Mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro steht die Marktgemeinde Wildflecken vor einer der größten Infrastrukturmaßnahmen ihrer Geschichte. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates informierten Vertreter des Ingenieurbüros ARZ Ingenieure umfassend über den aktuellen Planungsstand zum Neubau der Kläranlage Oberbach. Im Mittelpunkt standen die Entwurfsplanung, der vorgesehene Bauzeitenplan sowie die Beantragung staatlicher Fördermittel nach den Richtlinien für wasserwirtschaftliche Vorhaben. Am Ende sprach sich der Marktgemeinderat einstimmig dafür aus, den entsprechenden Zuwendungsantrag beim Wasserwirtschaftsamt einzureichen.
Bürgermeister Daniel Kleinheinz (CSU/PWG) machte bereits zu Beginn der Beratung deutlich, welche Bedeutung das Vorhaben für die Marktgemeinde besitzt. Der Neubau der Kläranlage sei eine der größten Investitionsmaßnahmen der kommenden Jahre und diene der langfristigen Sicherung einer leistungsfähigen Abwasserentsorgung. „Trinkwasser und Abwasser gehören zu den wichtigsten Pflichtaufgaben einer Gemeinde“, betonte Kleinheinz. Die bestehende Kläranlage habe ihre technische Lebensdauer weitgehend erreicht und könne den zukünftigen Anforderungen nur noch eingeschränkt gerecht werden.
Mit dem geplanten Neubau wird die bisherige Struktur grundlegend verändert. Statt zwei eigenständiger Anlagen in Wildflecken und Oberbach soll künftig eine moderne zentrale Kläranlage am Standort Oberbach die Abwässer aus Oberwildflecken, Wildflecken und Oberbach reinigen. Die Entwurfsplanung liege bereits beim Wasserwirtschaftsamt vor, während die Abstimmungen mit den zuständigen Fachbehörden aktuell weiterlaufen.
Auf Grundstückseigentümer umgelegt
Im Rahmen der Sitzung stellte sich außerdem Sebastian Hösch von BayernGrund dem Marktgemeinderat vor. Über BayernGrund soll die Vorfinanzierung des Großprojektes erfolgen. Angesichts der enormen Investitionssumme stellt dies einen wichtigen Baustein für die Finanzierung des Vorhabens dar. Bezahlen muss das Ganze am Ende aber der Bürger selbst. Sämtliche Kosten der gesamten Maßnahme werden auf die Grundstückseigentümer umgelegt. Den fachlichen Teil der Präsentation übernahm zunächst Tobias Schneider von ARZ Ingenieure.
Er zeichnete die Entwicklung des Projekts nach und machte deutlich, dass der Handlungsbedarf bereits seit mehreren Jahren bekannt sei. Die Vergabe der Planungsleistungen erfolgte Anfang des Jahres 2022. Im Laufe des Jahres 2023 wurde zwischenzeitlich geprüft, ob die Nachbargemeinde Riedenberg in das Projekt eingebunden werden könnte. Diese Überlegungen wurden jedoch nach näherer Prüfung wieder verworfen.
Im Jahr 2024 fiel schließlich die grundlegende Standortentscheidung zugunsten von Oberbach. Dort soll künftig die zentrale Kläranlage für die Ortsteile Oberwildflecken, Wildflecken und Oberbach entstehen. Um eine belastbare Datengrundlage für die Planung zu schaffen, wurde zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 ein umfangreiches Messprogramm durchgeführt. Im Jahr 2025 folgte die sogenannte Überrechnung der Mischwasserbehandlungsanlagen.
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flossen in die weitere Planung ein. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Erstellung der Entwurfsunterlagen sowie die Beantragung der wasserrechtlichen Erlaubnis im Februar 2026. Damit befindet sich das Projekt mittlerweile in einer entscheidenden Phase auf dem Weg zur Umsetzung.
Im zweiten Teil der Präsentation erläuterte Daniel Dappert von ARZ Ingenieure die konkrete technische Ausgestaltung der zukünftigen Anlage. Kernstück des Projektes ist der Neubau einer modernen Kläranlage am Standort Oberbach. Ergänzt wird diese durch ein neues Pumpwerk sowie ein neues Regenüberlaufbecken mit einem Fassungsvermögen von 2000 Kubikmetern.
Besonders wichtig sei dabei die Verbesserung der Reinigungsleistung. Nach Angaben der Planer ist die Stickstoff-Elimination in der bestehenden Kläranlage bislang nicht ausreichend. Die neue Anlage werde dagegen die aktuellen Anforderungen erfüllen und eine deutlich bessere Reinigungsleistung ermöglichen.
Dadurch sollen Grenzwertüberschreitungen künftig vermieden werden. Dies ist nicht nur aus rechtlicher Sicht von Bedeutung, sondern trägt auch zum langfristigen Schutz der Gewässer bei. Und es soll die Abgabenlast der Gemeinde im Bereich Abwasser reduzieren.
12,8 Millionen Euro nur für die Bauwerke
Für die eigentlichen Bauwerke – also Kläranlage, Pumpwerk und Regenüberlaufbecken – wurde eine Kostenberechnung von insgesamt 12,83 Millionen Euro vorgestellt. Dabei handelt es sich jedoch letztlich nicht um die Gesamtkosten des Projektes. Hinzu kommen unter anderem umfangreiche Baunebenkosten, Planungshonorare, Entsorgungskosten, Genehmigungsverfahren sowie weitere notwendige Begleitmaßnahmen. Bürgermeister Kleinheinz stellte daher klar, dass man am Ende voraussichtlich bei einer Gesamtsumme von rund 15 Millionen Euro landen werde.
Baubeginn im Frühjahr 2027
Auch zum weiteren Zeitplan konnten die Planer bereits konkrete Aussagen treffen. Demnach sollen die Ausschreibungen für die umfangreichen Bauarbeiten im kommenden Winter erfolgen. Der eigentliche Baubeginn ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Die Bauzeit wird nach aktuellem Stand etwa ein Jahr betragen. Wenn alle Arbeiten planmäßig verlaufen, könnte die neue Kläranlage Anfang 2028 ihren Betrieb aufnehmen.
Bis dahin werden noch zahlreiche Genehmigungs- und Abstimmungsschritte notwendig sein. Dennoch zeigte sich der Marktgemeinderat zuversichtlich, dass das Projekt nun in die entscheidende Umsetzungsphase eintreten kann. Zum Abschluss der Beratung fasste der Marktgemeinderat den notwendigen Beschluss zur Beantragung der Fördermittel nach den Richtlinien für wasserwirtschaftliche Vorhaben. Das Gremium stimmte dem Zuwendungsantrag einstimmig zu.









