Es ist eine beängstigende Vorstellung: Man lebt allein, stürzt oder gerät auf andere Weise in der eigenen Wohnung in eine Notlage – und niemand ist erreichbar, der Hilfe leisten kann. Man selbst ist nicht in der Lage aufzustehen, zu telefonieren oder auf sich aufmerksam zu machen. Im schlimmsten Fall bleibt die Notlage unentdeckt.
Immer wieder ist von Fällen zu hören, dass alleinlebende Personen unbemerkt verstarben und erst nach Tagen oder gar Wochen gefunden werden. Auch in Bad Kissingen kam es vor nicht allzu langer Zeit zu einem solchen Fall.
Was kann jeder Einzelne persönlich tun, um in den eigenen vier Wänden nicht hilflos in eine Notlage zu geraten?
Schnelle Hilfe holen
Ulrike Berner vom Seniorenbeirat der Stadt Bad Kissingen rät alleinlebenden Senioren, einen Hausnotruf in Betracht zu ziehen. Im Landkreis Bad Kissingen bieten das Rote Kreuz, die Johanniter und Malteser diesen Service an, um im Notfall Hilfe zuverlässig herbeirufen zu können.
„Die Gewissheit, Hilfe kommt, bedeutet ein großes Maß an Beruhigung, Sicherheit und damit Lebensqualität“, so Berner.
Hausnotruf oder Mobilruf
„Das Rote Kreuz ist mit rund 800 Anschlüssen der größte Anbieter in der Region“, weiß Irene Biche, Ansprechpartnerin beim Roten Kreuz Bad Kissingen für den Hausnotruf.
Unterschieden werden müsse zwischen dem klassischen Hausnotruf und dem Mobilruf, der auch außerhalb der eigenen vier Wände funktioniere und zu Ausflügen, bei Spaziergängen oder zum Einkaufen mitgenommen werden könne. Die Ortung funktioniere per GPS.
Der typische Hausnotruf funktioniere ausschließlich zu Hause, in einem Umkreis von gut 350 Metern, also auch auf der Terrasse, am Balkon oder im Garten. Er stehe als Armband oder als Kette zur Verfügung, das Armband sei wahlweise mit Sturzsensor ausgerüstet.
Idealerweise werde der Notrufknopf rund um die Uhr getragen, auch beim Duschen oder Baden. „Sie sind wasserdicht“, betont Biche.
Die Notrufzentrale ist immer erreichbar
Egal bei welcher Variante, werde der Notrufknopf gedrückt, melde sich die BRK-Notrufzentrale, die in Würzburg an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt sei. Über Lautsprecher könne die Situation geschildert werden, je nach Anlass informiere die Notrufzentrale den Rettungsdienst, eine Kontaktperson oder den Hintergrunddienst.
Schlüssel hinterlegen
Beim Hintergrunddienst handele es sich um Haupt- und Ehrenamtliche des Roten Kreuzes, die bei Bedarf zu den Wohnungen fahren und Hilfe leisten. „Das kann notwendig sein, wenn jemand gestürzt ist, allein nicht mehr aufstehen kann und keine Kontaktperson erreichbar ist“, erklärt Alexander Kretz (Leiter Soziales und Pflege bei Rote Kreuz Kreisverband Bad Kissingen).
Wichtig sei in solchen Fällen, dass ein Schlüssel hinterlegt sei, dies sei in einem Tresor möglich oder bei einer Kontaktperson. „Wir müssen ja in die Wohnung kommen. Unerlaubte Wohnungsöffnungen dürfen wir nicht vornehmen. Haben wir keinen Schlüssel, müssen wir die Polizei informieren und die Feuerwehr wird die Türe öffnen“, so Kretz.
Der Hausnotruf gibt Sicherheit
Am häufigsten werde der Hausnotruf mit Hintergrunddienst und Armband gebucht. „Es sind vorwiegend alleinstehende Senioren ab 60 Jahren, die unseren Service in Anspruch nehmen. Oft leben die Kinder weit weg oder sind berufstätig und können ihre Angehörigen nicht 24 Stunden im Auge haben. Die Menschen schätzen die Sicherheit, die der Hausnotruf ihnen gibt“, berichtet Biche.
Unter ihnen auch Gäste der Tagespflege des Roten Kreuzes. Eine Frau berichtet von ihrer Erleichterung, in den Abend- und Nachtstunden im Notfall nicht auf sich gestellt zu sein.
Tagestaste: täglicher Kontakt
Der Anschluss eines Hausnotrufes könne über Telefon, Sim-Karte oder den heimischen Router erfolgen. Die Basisstation sei so leistungsstark, dass der Lautsprecher auch dann funktioniere, wenn jemand auf dem Boden liege oder sich in einem anderen Raum befinde.
Gewählt werden könne auch, ob die Tagestaste aktiviert werde. Das bedeutet, dass sich der Teilnehmer einmal innerhalb von 24 Stunden bei der Zentrale melden muss. Nach Ablauf der 24 Stunden ohne Meldung werde automatisch entweder eine Kontaktperson oder der Hintergrunddienst alarmiert.
Pflegekasse gibt Zuschuss
Für den Hausnot- und Mobilruf gibt es einen monatlichen Zuschuss von der Pflegekasse in Höhe von 25,50 Euro, ab Pflegestufe 1. Werden weitere Komponenten gebucht, wie der Hintergrunddienst, müsse privat zugezahlt werden.
Tipps vom Seniorenbeirat
Neben dem Hausnotruf gibt es eine Reihe an privaten Möglichkeiten zur Absicherung. Der Seniorenbeirat rät: Mit Nachbarn, Freunden und Familienangehörigen könne ein täglicher Anruf zu einer festen Uhrzeit vereinbart werden. Auch könne das hochgezogene Rollo am Morgen ein Signal für die Nachbarn sein, dass alles in Ordnung ist. Ein Gruß an Freunde oder Familie, beispielsweise per Whatsapp am Morgen und Abend, sei eine weitere Möglichkeit.
Soziales Umfeld pflegen
Freundschaften und Bekanntschaften pflegen, ein soziales Umfeld aufbauen, sei auch im Alter von Bedeutung, betont Martina Greubel (Beauftragte des Stadtrates für Seniorinnen und Senioren) und verweist auf die Eigenverantwortung eines jeden. In Bad Kissingen werde vieles geboten, von den kirchlichen Angeboten, über Sportvereine bis zum Seniorenbeirat.
Wann eine Wohnungsöffnung seitens der Polizei und Feuerwehr notwendig ist, lesen Sie hier:












