Das befürchtete Verkehrschaos an den Anschlussstellen der A 71 und der A 7 im Landkreis Bad Kissingen ist am Montag, 8. Januar, offenbar ausgeblieben. Die Landwirte aus der Region haben zwar wie angekündigt an allen sieben Zufahrten gegen die Sparpolitik der Bundesregierung protestiert, der Verkehr wurde dabei jedoch nicht in größerem Umfang behindert.
Auch auf den umliegenden Straßen war die Lage überwiegend ruhig - wenn gleich sich mancher Autofahrer in Geduld üben musste, wenn er etwa hinter einer Kolonne Traktoren herfuhr. So haben die Landwirte aus der Region die Situation vor Ort wahrgenommen.
35 Traktoren in Bad Brückenau dabei
Das Thermometer zeigte fünf Grad minus, als gegen 5.30 Uhr die ersten Bauern mit ihren Schleppern an der Anschlussstelle Bad Brückenau/Wildflecken eintrafen. Ab sechs bis circa 15 Uhr harrten sie dort aus und verengten unter den Augen der Polizei auch dort die Zufahrten, sodass kaum ein Auto hindurchpasste. Organisiert hatte die Aktion vor Ort Matthias Kohl, Landwirt im Haupterwerb aus Geroda.
Nach seinen Angaben beteiligten sich an der Quasi-Blockade Bauern mit rund 35 Traktoren; dazu kamen Spediteure mit fünf Lkw. Auch Mitarbeiter der BayWa aus Bad Brückenau waren vor Ort sowie einige Handwerker mit ihren Fahrzeugen. Einige der Schlepper pendelten zwischen den Anschlussstellen Bad Brückenau und Volkers, wo eine ähnliche Aktion stattfand.
Botschaften an die Bundesregierung
So trugen sie ihre Botschaften an die Regierung in Berlin auch ins Kurstädtchen, wo sie unter anderem eine Runde durch die Kernstadt drehten. Ziel der Demonstrierenden war es auch im Raum Bad Brückenau, darauf hinzuweisen, dass die Streichung der Subventionen für Agrardiesel und die Kfz-Steuer für die Landwirte der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Man wolle aber auch allgemein auf die Probleme im Land hinweisen. So habe es vergangenes Jahr Rekordeinnahmen an Steuern gegeben, mit denen die Regierung aber nicht zu haushalten wisse. Stattdessen werde überall genommen, nicht nur von den Bauern, sondern auch von der Gastronomie.
Protest soll friedlich ablaufen
Ausdrücklich betonte der Gerodaer Landwirt, dass er und seine Berufskollegen nicht in die rechte Ecke gestellt werden wollen. Der Protest solle "friedlich und demokratisch ablaufen“. Es gehe nicht um einen Umsturz. Man lasse auch jeden Verkehrsteilnehmer durch, der unbedingt auf die Autobahn auffahren wolle.
So sei es im Vorfeld mit der Polizei abgesprochen worden, die die Demo-Teilnehmer gleich zu Beginn eingewiesen habe. "Wir haben ein sehr gutes Miteinander.“ Wie zum Beweis ließen die Landwirte einen Lkw auf die Autobahn, der zuvor einen Bad Brückenauer Verbrauchermarkt beliefert hatte. Es dauerte nur etwas, bis die Landwirte ihre Schlepper zur Seite rangiert hatten.
Autobahn in Oberthulba weiter erreichbar
Christian Eisenhauer, Landwirt aus Hetzlos, leitete die Protestaktion an der Anschlussstelle Oberthulba an der A7. Ab dem frühen Morgen 6 Uhr hatten sich hier rund 30 Betriebe mit Traktoren mit Plakaten aufgebaut - rechts und links neben der Auffahrt. Er betonte, dass es vorab konstruktive Gespräche mit Landratsamt und Polizei gegeben hat.
"Es war allen wichtig, dass die Autobahn erreichbar ist", sagte Eisenhauer. Am Autobahnzubringer, der Staatsstraße 2291, wurde die Verkehrsgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde abgesenkt. "Damit konnten wir unser Zeichen setzen", meinte er. Der Protest sei friedlich verlaufen, von Seiten vorbeifahrender Autofahrer hätten die Landwirte viel Zuspruch erhalten.
