Im Gegensatz zur Demonstration am 8. Januar ist der Pendlerparkplatz zur Autobahnauffahrt auf die A71 bei Münnerstadt fast verwaist. Drei Traktoren stehen auf dem Platz, eine Handvoll Landwirte atmet Wolken in die Kälte aus. Drei Polizisten der Polizeiinspektion Bad Kissingen sind gekommen, sie verlesen den Landwirten die Regeln, die es bei Demonstrationen einzuhalten gilt. Die Stimmung ist entspannt.
Polizei begleitet Konvoi
Was die Bauern an diesem Mittwochmorgen vorhaben: Den Autofahrern das Leben schwerer zu machen. Mit ihren drei Traktoren wollen sie die eine von zwei Fahrspuren verlangsamen. Sie sichern aber zu, dass jeder auf die Autobahn kommt, egal, ob Richtung Schweinfurt oder Richtung Erfurt.
Damit die Autofahrer rechtzeitig gewarnt werden, wird der Konvoi von der Polizei begleitet - samt Blaulicht auf dem Dach, damit niemand das rollende Hindernis übersieht. Es ist 9.15 Uhr, als die Bauern sich wieder in ihre Fahrerzellen schwingen, die lauten Motoren anlassen und Richtung Autobahn rollen. Hinter ihnen staut sich ab da der Verkehr auf der B19 zwischen Münnerstadt und Bad Neustadt.
100 Betriebe protestieren
Die Bauern wollten am Mittwoch während der Haushaltsberatungen in Berlin noch einmal ein klares Zeichen setzen gegen die Sparpolitik der Bundesregierung. Im Landkreis Bad Kissingen waren laut Edgar Thomas, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, rund 100 Betriebe an den Protesten beteiligt. An allen Autobahnzufahrten zur A7 und A71 kam es zu Protestaktionen. Manche Zufahrten waren schwächer und nicht die ganze Zeit des Protestzeitraums besetzt wie etwa in Oberthulba. "In Oberthulba ging es zäh los", sagt Thomas.
Nebenerwerbstätige Landwirte waren diesmal an den Demonstrationen kaum beteiligt, weil sie sich um ihre Betriebe kümmern mussten. Dennoch: Müde werden die Landwirte nicht. "Der Rückhalt ist weiter da", meint der BBV-Funktionär. Er wertet es als Erfolg der Protestbewegung, dass die Ampel die Steuerbelastungen auf Schlepper gestrichen hat, der Streit um die Agrardiesel-Subventionen ist aber noch nicht vom Tisch.
Deshalb wollen die Bauern weiter sichtbar bleiben. "Wir brauchen Lösungen, mit denen wir umgehen können", sagt er. Das sei auch die Erwartungshaltung der Mitgliedsbetriebe an den BBV.
Bayernweite Proteste
Die Protestaktionen an den Autobahnen im Landkreis Bad Kissingen verliefen friedlich und reibungslos, berichtet Thomas. Ähnlich berichtet es die Polizei Bad Kissingen.
Es habe keine Blockaden gegeben, der Verkehr habe immer fließen können. "Die Demos sind sehr kooperativ", heißt es aus der Polizeidienststelle.
Laut Medienberichten blieb es nicht überall in Bayern so ruhig wie in der Region. Mancherorts begannen die Aktionen bereits mehrere Stunden früher als angemeldet - offizieller Beginn sollte um 9 Uhr sein.
Im Landkreis Bamberg kam es zu einer größeren Protestaktion: In Buttenheim blockierten Traktoren die Zu- und Abfahrt eines Zentrallagers von Rewe, und zwar seit dem frühen Morgen um 4.30 Uhr.
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