekt dadurch natürlich teurer. Stand heute rechnet er immer noch mit Kosten zwischen 1,8 und 1,9 Millionen Euro - wenn am Stück gebaut wird.

Der zeitweise immense Anstieg der Baukosten habe sich etwas verlangsamt. Kommandant Kevin Scheller befürchtet allerdings, dass aus der Teil- eine Dauerlösung wird.

Kaul Vorschlag kommt nicht so gut an

Franziska Kauls (CSU) Vorschlag glich einem Stich in ein Wespennest. Warum nicht darüber sprechen, Feuerwehren zusammenzulegen, sagte sie. Bad Brückenau sei eine Stadt; vielleicht entwickle sich eine gemeinsame Kameradschaft.

Kevin Scheller brachte das noch mehr in Wallung. Aufgeregt zitierte er das Feuerwehrgesetz. Demnach müsse die Einsatzfähigkeit der Wehren in den Ortsteilen erhalten werden. Die Grundsatzfrage nach deren Eigenständigkeit sei vor Jahren geklärt worden.

Feuerwehr Römershag: Diskussion über Gerätehaus
Das Römershager Feuerwehrgelände ist zwar befestigt; aber gerade die Einfahrt könnte verbessert und die Zufahrt rechtlich sauber geklärt werden. // Steffen Standke

Auch erinnerte der Kommandant an die immense Eigenleitung der Römershager Kameraden und die hohen Kosten für das eigene neue Löschauto. Bei einer Zusammenlegung dürfte vieles auf der Strecke bleiben, viele Freiwillige würden ihr Engagement einstellen.

Die Römershager Wehr fährt im Schnitt 20 Einsätze im Jahr, vor allem auf den umliegenden Straßen, Richtung Schildeck und im Stadtgebiet Bad Brückenau, am Schulzentrum und im Schloss Römershag. Gelegentlich geht es auch Richtung Wildflecken. Für Einsätze auf der Autobahn ist wegen besserer technischer Ausstattung eher die Brückenauer Wehr zuständig.

Ex-Kommandant René Ape: „ein Schlag ins Gesicht“

Unterstützung erhielt Scheller durch seinen Vorgänger René Ape. Der nannte eventuelle Zusammenlegungspläne „einen Schlag ins Gesicht“. Einen Teilneubau hielt er wegen zu langer und sich kreuzender Wege zwischen Bestandsbauten und neuer Halle - gerade bei Eis und Schnee - für die Einsatzkräfte nicht praktikabel.

Für Bürgermeister Jan Marberg muss man den Gedanken einer Zusammenlegung von Feuerwehren äußern können. Solch einen emotionalen Prozess müsse man aber über lange Zeit anstoßen und begleiten.

Bürgermeister will kleinere Maßnahmen angehen

Für die Römershager Wehr ist das „jetzt nicht die richtige Frage“, so der 36-Jährige. Die Fakten zu deren Selbsterhalt seien geschaffen. Marberg sprach sich - wie einige Stadträte - dafür aus, kleinere Maßnahmen zeitnah anzugehen.

So klagte Kevin Scheller, dass der Eingangsbereich des Feuerwehrgelände dringend stärker befestigt werden müsste. Außerdem erfolgt die Zufahrt teilweise über Privatgelände; es bestehe mündlich vereinbartes beiderseitiges Überfahrtsrecht. Für eine neues Gerätehaus müsse eine rechtssichere Lösung her.

Dieses Jahr soll noch etwas passieren

Zudem brauche eine Treppe am „Gängelchen“, die gleichzeitig Einsatzweg sei, dringend ein Geländer. Und schließlich bestehen laut dem Kommandanten Probleme bei der Entwässerung des Grundstücks und des Containerdaches; das Wasser laufe in die Türen.

Nach Möglichkeit solle da noch in diesem Jahr etwas passieren, forderte Scheller. „Die Stadt muss zeigen, dass sie gewillt ist." Jan Marberg sagte Hilfe zu.

 

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