Die Gemeinde steht offenbar recht gut da. Die Verschuldung beträgt dieses Jahr 3,73 Euro pro Einwohner und ist damit, so Bürgermeister Nico Rogge, „so gut wie null“. In der gut besuchten Bürgerversammlung für Eltingshausen und Oerlenbach in der Wilhelm-Hegler-Halle zog er eine Bilanz über das Jahr 2023 und erläuterte, was die Gemeinde in diesem Jahr plant. Der Eltingshausener Ortsreferent Stefan Karch konnte zu dieser Versammlung, die fast vier Stunden dauerte, über 100 Bürgerinnen und Bürger begrüßen.
Bevor der Bürgermeister zu Wort kam, stellte sich der neue Leiter des Forstreviers Oerlenbach, Florian Seufert vor, der sein Büro im Rathaus der Nachbargemeinde Rannungen hat. Die Gemeinde hat insgesamt 850 Hektar Wald, davon sind 470 Gemeindewald. Rund 25 Prozent der Gemeindefläche sind Wald.
Bevölkerung in Oerlenbach rückläufig, in Rottershausen steigend
Im ganzen Landkreis liegt der Anteil bei 48 Prozent. Im Gemeindewald sind 31 Prozent der Bäume Eiche und 26 Prozent Buchen. Buchdrucker, Kupferstecher und die Trockenheit schädigen den Baumbestand stark. 2023 hat der Wald 11.000 Euro Verlust eingebracht. Bei der Brennholzbestellung sind leichte Kürzungen erforderlich. Das Brennholz konnte noch nicht gerückt werden. Der Rücker soll diese Woche kommen.
Bürgermeister Rogge ging auf die Bevölkerungsentwicklung ein: insgesamt stieg die Einwohnerzahl um 21 auf 5104 Personen. In Oerlenbach (-6) und Ebenhausen (-18) ist sie leicht rückläufig, in Eltingshausen (+15) und in Rottershausen (+30) ist sie gestiegen.
PV-Anlagen weiter ausbauen
Die Corona-Zeit sei aus Sicht der Gemeinde gut bewältigt worden. Das Jahr 2023 wurde jedoch zusätzlich geprägt von der Ukraine- und der Energiekrise sowie den Kriegshandlungen im Nahen Osten. Die Haushaltssituation im öffentlichen Sektor sei grundsätzlich angespannt, die Gemeinde Oerlenbach finanziell davon aber weniger betroffen. Die Auswirkungen könnten sich auch erst in den Jahren 2024 und danach bemerkbar machen, denn die Förderprogramme und die GAK-Mittel (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz) würden reduziert. Weiterhin gelte „Pflichtaufgaben deutlich vor freiwilligen Aufgaben“.
Die Gemeinde werde sich auch weiterhin an der Energiewende beteiligen. Drei Windenergieanlagen produzieren etwa 19 Millionen, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage drei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Zwei weitere Windenergieanlagen und in der Nähe der Schwarzen Pfütze eine weitere Freiflächen-Fotovoltaikanlage sind geplant. Die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden sei 2023 weiter vorangetrieben worden.
Bauplätze sind begehrt
Um Strom zu sparen, sei flächendeckend die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt worden, was eine Stromersparnis von rund 74 Prozent erziele. Der Fuhrpark der Gemeinde werde nach und nach auf Elektroantrieb umgestellt.
Im Baugebiet Eltingshausen sind 28 Bauplätze verkauft und einer reserviert. Zwölf Bauanträge sind eingereicht und sieben Häuser stehen bereits. Der Preis pro Quadratmeter beträgt hier 115 Euro. Im Gewerbegebiet „am Kreisel“ wurden 10.400 Quadratmeter an drei Betriebe verkauft.
