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Heimatgeschichte
Wie Steinskulpturen Geschichte lebendig machen
Steinskulpturen von Gerwin Kellermann prägen längst das Ortsbild in der Marktgemeinde Wildflecken. Der Ehrenbürger möchte nun weitere Skulpturen für ein kulturgeschichtliches Projekt stiften.
Steinskulpturen von Gerwin Kellermann prägen längst das Ortsbild in der Marktgemeinde Wildflecken. Der Ehrenbürger möchte nun weitere Skulpturen für ein kulturgeschichtliches Projekt stiften. // Sebastian Schmitt
Wildflecken – Historie zum Anfassen: Ein Künstler schenkt der Rhön Skulpturen, um die bäuerliche Tradition zu ehren und das Kulturerbe der Region lebendig zu halten.

Mit einhelliger Befürwortung und erkennbarer Begeisterung haben die Wildfleckener Marktgemeinderäte ein kulturelles Herzensprojekt angenommen, das nicht nur die Vergangenheit in Szene setzt, sondern auch ganz neue Akzente im öffentlichen Raum setzen soll.

Der pensionierte Lehrer, Ehrenbürger und leidenschaftliche Bildhauer Gerwin Kellermann präsentierte dem Marktgemeinderat sein Vorhaben: 13 Steinskulpturen aus seinem persönlichen Kunstschaffen, welche die landwirtschaftliche Kulturgeschichte der Rhön an drei unterschiedlichen Stellen des oberen Sinngrundes lebendig machen sollen, den Gemeinden Wildflecken und Riedenberg zum Geschenk zu machen. Kellermann, der seit 1968 in Oberbach lebt, möchte mit seiner Kunst den Blick auf eine Zeit lenken, in welcher der obere Sinngrund stark bäuerlich geprägt war.

Nutztiere wie Kühe und Pferde im Fokus

Die Skulpturen – überwiegend Nutztiere wie Kühe und Pferde – spiegeln die traditionsreiche Landwirtschaft der Region wider. Auf kleinen Täfelchen an der Rückseite der Skulpturen werden geschichtliche Informationen vermittelt – anschaulich und fundiert, mit Bezug zu den Orten Oberbach, Wildflecken und Riedenberg.

Der Blick in die jüngere Vergangenheit kommt nicht zu früh: In Oberbach gibt es heute nur noch vier Höfe mit Milchkühen in Stallhaltung. Eine stille Erinnerung an frühere Zeiten hat daher bleibenden Wert. Ein besonderes Augenmerk legt Kellermann auf die Zugänglichkeit seiner Werke: Die Skulpturen sollen auf rund 75 Zentimeter hohen Sockeln angebracht werden – perfekt für Kinder, welche die Figuren nicht nur sehen, sondern auch ertasten können.

„Ich möchte Geschichte begreifbar machen – und das im wörtlichen Sinne“, sagte der Künstler mit einem Strahlen. Die Stationen des Projekts sind geschickt gewählt: In Riedenberg und Oberbach nahe des Rhönexpress-Bahnradwegs sowie in Wildflecken unweit des alten Bahnhofs. So lässt sich das steinerne Kunsterlebnis ideal mit einem Ausflug per Rad verbinden – ein weiterer Pluspunkt für Naherholung und Tourismus.

Eine Geste, die Eindruck macht

Was dieses Vorhaben noch bemerkenswerter macht: Gerwin Kellermann schenkt seine Skulpturen den Gemeinden im oberen Sinngrund. „Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich kein Geld verlangen muss. Und dann mache ich das definitiv auch nicht“, sagte er nachdenklich, aber bestimmt. Eine Geste, die bei den Ratsmitgliedern großen Eindruck hinterließ.

Diskutiert wurde über das passende Fundament, beziehungsweise die passenden Sockel für die Skulpturen. Herbert Nowak (CSU/PWG/OWII) schlug glatte Sichtbetonsäulen als Kontrast zum bunten Sandstein vor, um die Skulpturen noch stärker zur Geltung zu bringen. Die Gemeindeverwaltung will nun die Kosten für Stein- oder Betonsäulen vergleichen, bevor dann eine endgültige Entscheidung im Rat getroffen wird. Kellermann machte deutlich, dass es ein sicheres, gutes Fundament für die schweren Skulpturen braucht.

Eines ist aber schon jetzt klar: Der Gemeinderat steht voll hinter dem Projekt. Die kunstvolle Verbindung von Geschichte, Natur und öffentlichem Raum soll die Rhöngemeinden bereichern – und das auf eine ganz besondere Weise.

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