Was wäre gewesen, wenn in der Stichwahl nur die Kernstadt direkt an der Urne abgestimmt hätte? Dann hieße der neue Bürgermeister Dirk Stumpe. Nimmt man nur die drei Kernstadt-Wahlbezirke zusammen, lag der 50-jährige Bad Brückenauer mit 400 Stimmen genau zehn vor Mitbewerber Jan Marberg. Doch die Wahl war anders. Da waren die Stadtteile. Und die Briefwähler. Vor allem letztere brachten dem SPD-Kandidaten den Sieg.
Insbesondere in der Kernstadt gelang es Stumpe gegenüber Wahlrunde eins am 28. April und dem Ausscheiden von CSU-Kandidat Heribert Übelacker, mehr Wähler von sich zu überzeugen. Mit 154 Stimmen verbuchte er im Stammwahlbezirk Stadtwerke 21 Voten mehr als zwei Wochen zuvor (58,33 Prozent). Marberg verlor dort sogar zehn Stimmen (110; 41,67 Prozent).
Wahlbezirk Georgihalle geht an Stumpe
Anders als am 28. April konnte der 35-Jährige auch den Wahlbezirk Georgihalle nicht für sich entscheiden. Dort siegte Stumpe knapp mit 129 Voten (51,19 Prozent), stattliche 32 mehr als vor zwei Wochen und sechs mehr, als auf Marberg entfielen (123; 120 im ersten Wahlgang; 48,81 Prozent). Offensichtlich wechselten einige vorherige CSU-Wähler ins Stumpe-Lager.
Das war es aber mit der Herrlichkeit des Lokalmatadors. Wie am 28. April siegte Marberg klar im Bezirk Grundschule: 157:117 Stimmen (57,3:42,7 Prozent). Beide Kandidaten legten in etwa gleich viel zu.
Frappierend fiel der prozentuale Unterschied im Stadtteil Volkers aus. Hatten sich dort vor zwei Wochen noch 35,68 Prozent der Wähler für Übelacker begeistern können, verteilten sie nun ihre Gunst gleichmäßig: Marberg 120 Stimmen, ein sattes Plus von 23 Wählern (62,5 Prozent). Stumpe legte sogar 32 Voten zu (insgesamt 72; 37,5 Prozent), unterlag aber trotzdem klar.
Kurioserweise gewannen beide Kandidaten in Römershag in etwa soviel Stimmen wie im ersten Wahlgang: (Marberg 68 Stimmen, vorher 69; Stumpe beide Male 51). Da aber nun Übelacker rausfiel, lag die Verteilung bei 57, 14 zu 42,86 Prozent pro Marberg.
Nur elf Briefwähler mehr als beim ersten Mal
Da half Stumpes kleiner Sieg in Wernarz/Staatsbad, wo er aufwuchs, kaum (59 Stimmen/53,64 Prozent gegenüber Marberg: 51/46,36). Unter dem Strich standen 629 Direkt-Stimmen für den SPDler und 582 für den Lokalhelden. Ein Trend, der sich noch stärker in der Briefwahl manifestierte.
Insgesamt lag die Beteiligung dort mit 1393 Stimmen (inklusive acht ungültige) am Wochenende mit Brückentag nicht wesentlich höher als im ersten Wahlgang (1382 Stimmen, acht ungültige). Marberg konnte sich von Stumpe etwas mehr absetzen, gewann erneut alle drei Briefwahlbezirke jeweils klar. Insgesamt entschieden sich 774 Briefwähler für Marberg und nur 611 für Stumpe (erster Wahlgang 594:475).
Marberg: „unterm Strich das erwartet knappe Ergebnis"
Für den Wahlsieger war es „unterm Strich das erwartet knappe Ergebnis", mit nur rund 200 Stimmen Unterschied (genau waren es 210). Das zeige, dass die Stadt nicht nur einen Bürgermeister Jan Marberg wolle, sondern auch Dirk Stumpe stark unterstütze. Marberg hofft, dass sein Mitbewerber „nach dem gestrigen enttäuschenden Ergebnis Mut und Zuversicht schöpft, um mit mir und dem Stadtrat Bad Brückenau nach vorne zu bringen".
Die Stichwahl habe gezeigt, dass das Rennen nach dem ersten Wahlgang nicht vorbeigewesen sei. Das Ergebnis habe man noch nicht genau analysieren können, so der 35-Jährige. Er bedankt sich besonders bei den Volkersern für den hohen Zuspruch. „Hätte ich nicht da Fußball gespielt, wäre vielleicht Dirk Bürgermeister."
Wahlbeteiligung enttäuschend
Beide Kandidaten empfanden die Wahlbeteiligung von 49,92 Prozent als enttäuschend. Stumpe machte sie sogar mitverantwortlich für seine Niederlage. „Ich sehe nicht so den Aufbrucheffekt, sondern noch mehr Desinteresse und Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit des Bürgermeisters und des Stadtrates." Dies mache ihm „ein bisschen Angst". Es öffne Tür und Tor für Extreme.
Im Stadtrat will Stumpe Marberg „offen und ehrlich begegnen und zielstrebig weiter an der Zukunft von Bad Brückenau arbeiten". Für Konfrontation sei kein Raum. Die Wahlniederlage 2020 habe ihm persönlich weniger wehgetan als die jetzige.
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