Nach zwei Jahren Corona-Pause und einer verkleinerten Version 2022 haben die Infanterieschule Hammelburg und der Bund der deutschen Infanterie heuer wieder einen großen Tag der Infanterie organisiert.
Rund tausend Soldaten und Reservisten informierten sich dabei unter anderem über neue Waffensysteme (siehe ). Generalleutnant Harald Gante, seit März Kommandeur Einsatz im Kommando Heer, gab zudem einen schonungslosen Bericht über den Zustand der Truppe und beantwortete auch kritische Fragen.
Blick ist auf den Ukraine-Krieg gerichtet
„Wenn man über das deutsche Heer spricht, kann man das aktuell nicht machen, ohne über den Ukraine-Krieg zu sprechen“, betonte Gante, und: „Die Erfahrungen in der Ukraine zeigen uns, wo unsere Defizite liegen.“
Zum einen unterstreiche der Krieg die Bedeutung von Landstreitkräften, zum anderen würden der Schutz der Soldaten vor Bedrohungen aus der Luft, Logistik, Aufklärung und elektronische Kriegsführung immer wichtiger.
„Abgabe von Material ist ein Aderlass“
„Die Abgabe von Material ist immer wieder ein Aderlass für uns“, ging Gante auf die Lieferung von Waffensystemen und Ersatzteilen dafür ein. Zudem sprach er von einem „Auftrags-Tsunami“ für das Heer, zum Beispiel durch zahlreiche Großübungen an der Nato-Ostflanke.
Die geplante Stationierung von 4000 Soldaten in Litauen sei eine „Zäsur für das Heer“. Eine „Auslandsdienststelle mit permanent stationierten Verbänden“ sei etwas völlig neues, bereits im September solle der Zeitplan für die Stationierung aufgestellt werden.
„Tiefsten Respekt“ für ukrainische Armee
Zum Ukraine-Krieg merkte Gante an, dass die westliche Sicht oft fehlerhaft sei: Für die Ukrainer selbst dauere der Krieg nicht gut 500, sondern fast 4000 Tage an: „Für die Ukraine hat der Krieg mit der Annexion der Krim begonnen.“
Die Leistung der ukrainischen Armee könne er nur mit „Demut und Bescheidenheit“ von Deutschland aus bewerten: „Ich habe tiefsten Respekt vor dem, was die ukrainischen Soldaten leisten.“
Bereits 5000 ukrainische Soldaten ausgebildet
Bewährt habe sich die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland: Bisher habe die Bundeswehr rund 5000 ukrainische Soldaten ausgebildet, unter anderem am Standort Hammelburg.
Dabei habe es auch unerwartete Hindernisse gegeben, etwa wenn deutsche Soldaten mit russischen Wurzeln übersetzten: „Unsere Soldaten treffen auf Ukrainer, die voller Hass auf alles Russische sind.“
Immer mehr Zivilisten kommen zur Ausbildung
Am Anfang seien 2022 vor allem erfahrene Soldaten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gekommen. „Jetzt kommt der 17-Jährige, der vor wenigen Wochen noch als Kellner gearbeitet hat, oder der 60-jährige Reservist, der eigentlich Lehrer ist.“
Laut Gante muss die Bundeswehr in vielen Bereichen neue Wege gehen. „Wir nutzen unsere Ressourcen nicht richtig“, kommentierte er etwa das Thema Personal: Die Bundeswehr drohe zu überaltern, Uniformträger müssten sich viel mehr auf militärische Kernaufgaben konzentrieren.
„MG-Schütze nicht im Home-Office“
Trotz der Werbung um Personal müssten die Arbeitsbedingungen ehrlich benannt werden: „Zugführer oder MG-Schütze kann man nicht im Home-Office sein.“
Wohlwollende Worte fand Gante für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): „Es ist eine Freude, zu sehen, wie unser Minister angreift und Hindernisse aus dem Weg räumt.“










