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Notfall in Bad Kissingen
Wenn die Polizei vor der Tür steht
Es ist eine Situation, die niemand gerne erleben möchte: Eine hilflose Person und die Polizei muss die Türe öffnen.
Es ist eine Situation, die niemand gerne erleben möchte: Eine hilflose Person und die Polizei muss die Türe öffnen. // Tobias Arhelger, Sorapop – stock.adobe / Montage: Dagmar Klumb
LKR Bad Kissingen – Im Schnitt einmal pro Woche öffnet die Bad Kissinger Feuerwehr eine Wohnung. Welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

Vor wenigen Wochen kam es in Bad Kissingen zu einem traurigen Vorfall. Eine mehr als 80-jährige Frau starb und lag rund zwei Wochen lang unentdeckt in ihrer Wohnung. Erst bei der Wohnungsöffnung seitens Polizei und Feuerwehr wurde die Verstorbene gefunden.

Polizei darf nicht ohne Grund eine Wohnung öffnen

Wann darf die Polizei beziehungsweise die Feuerwehr eine Wohnung öffnen? Christian Pörtner, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, erklärt: „Wohnungen sind rechtlich besonders geschützte Räumlichkeiten. Für deren Betretung durch staatliche Organe sind hohe Hürden gesetzt.“ Strenge Voraussetzungen seien zu prüfen, ein medizinischer Notfall falle darunter.

Müsse eine Wohnung geöffnet werden, versuche die Polizei zunächst an einen Wohnungsschlüssel zu kommen, beispielsweise über die Nachbarschaft. Sollte ein Schlüssel zeitnah nicht greifbar sein, werde zur Unterstützung die örtliche Feuerwehr angefordert.

Die Feuerwehr öffnet nicht selbstständig

Stadtbrandmeister Michael Wolf macht deutlich: „Die Feuerwehr öffnet ohne Auftrag der Polizei keine Wohnung. Wir werden nur im Rahmen der Amtshilfe tätig.“ Notfälle, wie Brände, betreffe diese Regelung nicht.

Vermisse jemand einen Angehörigen oder Nachbarn, sei es mit einem Anruf bei der Feuerwehr und Bitte um Wohnungsöffnung nicht getan. „In solchen Fällen verweisen wir immer auf die Polizei.“ Wolf sieht die Feuerwehr als „technischen Dienstleister“ für die Polizei.

So wenig wie möglich zerstören

Wenn eine Wohnungsöffnung anstehe und kein Ersatzschlüssel vorliege, schaue die Feuerwehr zunächst, ob es Alternativen zum Zerstören des Türschlosses gebe, wie etwa ein gekipptes Fenster. „Wir wollen so wenig wie möglich kaputt machen, denn hinterher müssen wir die Türe auch wieder verschließen.“

Eigenschutz der Einsatzkräfte ist wichtig

Dass bei einer Türöffnung auch Unangenehmes auf die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr warte, dessen seien sich alle Beteiligten sich bei jedem Einsatz bewusst, so Wolf. Eigenschutz werde daher großgeschrieben: „Niemand geht allein und ohne Kohlenmonoxidmelder in eine Wohnung. Wir müssen auch von technischen Defekten ausgehen.“ Auch ein Angriff auf die Hilfskräfte sei ein Szenario, das vor Augen stehe.

Auf eine Leiche zu treffen, sei belastend. „Damit müssen wir umgehen können. Im Notfall gibt es für Einsatzkräfte psychologische Unterstützung.“

Verstorbene sind keine Seltenheit

Wie oft werden Feuerwehr und Polizei zu Wohnungsöffnungen gerufen? „Die Polizei Bad Kissingen hat faktisch jeden zweiten Tag einmal mit diesem Aufgabenspektrum zu tun“, sagt Pörtner. Manches kläre sich schnell auf, wenn jemand beispielsweise verreist sei oder das Hörgerät nicht angeschaltet sei.

Stadtbrandmeister Wolf hat die Zahlen für das Stadtgebiet Bad Kissingen herausgesucht:

  • Im Jahr 2021 waren es 36 Wohnungsöffnungen.
  • Im Jahr 2022 wurde die Feuerwehr 50-mal tätig
  • In diesem Jahr, bis Mitte Juli, wurde 31-mal seitens der Feuerwehr eine Wohnung geöffnet

Dass hinter verschlossenen Türen Verstorbene gefunden werden, komme bei maximal zehn Prozent der Fälle vor. „Zwischen zehn und 20-mal im Jahr“, so Pörtner.

Ratschläge der Polizei

Um in einer Notlage rechtzeitig Hilfe zu erhalten, rät die Polizei: Kontakt mit Nachbarn pflegen, mit Vertrauenspersonen regelmäßige Telefongespräche vereinbaren und führen, die Schlüsselgewalt zu regeln und technische Möglichkeiten wie beispielsweise einen Hausnotruf nutzen.

Mehr über den Hausnotruf und weitere Tipps für alleinstehende Menschen finden Sie hier:

 

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