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Sagen und Mythen (9)
Mysteriöser Baum in Sulzthal: Darum sollte ihn keiner fällen
Eine sagenumwogene Bildeiche und die Zerstörung eines Dorfes sind Teile der Sagen um Sulzthal.
Eine sagenumwogene Bildeiche und die Zerstörung eines Dorfes sind Teile der Sagen um Sulzthal. // Franziska Schäfer/midjourney
Sulzthal – Ein Baum bei Sulzthal – die sogenannte Bildeiche – ist umgeben von Sagen und Mythen. Warum das Gewächs nicht verärgert werden sollte und wie ein Eichenwäldchen zum Namen Köpfhölzchen kam.

Die Redaktion macht sich den Band "Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen" zunutze, um die Sagen aus Sulzthal aufleben zu lassen. Unter der Herausgeberschaft des Landkreises Bad Kissingen brachte Josef Lisiecki (Bad Brückenau) im Jahr 1982 diesen Band heraus, der mittlerweile vergriffen ist. Unter kultur-kg.de/sagen-und-legenden finden Sie alle Geschichten ungekürzt.

Der Untergang der Höchscht

Von den Grausamkeiten des Dreißigjährigen Kriegs sind viele Aufzeichnungen vorhanden. Manche Dörfer brannten damals auch in der Rhön nieder und wurden nie wieder aufgebaut. Man sagt: „Sie sind wüst geworden“. Viele der damaligen Begebenheiten wurden zu Sagen und Anekdoten.

So gab es etwa zwei Kilometer westlich von Sulzthal in der Flurabteilung Höchscht (Höchstätt oder Höchstadt) in grauer Vorzeit eine Stadt. Sie soll im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und ein Raub der Flammen geworden sein. Nur drei Bürger hätten überlebt.

Der eine habe sich in Wasserlosen eine neue Lebensexistenz aufgebaut, die beiden anderen aber habe es nach Sulzthal verschlagen. Im Wald, ganz in der Nähe des Dorfes, sollen ihre Gräber sein.

Die alte Bildeiche bei Sulzthal

Einige hundert Meter südlich der einstigen Siedlung „Höchscht“ beginnt ein großer Wald, indem eine uralte Eiche steht. Der Volksmund nennt sie Bildeiche, weil in ihren Stamm ein Muttergottesbild eingewachsen ist. Dieser Baum steht unter dem besonderen Schutz der Bevölkerung und bot Anlass zur Sagenbildung.

So wollte vor vielen Jahren ein Förster diesen knorrigen Baumriesen fällen lassen, aber kein Holzfäller brachte es übers Herz. Als aber einer es dennoch wagte und mit einer schweren Axt eine Kerbe in den mächtigen Stamm schlagen wollte, entglitt die Axt seinen Händen und flog im großen Bogen davon.

Sie wurde zwar fieberhaft gesucht, aber niemals wieder gefunden. Man glaubt an eine Warnung Gottes und hat seit dieser Zeit es nie wieder jemand versucht.

Die kräftige Ohrfeige

Das in die alte Bildeiche eingewachsene Muttergottesbild bewegte die Fantasie und brachte eines Tages eine weitere Sage zuwege:

In einer Mondnacht gingen zwei Männer durch den Wald und kamen an der Bildeiche vorbei. Der eine zog ehrfurchtsvoll den Hut, der andere aber lästerte: „Ich nehme meinen Hut doch nicht vor einer Eiche ab!“ Kaum hatte er seine spöttische Bemerkung beendet, verpasste ihm eine unsichtbare Hand eine kräftige Ohrfeige.

Dem Mann blieb vor Schreck stehen und da riss ihm ein heftiger Windstoß den Hut vom Kopf und trug ihn davon. Nun wurde der Mann panisch und rannte planlos und kopflos durch die Waldung. Am Morgen fand man ihn mit zerfetzten Kleidern, völlig erschöpft und verwirrt, mit schneeweißem Haar am Waldrand auf einem Reisighaufen.

Das Köpfhölzchen

Im Mittelalter und im Dreißigjährigen Krieg gab es eine grausame Justiz und somit viele Richtstätten. Heute erinnern viele Wege, Berge und Flurnamen an diese bedauernswerte Zeit. Oft haben sich auch Sagen dieser geschichtlichen Stätten bemächtigt.

So liegt etwa vier Kilometer südöstlich von Sulzthal, unweit der Bundesstraße nach Schweinfurt, ein Eichenwäldchen. Nach der Sage befand sich dort eine Richtstätte, auf der sogenannte Verbrecher enthauptet wurden.

Wahrscheinlich war dieser Platz damals baumlos, denn alte Aufzeichnungen beweisen das große Interesse der Bevölkerung an solchen Hinrichtungen. Als diese Gegend aufgeholzt wurde, bürgerte sich der Name „Köpfhölzchen“ ein, denn man sagte damals nicht: „Der Mann wird enthauptet“, sondern „er wird geköpft“.

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