Dieser Brief dürfte für Verstimmung in der katholischen Kirchengemeinde St. Anna in Schondra gesorgt haben: In einem Schreiben vom 8. September teilt die Marktgemeinde mit, dass sie das Thema „Pfarrheim als Dorfgemeinschaftshaus“ nicht weiterverfolgt. An dieser Entscheidung dürfte eine weitere hängen, die auf ganz anderer Ebene getroffen wird.
Sanierung für 1,26 Millionen Euro
Bürgermeister Bernold Martin (CSU/CBB) verlas das Schreiben, das auf einer nichtöffentlichen Entscheidung des Gemeinderates beruht, in dessen öffentlicher Sitzung am 19. September. Darin wird auf die Bürgerversammlung vom 23. Mai verwiesen. Damals hatte Kirchenpfleger Klemens Markert auf eine Entscheidung des Marktes zum Pfarrheim in der Marktstraße gedrängt.
Dieses soll für 1,26 Millionen Euro grundsaniert und zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden. Dabei setzten die Kirchgemeinde und Pfarrer Armin Haas bisher unter anderem auf eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde. Auch, um eine Finanzierungslücke von 926.000 Euro zu schließen; vom Amt für Ländliche Entwicklung könnten 300.000 Euro an Zuschüssen kommen.
Doch nun heißt es in dem Schreiben: „Nach eingehender Beratung wurde folgendes beschlossen: Das Thema Pfarrheim als Dorfgemeinschaftshaus wird vom Markt Schondra nicht weiterverfolgt.“ Die Finanzierbarkeit der Maßnahme sei „nicht darstellbar“.
Gemeinderat: Standort ist ungünstig
Zudem hält man im Gemeinderat den Standort für ungünstig. „Es sind keine Parkflächen vorhanden und bei einer stärkeren Vermietung ist mit Lärmbelästigung im Wohnbereich zu rechnen.“
Das Gebäude könne mit den derzeitigen Nutzungen weiterverwendet werden, heißt es. Sollten künftig Räume zum Beispiel für einen Seniorennachmittag benötigt werden, könne dieser im Feuerwehrschulungsraum stattfinden. Die Bücherei käme – würde die Pfarrheim-Nutzung unmöglich – im Rathaus unter.
Beteiligung an Planungskosten
Zu der (bereits 2018 getätigten) Zusage, sich an Planungskosten für das Pfarrheim hälftig zu beteiligen, steht der Markt Schondra aber, heißt es noch. Die Planungsphasen 1 und 2, also Grundlagenermittlung mit Prüfung des Kostenrahmens und Vorplanung mit Kostenschätzung, sind bereits erfolgt und kosten circa 10.000 Euro. Am Markt bleiben also etwa 5000 Euro hängen.
Unterschrieben ist der Brief von Bürgermeister Stellvertreter Jürgen Metz. Dies aber nur, weil Ortsoberhaupt Bernold Martin sich zu der Zeit im Urlaub befand, wie Metz sagt. Der Gemeinderat sei zur Frage Dorfgemeinschaftshaus im Pfarrheim in nichtöffentlicher Sitzung zu einem Konsens gekommen. Dann seien die Kirchenverwaltung und am 19. September die Öffentlichkeit informiert.
Mediationsprozess läuft an
Die Folgen dieser Entscheidung lassen sich schwer absehen. Derzeit läuft der Prozess der Kategorisierung kirchlicher Immobilien im Bistum Würzburg.
Die Diözese hat signalisiert, dass pro Pfarreiengemeinschaft (PG) ein Heim mit „überörtlicher Bedeutung“finanziell stärker gefördert wird. Voraussetzung ist, dass es von Katholiken mehrerer Orte genutzt wird. Von den beiden in der PG vorhandenen Pfarrheimen in Oberleichtersbach und Schondra wurde Letzteres für diesen Status vorgeschlagen.
Experte aus Würzburg
Daran hat sich nichts geändert, sagt Pfarrer Haas. Weder sei der angedachte überörtliche Status fürs Schondraer Pfarrheim zurückgenommen, noch dieser dem Oberleichtersbacher Pfarrheim zugewiesen. Es sei keinerlei Entscheidung getroffen; ein Mediationsprozess laufe. Dazu kommen im Oktober Experten aus Würzburg in die beiden Hauptorte der Pfarreiengemeinschaft.









