Es schien nur eine Kleinigkeit zu sein, doch sie brachte Dominik Sitter (CBB) auf die Palme: Im Hammelburger Stadtrat ging es um einen Vorentwurf für die Neugestaltung von Marktplatz samt Bürgerhaus und Buttenmarkt. Hartmut Holl vom Würzburger Planungsbüro Holl Wieden Partnerschaft sprach davon, dass man im Sinne der Einheitlichkeit für den Markt das gleiche Pflaster verwenden könnte wie in der angrenzenden Kissinger Straße.
Norbert Schaub (SPD) kam das seltsam vor: "War nicht die frühere Info: Diesen Belag gibt es nicht mehr?" Das sei den Stadträten bei der Gestaltung der Bahnhofstraße so verkauft worden. Deswegen habe man sich dort für etwas anderes entschieden.
Sitter will Verlegeart jetzt geklärt wissen
In der anschließenden Diskussion blieb Holl eine klare Antwort schuldig, ob die gleichen Steine wie in der Kissinger Straße noch verfügbar sind. Er sagte lediglich, es handele sich wie in der Bahnhofstraße um Granit.
Das war wohl, was Dominik Sitter in Rage brachte. Er wolle nicht wieder so einen Murks wie bei der Bahnhofstraße erleben, polterte er. "Ich möchte nicht nochmal gesagt bekommen: Es geht jetzt nicht mehr; das ist so vorgeplant." Die Verlegeart sei ein reines Chaos gewesen. Am liebsten hätte er jetzt schon festgelegt, welches Pflaster wie auf Marktplatz und Buttenmarkt verlegt wird.
Porphyr, Muschelkalk und roter Granit auf Marktplatz
Damit bezog sich Sitter offensichtlich auf die holprige Neugestaltung der Bahnhofstraße vor zwei bis vier Jahren. Damals kam es zu Verzögerungen, weil das Verlegeverfahren so herausfordernd war. Eine Firma sprang ab; eine andere musste gesucht werden. Lange wurden auch Baumängel, zum Beispiel bei den Fugen, diskutiert.
Im Stadtrat informierte Stadtbaumeister Detlef Mohr, dass der Marktplatz von grauem Muschelkalk und Porphyr, einem vulkanischen Naturstein, geprägt ist. An Rathaus und Marktbrunnen findet sich roter Granit. Verlegt wurde das dortige Pflaster nach Informationen dieser Redaktion Anfang der 80er-Jahre.
Holl: Markt an Kissinger Straße angleichen
Natürlich will Hartmut Holl nicht nur das Pflaster auf Marktplatz und Buttenmarkt austauschen. Durch die Kissinger Straße, die ihn tangiert, werde der Marktplatz "eigentlich zerstört". Dadurch bleibe nur ein Trapez übrig. Um die optische Trennung zu beseitigen, will Holl ja dessen Belag dem der Kissinger Straße angleichen. "Der Platz wirkt nur als Ganzes."
Lediglich am Marktbrunnen aus dem 16. Jahrhundert soll das bestehende Pflaster erhalten bleiben. Insgesamt erstreckt sich das Gebiet für die Umgestaltung bis in die Kirchgasse zur Einfahrt zur Polizei im Roten Schloss und bis zur Frobeniusstraße, erfuhr Reimar Glückler (CBB) auf Nachfrage. Der bereits neugestaltete östliche Gehweg am Rathaus entlang bleibt aber unangetastet.
"Steinernen" Platz mit Bäumen und Grüninseln aufwerten
Für Planer Holl wirkt der Marktplatz "etwas steinern". In der Tat sind dort im Luftbild nur sieben Bäume und keine Grünflächen zu erkennen. Holl hätte zwei Vorschläge: entweder die bestehenden Ahorne ergänzen, wobei mindestens zwei krank sind und ersetzt werden müssen. Oder gleich alle entfernen und neue Großbäume für mehr Schatten pflanzen.
Laut Holl käme da die ahornblättrige Platane oder eine Robinie infrage. Wobei die Bäume mehr Versickerungsfläche drumherum erhalten würden als die bestehenden Gewächse.
Überhaupt soll das Oberflächenwasser am Marktplatz verstärkt aufgefangen und über unterirdische Speicher den Bäumen zur Verfügung gestellt werden. Grüninseln mit Stauden würden den natürlicheren Charakter abrunden.
Neues Förderprogramm mit geringem städtischen Eigenanteil
Vorteil dieser "grüneren" Orientierung: Sie würde über das neue Förderprogramm "Klima wandel(t) Innenstadt" üppig bezuschusst. Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten könnten so vom Staat wieder ausgeglichen werden.
Bei einem von Hartmut Holl genannten Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro vor die Umgestaltung wären das rund 1,8 Millionen Euro; somit bleiben "nur" eine halbe Million Euro an der Stadt hängen. Bei einer 60-prozentigen Förderung wäre das eine knappe Million Euro.
Stolz skeptisch bei Platzentwässerung
Alexander Stolz (CBB) fragte: "Braucht es so viel Entwässerung?" Planer Holl möchte das Niederschlagswasser am recht abschüssigen Marktplatz über schmale Schlitzrinnen abfließen lassen; Stolz sieht diese eventuell als Hindernisse und als schwer zu reinigen an. Bisher erfolge die Entwässerung über zwei Abläufe und die Randbereiche des Platzes. Holl will die Einwände prüfen.
Christian Fenn (Junge Liste) sorgt sich darum, dass die Feuerwehr bei einem Einsatz auf dem Buttenmarkt vielleicht nicht um die Kurve und wenden kann. Immerhin sollen dort eine Behindertenparkplatz und weitere Parkflächen unterkommen. Sowohl Holl als auch Stadtbaumeister Mohr verwiesen auf die standardmäßigen sechs Meter Zufahrt zu den Parkplätzen, die ausreichen würden.
Übrigens braucht die Feuerwehr auch zu den Häuserfronten am Marktplatz drei Meter Freiraum, um ihre Drehleiter ungehindert ausfahren zu können. Bestuhlung der Gastronomie würde im Ernstfall natürlich weggeräumt, so Holl.
Röthlein will Antrag zur Geschäftsordnung
Nach all der Diskussion brachte Florian Röthlein (Grüne) einen Antrag zur Geschäftsordnung ins Spiel: Man solle die Sache vertagen und nochmal interfraktionell in Ruhe zu beraten.
Stadtbaumeister Mohr hielt das nicht für so geschickt. Denn der Stadtrat sollte nicht nur die Planung des Büros Holl gutheißen, sondern es auch mit weiteren Planungsleistungen beauftragen - bis hin zum Zuwendungsantrag an die Regierung von Unterfranken. Baubeginn könnte so im Frühjahr 2025 sein, sagte er.
Verfügbarkeit des Pflasters wird ermittelt
Zur Abstimmung über Röthleins Antrag kam es nicht, weil Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) die Entscheidung zurückstellte. Sie soll in der nächsten Stadtratssitzung erfolgen. Bis dahin sollen die Stadträte sich für sie aufdrängende Fragen einreichen - und natürlich die nach der Verfügbarkeit des Pflasters geklärt werden. Außerdem soll mit Anliegern, Geschäftsleuten, Feuerwehr und Vertretern von Vereinen gesprochen werden.
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