Der Wahlbetrug durch den mittlerweile zurückgetretenen Bürgermeister Wolfgang Seifert (CSU) verdeckt gerade, dass es in Wülfershausen schon seit Jahren politisch immer wieder hakt. Mehrfach eskalierten Auseinandersetzungen im Gemeinderat. Die Redaktion hat einige wichtige Ereignisse der lokalpolitischen Chronik zusammengetragen.
1. Peter Schöns schwieriger Start als Bürgermeister
Im Jahr 2001 kündigt der damalige Bürgermeister Manfred Blochmann an, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. CSU und Freie Wähler Wülfershausen-Eichenhausen nominieren daraufhin Peter Schön. Die Suche nach genügend Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten gestaltet sich schwer. Aus dem kleinen Ortsteil Eichenhausen wollen lediglich zwei Personen Gemeinderäte werden.
Peter Schön verpasst im Frühjahr 2002 als einziger Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. 19 Stimmen fehlen ihm. Gemeinderat Rainer Koob wird vom Landratsamt zum Übergangs-Bürgermeister bis zur Wahl-Wiederholung bestellt. Am 2. Juni 2002 wird Schön zum Bürgermeister gewählt.
2. Schöns Rücktritt und Seiferts Anfänge
Peter Schön ist der Wunschkandidat auch von Wolfgang Seifert. Der stellt sich hinter Schön, als vor der Wahlwiederholung 2002 eine Kampagne gegen den Bürgermeisterkandidaten läuft. Seifert spricht von einem „feigen Versuch, [...] mit Schlägen unter der Gürtellinie ehrverletzende Stimmung gegen Peter Schön zu machen.“ 2014 ist es dann Wolfgang Seifert, der bei den turnusgemäßen Bürgermeisterwahlen gegen Peter Schön antritt. Mit 50,88 Prozent gewinnt Schön nur knapp gegen Seifert, der 49,12 Prozent im ersten Anlauf holt. Seifert fehlen nur zwölf Stimmen.
2017 der Paukenschlag in Wülfershausen: Peter Schön erklärt aus dem Familienurlaub in der Schweiz seinen Rücktritt als Bürgermeister. Vorausgegangen war ein Zerwürfnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat nach monatelangem Streit im Zusammenhang mit der Ansiedlung eines Dekoartikel-Großhändlers.
2018 kandidiert Wolfgang Seifert ein zweites Mal. Er setzt sich mit 60,13 Prozent der Stimmen gegen Heiko Sterzinger von den Freien Wählern durch.
3. Ein Polizeieinsatz zum Amtsbeginn von Seifert
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit macht Wolfgang Seifert Schlagzeilen mit einer Anzeige bei der Polizei gegen den ehemaligen Gemeindeförster, der noch auf Minijob-Basis für die Gemeinde tätig ist. Darin geht es um angeblich intransparente Abrechnungsvorgänge. Seifert kündigt dem Mann Anfang 2019, ohne den Gemeinderat zu informieren. Es kommt zur Hausdurchsuchung bei dem Förster.
Am Ende wird das Verfahren eingestellt. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde sowie eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen Wolfgang Seifert, die wiederum Amtsvorgänger Peter Schön anstrengt, wird vom Landratsamt zurückgewiesen, Seifert entlastet.
4. Auf dem Weg zur Zukunftsgemeinde
Bald nach Amtsantritt spricht Bürgermeister Wolfgang Seifert von der „Zukunftsgemeinde Wülfershausen“. 2022 begrüßt der Rathauschef die erste Quartiersmanagerin im Altlandkreis Bad Königshofen. 2019 findet die erste „Säuploo-Serenade“ statt, vier sommerliche Abende an der Saale-Aue im Ortskern. Das Projekt wird von der Dorfgemeinschaft organisiert, Bürgermeister Seifert und die Gemeinde unterstützen das Angebot mit großem Elan.
Ein Meilenstein ist 2023 die Verabschiedung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts. In 15 Jahren sollen 13 Millionen Euro ausgegeben werden. 2024 beginnen die Arbeiten für den Kinderhort, der 2026 eingeweiht wird. Ende 2025 beginnen die Bauarbeiten für den Solarpark Wülfershausen/Eichenhausen. Seifert hat den Plan, den Park zu übernehmen, um Einnahmen für die Gemeinde zu generieren. Gemeinderat und kommunale Rechtsaufsicht müssten zustimmen.
5. Im September 2025 kriselt es wieder
Die September-Sitzung 2025 ist kein Zuckerschlecken für Seifert. Mit einem bloßen Verlesen des Rücktritts von Gemeinderätin Kerstin Bach gibt sich das Gremium nicht zufrieden. Bach darf daraufhin von „keinem guten Miteinander“ sprechen und von fehlendem Informationsfluss. Seifert mutmaßt Wahlkampf, aber selbst CSU-Kollege Steffen Englert sieht Gesprächsbedarf zur Amtsführung Seiferts. Die Unzufriedenheit geht durch die Fraktionen. Der Gemeinderat tritt geschlossen nicht mehr zur Wiederwahl an.
6. Wut über „Greisräte“ und der Wahlbetrug
Vor der Kommunalwahl meldet sich Wolfgang Seifert mit scharfer Kritik an einer Aktion des CSU-Nachwuchses, der Jungen Liste, zu Wort. Sie werben mit Senioren an Rollatoren und dem Wort „Greisräte“ für eine Verjüngung des Gremiums. Für Seifert werden ältere Menschen „herabgewürdigt“, er findet die Aktion „ekelhaft“.
Kurz nach der Kommunalwahl 2026 erschüttern Wahlfälschungsvorwürfe die Gemeinde. Schließlich wird gegen Bürgermeister Wolfgang Seifert ermittelt. Er räumt gegenüber der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe ein. Die Unschuldsvermutung gilt bis zu einem Urteil.
Die Gemeinde Wülfershausen steht vor einem politischen Scherbenhaufen. Der Bürgermeister muss neu gewählt werden, der Gemeinderat wird komplett nachgewählt, ebenso die Briefwahl in Wülfershausen für die Kreistagswahl. Wülfershausen steht ab 1. Mai ohne Bürgermeister und Gemeinderat da, der Landkreis ohne Kreistag. Bis Ende April führt der stellvertretende Bürgermeister Willi Irtel die Gemeinde-Geschäfte. Wann neu gewählt wird, ist noch nicht klar.




















