Neben dem Landratsamt als zuständiger Katastrophenschutzbehörde sind auch die Kommunen im Landkreis dazu verpflichtet, Notfallpläne für Katastrophenfälle vorzuhalten und regelmäßig zu aktualisieren. So müssen in den bayerischen Gemeinden Anlaufstellen für die Bevölkerung in Krisenfällen – sogenannte „Leuchttürme“ oder „SOS-Punkte“ – konkret vorgeplant sein.
Wie sind die vier Städte im Landkreis Bad Kissingen auf eine solche Katastrophe vorbereitet? Wir haben nachgefragt.
Münnerstadt: Vorreiter in Sachen Vorbereitung
Bei der Vorbereitung auf einen möglichen Blackout oder ähnliche Vorfälle nimmt die Stadt Münnerstadt eine Vorreiterfunktion ein, erklärt Bürgermeister Michale Kastl (CSU). Hierüber wurde in den vergangenen Jahren berichtet.
Bereits im Jahr 2023 veröffentlichte das Magazin „Der Bauhofleiter“ einen Artikel über die Vorbereitungen auf den Katastrophenfall in Münnerstadt: Demnach wurde der leerstehenden Bahnhof so aufgerüstet, dass er im Ernstfall genutzt werden kann. „Es wurden die Toiletten wieder instand gesetzt, der Öltank ist gefüllt und ein Generator steht bereit“, heißt es darin.
Kastl ergänzt auf Nachfrage: „In jedem der elf Stadtteile wurde mindestens ein Leuchtturm eingerichtet. In der Regel sind das die Feuerwehrhäuser. Jeder der elf Anlaufstellen ist mit Notstrom und Kommunikationstechnik versorgt, im Ernstfall steht auch an jedem Leuchtturm mindestens ein Ersthelfer zur Verfügung. Hier findet eine enge Abstimmung der Freiwilligen Feuerwehren mit dem BRK statt.“
Für andere Katastrophenszenarien erklärt Kastl: Konkrete Pläne für einzelne Szenarien gebe es auf Ebene der Stadt nicht. „Unser Katastrophenschutzkonzept lässt sich aber auf alle Lagen anpassen.“
Bad Brückenau: (Noch) Kein Konzept für Katastrophen
In der kleinen Kurstadt Bad Brückenau weist Claudio Kleinhans, Referent für Katastrophen- und Zivilschutz, schon seit mehreren Jahren darauf hin, dass die Stadt bei der Vorbereitung von Notlagen rückständig sei. Bürgermeister Jan Marberg (SPD) bestätigt auf Nachfrage, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen schriftlichen Plan gebe und die Planung dafür noch „rudimentär“ sei.
Jedoch: „Wir haben uns im vergangenen Jahr zuletzt im Dezember mit allen Beteiligten wie Feuerwehr, Stadtwerke und Stadt getroffen“, erklärt er. Noch in diesem Jahr, so hofft der Bürgermeister, soll ein schriftlicher Plan für die Bevölkerung entstehen. Darin enthalten: Wer Ansprechpartner ist, wer den Krisenstab stellt und wo die Bevölkerung im Notfall unterkommen soll. „Die veränderte globale Lage erfordert es dringend, einen Notfallplan vorzuhalten“, ist sich Marberg nicht zuletzt seit dem lang andauernden Stromausfall in Berlin bewusst.
Bad Kissingen: Mehrere mobile Notstromaggregate
Bad Kissingen hat einen Notfallplan für längere Stromausfälle, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Als Leuchtturm, so heißt es, werde im Falle eines Stromausfalles in jedem Stadtteil das jeweilige Feuerwehrhaus aktiviert. Die Notfallplanung regle darüber hinaus die Kommunikationswege zwischen den einzelnen Funktionsträgern (Oberbürgermeister, Stadtbrandinspektor, Kommandanten, Stadtwerke, Katastrophenschutzbehörde) sowie technische Abläufe.
„Kommuniziert wird beispielsweise über Funk bzw. der Mobilfunk wird so lange wie möglich auf Notbetrieb umgestellt“, heißt es von der Pressestelle. Die Stadt Bad Kissingen habe für den Krisenfall bereits mehrere mobile Notstromaggregate beschafft, die Beschaffung weiterer Geräte sei im städtischen Haushalt vorgesehen.
Auch für weitere Notfälle wie zum Beispiel Sturzfluten werde derzeit auf Beschluss des Stadtrates ein Starkregenkonzept erstellt. In Sachen Hochwasser gebe es einen Maßnahmen- und Alarmierungsplan. „Beide Pläne werden regelmäßig fortgeschrieben und geben vor, bei welchem Pegelstand zu informieren ist (Funktionsträger sowie betroffene Anwohner) und welche Maßnahmen zu treffen sind.“ Zuletzt sei der Notfallplan für einen möglichen „Blackout“ im November 2025 aktualisiert worden.
Hammelburg: Umfassende Aufarbeitung der Pläne
In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken existieren für Hammelburg definierte Notfallpläne, die im Ernstfall aktiviert werden können, erklärt Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Ein definierter Krisenstab koordiniere alle notwendigen Maßnahmen. Aufgrund der allgemeinen Lage „befinden sich die Notfallpläne derzeit in einer umfassenden Aufarbeitung und werden zukünftig verstärkt auch beübt werden müssen“, so der Bürgermeister.
Als mögliche Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger in den Ortsteilen könnten die jeweiligen Feuerwehrhäuser dienen – eine Entscheidung, die im Bedarfsfall durch den Krisenstab getroffen werde. Wichtig sei dabei eine frühzeitige Abstimmung, um eine klare Kommunikation sicherzustellen. „Für die Kernstadt ist der Bereich um das Rathaus bzw. Bürgerhaus als Anlaufstelle aufgrund der zentralen Lage die erste Wahl", sagt Warmuth.
Pläne für weitere Katastrophen existieren „zum Beispiel aufgrund der Nähe zur fränkischen Saale zum Thema Hochwasser." Hier werde je nach erreichter Meldestufe ein Maßnahmenpaket ausgelöst, beispielsweise die vorsorgliche Verteilung vorhandener Katastrophenschutzboote an die betroffenen Ortsfeuerwehren.


















