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Nach Wahlfälschung
Gemeinderat Wülfershausen demonstriert Geschlossenheit
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Nach Wahlskandal: Der Gemeinderat von Wülfershausen demonstriert Geschlossenheit. // Michael Endres
Signet des Fränkischen Tags von Michael Endres,Gerhard-Jirko Fischer
Wülfershausen
Wülfershausen – Stellvertretender Bürgermeister Willi Irtel und sein Gremium sind um Transparenz bemüht. Die Gemeinde steht weiter vor großen organisatorischen Herausforderungen.

Die Dinge müssen ihren Gang gehen, damit es weiterläuft. Auch in Wülfershausen, dem Dorf des unglaublichen Wahlbetrugs. Bauanträge müssen abgesegnet werden. Und es muss klar sein, wer beim Fest der Maibaumaufstellung die Federführung haben wird.

Irgendwann soll wieder Normalität Einzug halten in der 1500-Seelen-Gemeinde. Einen Hauch davon gab es bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Aber eben nur einen Hauch. Der mutmaßliche Wahlbetrug durch den zurückgetretenen Bürgermeister Wolfgang Seifert hat noch immer die Gemeinde im Griff.

Die kleine Stube in der Gemeindekanzlei war am Mittwochabend gut gefüllt. Neben zehn Gemeinderäten und Gemeinderätinnen und dem stellvertretenden Bürgermeister Willi Irtel waren ziemlich komplett das eigentlich neu gewählte Gremium und einige andere im Zuschauerraum anwesend. Für Irtel, der aktuell die Amtsgeschäfte in der Gemeinde führt, und sein Gremium war es die erste Zusammenkunft, nachdem der bisherige Bürgermeister Wolfgang Seifert seinen Rücktritt nach mutmaßlicher Wahlfälschung eingereicht hatte. Dieser Rücktritt wurde als Formalie am Mittwoch auch angenommen.

„Wir müssen jetzt die Gemeinde leiten“, sagte Irtel. Dass er nach 24 Jahren der Mitverantwortung für seinen Heimatort auf diese Weise noch einmal in die Pflicht genommen wird, hatte er sich nicht gedacht. Dass er schon einige schlaflose Nächte hinter sich hat seit Bekanntwerden der Wahlbetrugs-Vorwürfe, das erzählte er im Gremium frei heraus. Die Zeiten sind physisch und psychisch herausfordernd für ihn. Aber er stellt sich der Verantwortung. „Es geht jetzt um unsere Gemeinde“, war mehrmals sein Aufruf in der Sitzung.

Zusammenhalt und Geschlossenheit im Gremium

In der Not halten die Menschen zusammen. Und der Zusammenhalt, der Wunsch, gemeinsam diese krisenhafte Zeit für die Gemeinde zu überwinden, war am Mittwoch deutlich zu spüren, im bestehenden Gremium und bei den eigentlich Neugewählten. Allzu schnell wird das nicht geschehen, das war schnell klar. Zwar wisse man seit Mitte der Woche, dass nicht nur die Briefwählerinnen und Briefwähler ein zweites Mal über den Gemeinderat abstimmen sollen, sondern auch die Urnenwähler. Aber diese sogenannte Nachwahl hat ihre juristischen Zwänge, die einzuhalten sind.

Nicht nur die Nominierten, sondern alle über 160 auf den Stimmzetteln genannten Personen müssen angeschrieben werden. Diese haben 14 Tage Zeit, gegen die Ansetzung einer Nachwahl Widerspruch einzulegen, wie Max Büttner von der VG Saal erklärte. „Wir müssen Wahlhelfer finden, die Software muss eingerichtet werden, und so weiter und so weiter“, gab Büttner eine Vorstellung vom anstehenden Arbeitspensum.

Froh waren sie alle im Gremium, dass nicht nur die Briefwahl wiederholt wird, sondern auch der Urnengang für den Gemeinderat. „Es gingen sehr viele E-Mails und Nachrichten beim Landratsamt ein, die das forderten“, wusste Willi Irtel. Das heißt, eigentlich hätten sich viele Bürgerinnen und Bürger eine komplette Neuwahl gewünscht, also inklusive neuer Nominierungen. Aber rechtlich sei das nicht möglich. Eine Neuwahl wäre frühestens in einem Jahr erlaubt.

Froh zeigten sich die Sitzungsteilnehmer aber durchaus über die komplette Nachwahl. Und es gab Meldungen aus dem aktiven Gremium, unter den neuen Voraussetzungen doch noch einmal anzutreten. Bekanntlich wollte keines der bisherigen Mitglieder eine weitere Periode im Gemeinderat mitwirken. „Ich kann mir vorstellen, es noch einmal zu machen“, sagte zum Beispiel Armin Mayer.

Sicher ist, dass nach dem 30. April ein Verwalter oder eine Verwalterin, eingesetzt durch das Landratsamt, die Amtsgeschäfte übernehmen wird. „Kann das einer von uns sein oder von außerhalb?“, wurde gefragt, eine Antwort konnte VG-Mann Büttner nicht geben. Über konkrete Namen sei noch nicht gesprochen worden.

Bürgerversammlung soll wieder Vertrauen schaffen

Auf Details zum Wahlbetrug ging Willi Irtel nicht noch einmal ein, gab aber eine Chronik der Ereignisse der letzten Tage. „Wolfgang wird nicht wegen seines Einsatzes für den Kinderhort in die Annalen von Wülfershausen eingehen, sondern wegen des Wahlbetrugs“, so der langjährige Weggefährte von Seifert. „Er hat sich und seiner Familie sehr, sehr weh getan“, ist sich Irtel sicher. Er betonte die Unschuldsvermutung, die bis zu einer rechtmäßigen Verurteilung für jeden gelte, auch wenn er eine Tat eingeräumt habe.

„Sobald Neuigkeiten feststehen, wollen wir Bürger informieren“, betonte der stellvertretende Bürgermeister. Deshalb wolle man auch eine Bürgerversammlung abhalten, sobald noch mehr Details zur Nachwahl feststünden. „Die Bürger müssen wieder das Vertrauen haben“, so sein Appell.

Am 29. April wird der alte Gemeinderat zum letzten Mal zusammenkommen. Bis dahin sollte klar sein, wie es in Wülfershausen vorerst weitergeht.

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