Die Redaktion macht sich den Band „Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen“ zunutze, um die Sagen aus Hammelburg aufleben zu lassen. Im zweiten Teil geht es um die Kernstadt Hammelburg. Unter der Herausgeberschaft des Landkreises Bad Kissingen brachte Josef Lisiecki (Bad Brückenau) im Jahr 1982 diesen Band heraus, der mittlerweile vergriffen ist. Unter kultur-kg.de/sagen-und-legenden finden Sie alle Geschichten ungekürzt.
Die Entstehung Hammelburgs
Hammelburg soll früher am Fuße des Berges südlich der Saale gelegen haben. Da der Platz für die Bürger nicht mehr ausreichte, wurde der Ort auf das nördliche Saaleufer verlegt. Das erste Gebäude in den neuen Saaleauen sei der Mönchshof gewesen.
Weiter wird berichtet: Eine Thüringer Herzogin Amalburga habe die „Burg ad Hamulo“ erbaut, deren Reste noch auf dem Hammelberg sichtbar sind. Sie habe der Burg den Namen Hammelburg gegeben, der sich dann auf die entstandene Siedlung übertrug, die von der Burg geschützt wurde.
Vom Bau des Mönchturms
Im Jahr 770 schenkte Carlmann die damalige Martinskirche in Hammelburg dem Bistum Würzburg, 777 übergab Karl der Große die Stadt Hammelburg an die Abtei Fulda. Zwischen den beiden kam es zu Spannungen und Kämpfen.
Abt Konrad III. ließ im 13. Jahrhundert zum Schutz der Stadt vor den Würzburgern eine mächtige Festung errichten. Auch die Bevölkerung wurde zum Bau verpflichtet. Um die Fertigstellung zu beschleunigen, versprach der Abt eine Belohnung für die erste vollendete Baugruppe. Nun begann ein wildes Wettrennen auf den Baustellen. Es kam sogar zum offenen Kampf, als die Arbeiter vom Baderturm denen vom Mönchturm vorwarfen, sie hätten in der Nacht Baumaterial weggefahren. Bittere Feindschaft brach aus.
Die Arbeiter des Mönchturms gewannen, doch beim Baderturm stürzten drei Menschen in den Tod. Alle waren tief betroffen. Aus Mitgefühl schlugen die Sieger vor, die Belohnung den Hinterbliebenen zu geben. Diese Geste beendete die Feindschaft zwischen den Gruppen dauerhaft.
Eine andere Version berichtet zur Schiefe des Turms:
Weil jede Gruppe der erste sein wollte, wurde nicht so genau gearbeitet. Ein zweites war, in diesem Jahr gab es mehr Wein als Wasser in der Stadt. Und so wurde mancher Mörtel schon mal mit Wein angerührt. Ob der Wein auch für den Mörtel geeignet war, wurde vorher probiert.
Warum die Hammelburger Stadtpfarrkirche an der Stadtmauer steht
Im Jahr 1389 plante Fürstabt Friedrich I. von Romrode eine Kirche am Marktplatz. Doch das Baumaterial verschwand nachts und tauchte am Südwestrand der Stadtmauer wieder auf. Wachen beobachteten ein unheimliches Schauspiel: In der Nacht bewegten sich Steine, Werkzeuge und Baumaterialien wie von Geisterhand geführt durch die Stadt.
Der Fürstabt entschied weise: „Es ist schon richtig, ein Gotteshaus soll Stille um sich haben. Bauen wir eure Kirche dahin, wo ihr der Friede besser gewährleistet ist“ – Und so geschah es auch.
Die Marienstatue an der Saalebrücke
Neben der neuen Saalebrücke in Hammelburg steht eine Madonnenfigur aus gelbem Sandstein unter einem Baldachin. Der Legende nach wurde ein italienischer Offizier bei einem Gefecht auf der alten Brücke schwer verwundet. In seiner Not gelobte er: „Im Falle meiner Genesung und der glücklichen Geburt meines Kindes in der Heimat will ich am Ort meiner Verwundung ein Madonnen-Standbild errichten lassen.“
Nach dem Krieg erfüllte er sein Versprechen. Die Statue soll von einem ehemaligen venezianischen Kapitän namens Georg Gerhard Vay finanziert worden sein.
Über diesen ist aus "Pater Candidus Kirchner - Kloster Altstadt Hammelburg" bekannt: Georg Gerhard Vey, geb. 10.2.1672 in Hammelburg als Sohn eines Hutmachers, trat nach dem Besuch des Gymnasiums in die Kriegsdienste des Freistaates Venedig, wo er bis zum Kapitän aufrückte. Nach seinem Abschied kehrte er als wohlhabender Mann in die Heimat zurück. Vey trat später in den Dienst des Würzburger Fürstbistums und wirkte, „ein edler und berühmter Herr“, als Amtskeller in Freudenberg und Werneck.
Die Hammelburger Löwengasse
Konrad von der Linsenburg (Vorburg der Trimburg) und der Hammelburger Bürger Friebold nahmen gemeinsam an einem Kreuzzug teil, wurden jedoch gefangen genommen und als Sklaven nach Ägypten verkauft. Nach Jahren gelang ihnen die Flucht.
Als sie gerade an einer Oase ihren Durst stillten, ward den Grafen Konrad eine Löwin nieder. Friebold stieß der Löwin einen Speer in die Seite. Das Tier jedoch sprang Friebold blitzschnell an und tötete ihn.
In Hammelburg besuchte Konrad Friebolds Witwe, übergab ihr ein Kästchen mit Gold und ließ eine Tafel mit einer Löwin am Haus anbringen. Dies gab der Gasse den Namen „Löwengasse“. Als das Rote Schloss gebaut wurde, wurde Friebolds Haus abgerissen, doch die Tafel wurde an der Rückseite des Schlosses in der Kirchgasse eingelassen.
Drei Hasen für einen Wald
Etwa 800 Meter östlich der heutigen B27 erhebt sich der Büchelberg in der Vorrhön. Der Legende nach besaßen die Hammelburger einst Rechte an einem Teil des dortigen Eichenwaldes. Während einer großen Hungersnot soll der Stadtrat diesen Forst für drei Hasen an das Hochstift Fulda verkauft haben. Daraus entstand der Spottvers:
„Die Hammelburger mit ihren langen Nasen verkaufen den Forst um drei Hasen.“
Ob die Geschichte wahr ist, lässt sich heute nicht feststellen. Sicher ist, dass in Notlagen oft wertvolle Güter gegen wenig Nahrung eingetauscht wurden.
Der Hammelburger Falschmünzer
Im Büchsenhof bei Hammelburg befand sich einst eine Münzanstalt. Dort prägte ein Italiener Münzen aus Kupfer, Silber und Gold. Ein Bewohner des Münzhauses misstraute ihm jedoch. Der Italiener versuchte sich zu bereichern, indem er an den Schrank mit dem Goldvorrat gelangte. Er schlug daraus eine Unzahl Pfennige und mattierte sie mit Schwefel, sodass sie Kupferpfennigen ähnelten. In der Umgebung wartete ein Geschäftsfreund, der das Geld zum Kupferwert erwerben sollte. Dann wollten die beiden den Gewinn teilen und verschwinden.
Doch Ankenbrand entdeckte den Betrug, als ihm eine der Münzen auf den Boden fiel und durch ihren Klang als Goldstück entlarvt wurde. Der Münzmeister wurde überführt und schließlich hingerichtet.














