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Sagen und Mythen (19)
Räubergeschichten aus Wartmannsroth und weitere Sagen
Ein grausamer Ritter, zwei Räuber und ihr Plan, pläneschmiedende Wilderer und Blutspuren dreier Mädchen an einem See – das sind Teile von Sagen rund um Wartmannsroth.
Ein grausamer Ritter, zwei Räuber und ihr Plan, pläneschmiedende Wilderer und Blutspuren dreier Mädchen an einem See – das sind Teile von Sagen rund um Wartmannsroth. // Franziska Schäfer/midjourney
Wartmannsroth – Wartmannsroths Sagen bergen Geheimnisse, Geschichten von verfluchten Orten und mystischen Kreaturen – und einem Wald voller Wilderer.

Die Redaktion macht sich den Band „Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen“ zunutze, um die Sagen aus Wartmannsroth aufleben zu lassen. Unter der Herausgeberschaft des Landkreises Bad Kissingen brachte Josef Lisiecki (Bad Brückenau) im Jahr 1982 diesen Band heraus, der mittlerweile vergriffen ist. Unter kultur-kg.de/sagen-und-legenden finden Sie alle Geschichten ungekürzt.

Das grundlose Loch

Auf einer Tanzveranstaltung in Windheim erschienen vor vielen Jahren drei schöne fremde Mädchen. Alle Burschen wollten mit ihnen tanzen. Die Mädchen aber sagten, dass sie um Mitternacht wieder zu Hause sein müssten, also stellten die Jungen alle Uhren zurück.

Als die Mädchen den Streich merkten, war es bereits nach Mitternacht. Sie flohen in die Nacht und die Burschen verloren sie aus den Augen. Aus einem nahegelegenen See hörten sie nur noch schreckliche Schreie. Am nächsten Morgen fanden sie dort drei Blutflecke auf dem Wasser. Seitdem nennt man den See, der heute Klingensee heißt, „das grundlose Loch“.

Der Wildweibstein

Über das wildromantische Tal der Schondra zwischen Heckmühle und Mittelmühlsteg es gibt einige Geschichten: Hier soll früher eine Klausnerin (Einsiedlerin) gehaust haben, die der Volksmund wegen ihres Aussehens „wildes Weib“ nannte. So wurde ihre Behausung zum „Wildweibstein“. Von ihrer Höhle aus habe ein unterirdischer Gang zur Kirche von Detter geführt – dort habe man daraus sogar einmal einen Hund bellen hören.

Die Sandsteinhöhlen des Wildweibsteins sollen auch eine Zufluchtsstätte für verstoßene Menschen gewesen sein. In der Nähe soll ein Schloss gestanden haben, von dem aber kein Stein mehr gefunden wurde. 

Das schönste Geheimnis des Schondratals: urwüchsige Felsgruppen. Unter dem größten Felsblock, dem Giebelstein, ist eine Höhle für Fischotter. Eine Sage berichtet: Wenn in den Sonnwendnächten Nebelschwaden durch die Schlucht ziehen, breitet der Otterkönig seine goldenen Schätze auf den Felsen aus und schmückt den Tanzsaal der Elfen zum festlichen Reigen.

Das Kreuz im Hohen Holz

In der Waldabteilung „Hohes Holz“ zwischen Weißenbach und Heiligkreuz steht ein großes Eichenkreuz. Von dieser Waldgegend erzählt man sich heute noch Wilderergeschichten. Ein Förster hatte hier schon manchen das Handwerk gelegt. Die „Geschwärzten“ schworen ihm Rache.

Eines Nachts schlichen zwei Rächer vor das Forsthaus bei Heiligkreuz und schauten in die Wohnstube. Da sahen sie den Förster, wie er gerade mit seinem Töchterchen auf dem Arm scherzte. Die Wilderer waren von dem Familienbild so gerührt, dass sie abbrachen.

Sie heckten einen anderen Plan aus und lockten den Grünrock in das „Hohe Holz“. Dieser war erschienen, die Räuberschützen aber nicht. Ihr Plan hatten die Gesellen unsicher gemacht und Furcht eingejagt. Als der Forstbeamte von der glücklichen Wendung des Mordplanes erfuhr, ließ er aus Dankbarkeit das Kreuz im „Hohen Holz“ errichten.

Die sagenumwobene Wildererschenke Schuntersteynhof

Etwa drei Kilometer südwestlich von Heiligkreuz mündet „die Ammelbach“ in die Schondra. Vor rund 500 Jahren stand dort eine Schenke, der „Schuntersteynhof“. Er hieß auch „Gasthaus zum Hauswirt“. 1494 wurde er jedoch bereits nicht mehr erwähnt.

Es muss sich um eine lustige Schenke gehandelt haben, in der sich nicht nur Köhler oder Waldarbeiter zu Hause fühlten, sondern auch Wilderer und Räuber.

Auch der Name des nahegelegenen Geigenpeter-Brunnens lässt auf ein ausgelassenes und unbekümmertes Völkchen schließen. Hier soll der Schankwirt illegal gebrannten Schnapses das Trinkwasser geholt haben. In dieser Kneipe wurden nicht nur die Überlistung der Grünröcke (Förster und Jäger) gefeiert, sondern auch neue Strategien der Wilderer gegen die Gesetzeshüter entworfen.

Die Gäulsplatte

Im Forstrevier „Schelchstein“, drei Kilometer südwestlich von Heiligkreuz, findet man eine Sandsteinplatte mit einem eingemeißelten Kreuz. Verschiedene Sagen ranken sich darum:

Manche behaupten, hier habe man einmal Besitztümer abgegrenzt, denn eine Wegstunde westlich liegt noch ein „Kreuzstein“. Hier stößt der thüngensche Besitz an den würzburgisch-juliusspitalischen „Omerz“-Wald.

Der Volksmund erzählt, hier habe ein Wilderer seine letzte Ruhe gefunden, nachdem ein Grünrock ihm beim Jagen erwischte und niederschoss.

Andere sagen: An dieser Stelle seien einmal Pferde eines Holzfuhrwerks direkt in einen glühenden Kohlenmeiler gerannt und an ihren Verbrennungen gestorben. Nach dieser Sage nannte man den Stein „Gäulsplatte“.

Der Ritter von Waizenbach und der „Bauernspatz“

Im unteren Saaletal wird noch manches von der Grausamkeit berichtet, mit der die Burgherren die Bauern in Angst und Schrecken versetzten. Einmal kam ein Ritter von Waizenbach nach Gräfendorf. Da sah er einen Mann, der auf seinem Haus einige Ziegeln auswechselte.

Da rief der Ritter seinem Jagdgenossen zu: „Seht doch den seltsamen Spatzen dort auf dem Dache! Soll ich ihn herunterholen?“ Ehe sein Kamerad ihn davon abhalten konnte, hatte er den Mann vom Dach heruntergeschossen. Die bestürzten Dorfbewohner verwünschten im Stillen den Übermut des Ritters, aber trauten sich nicht, etwas zu unternehmen. Den Ritter soll keine Strafe getroffen haben.

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