Auch andere mittelständische Unternehmer unterstützten den Protest - so hat sich beispielsweise ein Autohaus aus Oberthulba beteiligt.
Felix Rößner, Landwirt aus Oberthulba, betonte ebenfalls, dass die Bauern niemanden gefährden wollen. Rößner ist zugleich Feuerwehrmann. "Ich kenne die Stelle als Unfallschwerpunkt. Wir haben uns so aufgebaut, dass die Sicht an der Anschlussstelle nicht behindert wird", erklärt er.
Auch in Hammelburg wurde die Geschwindigkeit gesenkt
An der Auffahrt Hammelburg zur A 7 haben sich die Traktoren in der Auffahrt positioniert, allerdings so am Rand, dass Autos beim Auf- und Abfahren noch gut hindurchpassen. Auf der B287 als Zubringer wurde ebenfalls die Geschwindigkeit für den Protest herabgesenkt. "Uns geht es darum, dass jeder unsere Anliegen mitbekommt. Wir haben viel Aufmerksamkeit gewonnen", sagte Marius Fischer, Landwirt aus Wittershausen und Mitorganisator.
Auch er betonte, dass die Bauern friedlich ihren Unmut äußern. Er spüre viel Unterstützung. Dass sich Autofahrer beschweren, sei nur vereinzelt vorgekommen. Es seien auch große Teile im Mittelstand unzufrieden. "Wir haben viel Rückhalt in der Bevölkerung. Es ist richtig, was wir machen", sagte er. In Hammelburg zeigen sich etwa Handwerksbetriebe ebenfalls solidarisch mit den protestierenden Bauern.
Adam Gärtner aus Völkersleier hat ein großes Transparent an seinen Traktor angebracht: "Stirbt der Bauer, stirbt das Land!" Er demonstriere, weil er aktuell das Gefühl hat, dass das Land an die Wand gefahren werde. An der großen Bauernkundgebung nächste Woche in Berlin (15. Januar), will er ebenfalls teilnehmen.
Münnerstadt protestiert mit
Landwirte protestieren in Burglauer
Entgegen den Ankündigungen, dass Landwirte die Auffahrten zur A71 sperren wollten, floss der Verkehr um 9 Uhr morgens auch bei Burglauer auf die Autobahn. Doch es lief nicht ohne Protest: Viele Landwirte und Speditionsfahrer sorgten auf der B19 zwischen Burglauer und Bad Neustadt regelmäßig für zähen Verkehr.
"Im Rundlauf quasi fahren wir die Strecke auf und ab", erklärte ein Landwirt, der sich gerade mit einem Kaffee und Kuchen an Inge Mühlfelds Bus aufwärmte. Inge Mühlfeld war früh aufgestanden, um viele Liter Kaffee zu kochen. Aus ihrem Bus heraus versorgte sie die Demonstrierenden auf dem Pendlerparkplatz unterhalb der Autobahnzufahrt.
Nicht nur Landwirte sind betroffen
"Das ist meine Form der Solidarität", sagte sie. Neben ihr stand Rainer Bühner. Er betreibt die Kaffee-Rösterei in Maria Bildhausen. "Ich sehe mich auch als Betroffenen an", sagte er. Mit internationalen Anbietern könne er nicht konkurrieren, vor allem die Bürokratie laste wie ein Mühlstein um seinen Hals.
Dazu gebe die Regierung seiner Meinung nach zu viel Geld in Bereichen aus, mit denen "der kleine Mann" nichts zu tun habe. "Warum müssen wir unbedingt Krieg spielen?", fragte er, "dieses Geld bräuchte der kleine Mann".
Ähnlich sah es auch Roland Straub, Nebenerwerbslandwirt aus Hohenroth. "Es geht doch hier nicht nur um uns Landwirte, es geht um die Schieflage im Land", sagte er und wärmt seine Hände am Kaffee. "Ich habe kürzlich eine Reportage über eine Rentnerin gesehen. Sie hat 45 Jahre lang gearbeitet, künftige Steuerzahler großgezogen - und jetzt muss sie zur Tafel, damit sie über die Runden kommt. Da läuft doch alles verkehrt!"
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