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Passionsspiele Sömmersdorf
Schutz der Freilichtbühnen in Bayern vor Lärmschutzklagen?
Foto Main-Post - 10514104
Dauerhaft geschützt vor Lärmschutzklagen? 2024 kamen rund 1600 Menschen zur Premiere der Passionsspiele in Sömmersdorf (Lkr. Schweinfurt). // Silvia Gralla
Signet des Fränkischen Tags von Silvia Eidel
Sömmersdorf
Sömmersdorf – Die Forderung an den Landtag: Zum Schutz kultureller Orte vor Lärmschutzklagen soll die Freizeitlärmrichtlinie überarbeitet werden. Was die Initiatoren wollen.

„Wo Gemeinschaft lebt – darf Kultur nicht schweigen“: Unter diesem Titel hat der Verein Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf jetzt eine Petition an den bayerischen Landtag gestartet. Darin fordert der Verein, die Freilichtbühne in Sömmersdorf sowie alle anderen kulturellen Orte in Bayern vor Klagen zum Lärmschutz zu schützen - dauerhaft. Die Begründung: Solche Kulturstätten dienten einem öffentlichen Interesse und seien unerlässlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Mit einem Trailer in den sozialen Medien und mit Veröffentlichungen auf seiner Homepage wirbt der Passionsspielverein derzeit überregional um Unterschriften für seine Petition. Denn neben der Sömmersdorfer Spielstätte könnten auch Theater, Konzerte und andere kulturelle Traditionsveranstaltungen wie Kirchweihen oder Dorffeste – „das Herzstück lebendiger Gemeinschaften“ – von Klagen betroffen sein, argumentiert der Verein aus dem Landkreis Schweinfurt.

Passionsspielverein fordert Schutz durch klare rechtliche Rahmenbedingungen

„Immer öfter erleben wir leider, dass einzelne Personen oder kleine Gruppen diese Kulturorte angreifen und Kulturveranstaltungen stoppen“, heißt es auf der Homepage. Und: „Uns geht es hier um gemäßigte kulturelle Angebote – wir reden hier nicht von lauten Rock-Konzerten mit 120 Dezibel.“ Die Anzahl der kulturellen Veranstaltungen sei gering, sie seien zudem zeitlich begrenzt und oft seit langem etabliert.

Deshalb fordert der Passionsspielverein mit der Petition den bayerischen Landtag auf, die bestehende Freizeitlärmrichtlinie in einigen Punkten anzupassen und durch klare rechtliche Rahmenbedingungen solche Kulturorte zu schützen. Die Richtlinie beurteilt die Geräusche und Immissionsrichtwerte von Freizeitanlagen aller Art.

Ein Anwohner klagt aktuell gegen die neue Baugenehmigung

Hintergrund ist der schon länger andauernde Konflikt des Vereins Fränkische Passionsspiele mit einzelnen Anwohnern der Bühne in Sömmersdorf. Sie hatten das Verwaltungsgericht Würzburg wegen Lärmbelästigung angerufen. Ein vom Gericht vorgeschlagener Vergleich mündete 2024 in eine neue Baugenehmigung des Landratsamts Schweinfurt für das Passionsspielgelände. Darin wird festgelegt, wann welche und wie viele Veranstaltungen erlaubt sind. Aktuell klagen erneut einzelne Anwohner vor dem Verwaltungsgericht gegen diese Genehmigung.

„Wir haben die Baugenehmigung akzeptiert, auch wenn sie uns viele Schwierigkeiten bereitet, vor allem für unsere Eigenproduktionen und die dazu notwendigen Proben“, erklärt Johannes Gessner, einer der drei Vorsitzenden des Vereins, auf Nachfrage. „Die jetzige Genehmigung hat aber Auswirkungen weit über Sömmersdorf hinaus. Sie könnte das Umfeld für Veranstalter, Künstler, Vereine und Kulturinstitutionen in vielen Gemeinden maßgeblich beeinflussen.“ Deshalb fordere der Verein „faire, transparente und zeitgemäße Kriterien, die kulturelles Engagement schützen statt behindern“.

Ziel: Bei Freizeitlärm unterscheiden zwischen privat und allgemein interessant

Konkret zielt die Petition auf die Überarbeitung der Freizeitlärmrichtlinie. Denn sie misst Lärmemissionen breit und ausnahmslos. Nach Ansicht der Initiatoren wird dabei nicht ausreichend zwischen Anlässen von gesellschaftlichem Interesse - also auch Kultur - und den unterschiedlichsten privaten Freizeitbeschäftigungen unterschieden.

Für Kulturorte wie die Freilichtbühne Sömmersdorf – hier 2022 beim Abenteuerstück "Robin Hood" – fordert der Passionsspielverein eine Überarbeitung der Freizeitlärmrichtlinie.
Für Kulturorte wie die Freilichtbühne Sömmersdorf – hier 2022 beim Abenteuerstück "Robin Hood" – fordert der Passionsspielverein eine Überarbeitung der Freizeitlärmrichtlinie. // Anand Anders

Der Verein habe bei den Passionsspielen 2024 und auch in den vergangenen Monaten „sehr viel Feedback aus verschiedenen Bereichen erhalten, auch aus der Politik“, sagt der Co-Vorsitzende Norbert Mergenthal. „Alle waren sich einig, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.“

Sömmersdorf als Präzedenzfall für viele Kulturorte in Bayern?

„Sömmersdorf ist für viele Ereignisse in Bayern ein möglicher Präzedenzfall“, ergänzt Dieter Mergenthal, der dritte Vorsitzende. In vielen Gesprächen habe man festgestellt, dass es Vereinen, Kommunen oder anderen Verantwortlichen große Sorgen bereitet, dass bereits eine einzelne Person gesellschaftlich wichtige Ereignisse aus persönlichen Gründen verhindern könne.

Werde dieser Trend nicht gestoppt, so Mergenthal, könnten nicht nur Sömmersdorf, sondern auch andere Kulturorte betroffen sein. Dabei gehe aber viel Kulturelles, Traditionelles und Ehrenamtliches verloren - vor allem im ländlichen Raum, wo solche Orte für Gemeinschaft und Zusammenhalt sorgen würden.

Die Verantwortlichen des Passionsspielvereins hoffen jetzt, dass der Petitionsausschuss des bayerischen Landtags nach Sömmersdorf kommt und sich vor Ort die Situation erläutern lässt.

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