Zur Situation in den Schulen sagte der Bürgermeister „die Schülerzahl in der Mittelschule ist prekär“ und „die Gemeinde muss für Schülerbeförderungen hohe Kosten auf sich nehmen“. Der Rechtsanspruch der Schüler auf Ganztagsbetreuung ab dem Jahr 2026 werde aufgrund der drei Schulgebäude für die Gemeinde keine räumlichen Probleme, aber eine finanzielle Mehrbelastung, mit sich bringen.
Neugestaltungsplanung der Schwarzen Pfütze abgeschlossen
In seinem Katalog für 2024 hob er hervor, dass die solide Haushaltslage der Gemeinde ein Ziel bleibe. In Rottershausen wurden zwei kleine Flächen gekauft, hier solle ein neues Baugebiet mit etwa fünf Bauplätzen entstehen. Die Gemeinde hat die alte VR-Bank gekauft. Hier soll das „Haus der Mitte“, ein Gemeindesaal für Veranstaltungen, entstehen. Dass die Post hier vorübergehend einzieht, sei nicht mehr relevant.
Die Machbarkeitsstudie zur Beheizung der Kulturscheune in Eltingshausen sei in Arbeit. Die Ausschreibungen für die Erweiterung des Feuerwehr- und Dorfgemeinschaft Hauses in Ebenhausen laufen. Baubeginn soll voraussichtlich noch im Sommer 2024 sein, teilte der Bürgermeister mit. Die Schwarze Pfütze wurde 2021 aus der Denkmalliste entfernt, im Jahr darauf wurde die Gemeinde bei einer Zwangsversteigerung Eigentümer. Abriss und Planungen zur Neugestaltung wurden 2024 abgeschlossen. Eine Förderung durch das ALE (Amt für ländliche Entwicklung) ist zugesagt, die Gemeinde wartet aber noch auf den Förderbescheid.
Das sagen die Bürger:
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, Probleme anzusprechen. Eine Bürgerin berichtete, dass sie am 17. August letzten Jahres starkes Hochwasser in ihrem Keller hatte. Das Kanalsystem sei alt, denn es gebe keine Trennung zwischen Regen- und Schmutzwasser. Stark-Regen komme häufig vor. Sie wollte wissen, ob die Gemeinde hier tätig wird. Hier sei der Abwasserzweckverband zuständig, auf den diese Pflichtaufgabe übertragen worden sei, bekam sie von Bürgermeister Rogge zur Antwort, der ergänzte: „Wir weisen nachhaltig darauf hin, dass etwas getan wird".
Ein weiterer Bürger will, dass am 25. Januar, am Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, die Fahnen am Rathaus auf Halbmast gesetzt werden. Außerdem möchte er, dass einige Straßen nach NS-Widerstandskämpfern benannt werden, „das wäre ein Zeichen an die Jugend“. Ein Bürger verteilte „Lob an Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung wegen der Energiewende, aber es gibt doch Luft nach oben“. Er nannte Großbardorf mit seinem Bio-Kraftwerk als Beispiel. Hier merkte der Bürgermeister kritisch an „Frage, wo kommt der Mais her?“
Einer wünschte sich dringend, dass die Rathaus-Uhr endlich erneuert oder repariert wird. Sein Wunsch geht offenbar bald in Erfüllung, da das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderates steht. Eine Bedarfsampel oder wenigstens einen Zebrastreifen wünscht sich ein Bürger in der Friedhofstraße, da das Überqueren der Straße gefährlich sei. Viele LKW würden als „Maut-Flüchtlinge“ den Ort passieren.
Kritisiert wurde auch die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amazon. Bürgermeister Rogge meinte dazu: „Die bezahlen weit über dem Mindestlohn. Für diese Arbeit dort braucht man keine qualifizierte Ausbildung“. Er räumte ein, „auch ich bestelle häufig mal bei Amazon, statt nach Schweinfurt oder Bad Kissingen zu fahren, das spart viel Zeit“. Er verteidigte auch die Ansiedlung des Betriebs: „wenn Oerlenbach nicht zugeschlagen hätte, hätte Maßbach es getan“.







