Da demnächst in Aschach die Kapellenstraße und im Staatsbad Bad Bocklet die Von-Hutten-Straße saniert werden sollen, hatte die Gemeindeverwaltung im vergangenen Jahr das Planungsbüro Bautechnik Kirchner (Ebenhausen) beauftragt, die Abwasserkanäle einschließlich der dazugehörigen Hausanschlussleitungen auf ihren Zustand zu überprüfen, um eventuell später notwendige Straßenaufbrüche zu vermeiden.
Entsprechend waren Kamera-Durchfahrungen entlang einer 712 Meter langen Hauptkanalstrecke und 640 Metern Anschlussleitungen in der Von-Hutten-Straße sowie eine 450 Meter lange Hauptkanalstrecke mit 230 Metern Anschlussleitungen in der Kapellenstraße durchgeführt worden.
Auf Basis der gezeigten Zustandsdaten stellte Matthias Kirchner in vergangener Sitzung dem Gemeinderat sein Sanierungskonzept mit jeweiligen Kostenschätzungen vor.
Kapellenstraße: In der Aschacher Kapellenstraße sind demnach die Hauptkanalleitungen teilweise als „verbraucht“ zu bezeichnen. Die meisten und größten Schäden zeigten sich vor allem im Bereich der Hausanschlüsse. Diese können allerdings überwiegend ohne offene Bauweise behoben werden. Lediglich ein kleiner Teilbereich, der auch von außen durch eine enorme Setzung in der Fahrbahndecke erkennbar ist, muss aufgrund der Schadensgröße komplett erneuert werden.
Auswechseln empfohlen
Bei der Sanierung ist nach Aussage des Planers zu beachten, dass es sich bei den Hauptkanälen um Falzmuffenrohre älteren Baujahrs handelt, die bauartbedingt meistens nicht dicht schließen. Hier empfiehlt der Fachmann die vollständige Auswechslung oder zumindest die Abdichtung mittels Inliner-Technik. Matthias Kirchner: „Die Dichtigkeit des Kanals hat oberste Priorität.“
Die Schadensbilder der Anschlussleitungen reichen in der Kapellenstraße von „keine Sanierung erforderlich“ bis hin zur kompletten Auswechslung einzelner Anschlussstellen. Sanierungen der Hausanschlussleitungen müssen in der Regel in offener Bauweise erfolgen. Dabei wird es sich allerdings nur um einzelne kleinere Baumaßnahmen handeln. Kosten für die jeweiligen Eigentümer entstehen nur für Maßnahmen direkt auf Privatgrund.
Die erforderlichen Reparaturen in der Kapellenstraße seien nur eine Notmaßnahme, erklärte Kirchner. „Die Straße wird ein Flickwerk sein.“ Der Vollausbau der Straße sei aber wegen der Gesamtlänge des Hauptkanals und der gestiegenen Baukosten finanziell nicht umsetzbar. Eine staatliche Förderung wird es nicht geben.
Start in 2027
Zwar werden die Kosten des reinen Kanalbaus in der späteren Abwasser-Gebührenkalkulation berücksichtigt, doch die Kosten für den Straßenbau hat die Gemeinde allein zu zahlen. Dennoch wurde das Planungsbüro vom Gemeinderat beauftragt, einen Kostenvergleich von Reparatur und Vollausbau zu erstellen. Nach erneuter Beratung im Gemeinderat soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden.
Von-Hutten-Straße: Da der Landkreis eine Deckensanierung der Von-Hutten-Straße plant, wurde auch hier der Kanal mit seinen Anschlussleitungen untersucht. „Der Hauptkanal ist in einem baulich akzeptablen Zustand“, informierte Kirchner den Gemeinderat, so dass auf eine Erneuerung der Haltungen in offener Bauweise verzichtet werden kann. Mittelfristig sei aber eine Liner-Sanierung sinnvoll. Die aufgefundenen Schäden lassen sich von innen sanieren. „Durch die teilweise sehr geringe Gefällesituation ist im gesamten Bereich dringend eine regelmäßige Reinigung der Kanalisation mittels Hochdruck-Spülverfahren zu empfehlen, um Verhärtungen von Ablagerungen sowie Geruchsbildung und Ungezieferbefall entgegenzuwirken“, heißt es außerdem im Bericht des Planungsbüros.
Die Anschlussleitungen im gesamten Untersuchungsbereich sind dagegen in schlechtem Zustand, weshalb der Fachmann bis auf wenige Ausnahmen eine Kompletterneuerung im öffentlichen Bereich empfiehlt. Dies sei auch bereits mit dem Landkreis so besprochen worden. „Denn hier reichen die Schäden von Unterbögen und Lageversätzen, die mit einer Innensanierung nicht zu beheben sind, bis zu Riss- und Scherbenbildungen.“ Hier wird ebenso – auch nach dem Neubau – eine regelmäßige Reinigung dringend empfohlen.
Da die Ursache der Setzungen in der Von-Hutten-Straße bislang ungeklärt ist, wird der Landkreis weitere Lastplattendruckversuche durchführen. Bei den Versorgungsträgern für Gas, Wasser und Strom soll angefragt werden, ob sie eine Erneuerung ihres Leitungsnetzes im Zuge der kommenden Straßensanierung für notwendig halten.
Der reine Straßenbau erfordert einen geringeren Aufwand als das Auswechseln der Kanalhausanschlüsse mit Sanierung der Gehwege, weshalb der Markt Bad Bocklet diese Maßnahme federführend durchführen und die Zeitschiene für den geplanten Ausbau bestimmen und festlegen sollte.
Kostenschätzung
Die Kosten für die Sanierung des Hauptkanals in der Kapellenstraße werden vom Planungsbüro auf knapp 100.000 Euro geschätzt, in der Von-Hutten-Straße auf etwas über 45.000 Euro. Die Kosten für die Sanierung der Hausanschlüsse dürften in der Kapellenstraße bei 75.000 Euro und in der Von-Hutten-Straße bei fast 255.000 Euro liegen. Oder anders gerechnet: Für die Kanalsanierung in der Kapellenstraße (Aschach) ist mit insgesamt 175.000 Euro, in der Von-Hutten-Straße (Bad Bocklet) mit etwa 300.000 Euro zu rechnen. In beiden Fällen sind die Kosten für die Wiederherstellung der Gehwege noch nicht enthalten.









