Ein Windrad zum Anfassen, spannende Fakten und jede Menge Mitmach-Aktionen: Bereits zum zweiten Mal lud die Nüdlinger Energie-Genossenschaft Kinder aus dem Landkreis zu einem Workshop am Windrad auf dem Lerchenberg ein. Damit erfüllte Vorsitzender Thorsten Köck einen Wunsch der Gemeindejugendarbeiter Christian Wagner und Thomas Wedler, die im Auftrag des Vereins Pro Jugend in mehreren Gemeinden für die Jugendbetreuung zuständig sind. Diesmal kamen rund 20 Kinder aus Burkardroth, Maßbach und Euerdorf – begleitet von ihren Eltern.
Ein Windrad hautnah erleben
Nach einer halbstündigen Wanderung vom Naturfriedhof zum Windrad erwartete die Kinder ein abwechslungsreiches Programm. Während die erste Gruppe direkt am Windrad von Thorsten Köck in verständlichen Worten alles Wichtige über Windenergie erfuhr, bemalte die zweite Gruppe in der Zwischenzeit Jutebeutel mit bunten Windradmotiven.
Köck berichtete anschaulich von der Gründung der Nüdlinger Energie-Genossenschaft im Jahr 2011, die heute rund 400 Mitglieder zählt. „Wenn große Konzerne Windräder bauen können, dann müssten wir das doch auch können“, erklärte er den Kindern. Für die Realisierung der beiden Windräder auf dem Lerchenberg mussten zunächst 200.000 Euro Risikokapital gesammelt werden. Der Bau selbst verschlang 8,5 Millionen Euro – 1,5 Millionen weniger als üblich. Im November 2014 ging das erste Windrad ans Netz. Seitdem, so Köck, „verdienen wir Geld damit“.
Technik zum Staunen
Direkt unter dem Windrad sind die Dimensionen kaum zu fassen: Der Turm misst etwa 140 Meter, mit aufgerichtetem Rotorblatt sogar 200 Meter. Die Rotorblätter spannen 117 Meter, der Turmdurchmesser reicht unten zehn, oben fünf Meter. Das Gewicht: rund 800 Tonnen – „so viel, als würdet ihr ein ganzes Fußballfeld mit Autos vollstellen“, verdeutlichte Köck. Das Fundament besteht aus 2.000 Tonnen Stahlbeton und misst 25 Meter im Durchmesser.
Auch technische Details beeindruckten: Die Rotorblätter erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 360 Kilometer pro Stunde – „so schnell wie ein Formel-1-Rennwagen“. Bei Sturm ab 100 Kilometer pro Stunde schaltet sich das Windrad automatisch ab. Pro Tag erzeugt es knapp 60.000 Kilowattstunden Strom, genug, um den gesamten Strombedarf von Nüdlingen zu decken. Der erzeugte Strom wird über ein Umspannwerk auf dem ehemaligen US-Flugplatz in Reiterswiesen ins allgemeine Netz eingespeist.
Mitmach-Fragen und Aha-Momente
Köck bezog die Kinder aktiv ein: „Wie viele Umdrehungen braucht unser Windrad, um euer Handy ein Jahr lang zu laden?“ Die Antwort überraschte: Nur zwei Umdrehungen reichen aus. Zum Laden eines Elektroautos direkt am Windrad genügen zwei Minuten.
Umwelt und Naturschutz im Fokus
Auch kritische Fragen wurden nicht ausgespart. Was passiert bei einem Waldbrand? „Der Turm kann nicht brennen“, erklärte Köck. Das Windrad steht auf einer Lichtung, die Gefahr für den Wald sei minimal. Jeder gefällte Baum werde ersetzt – „wenn ich in die Natur eingreife, muss ich sie schützen, wo ich kann“. Den Vorwurf, Windräder würden viele Vögel töten, relativierte er: „Ich habe noch nie einen toten Vogel unter dem Windrad gefunden.“ Sollte es doch einmal vorkommen, werde das Tier Teil der Nahrungskette.
Anders bei Fledermäusen: Deren Flugzeiten wurden vor dem Bau genau erfasst. Die Laufzeit des Windrads ist darauf abgestimmt – fliegen Fledermäuse, steht das Windrad still.
Technik zum Anfassen
Nach der Theorie folgte die Praxis: Die Kinder durften den Turm von innen besichtigen, sich technische Geräte erklären lassen und bis in die Spitze sowie in den hohlen Betonsockel schauen. „Diese direkte Informationsmöglichkeit vor Ort ist uns sehr wichtig“, betonte Köck. „Im Internet und in den sozialen Medien gibt es leider viele tendenziöse Falschmeldungen über angebliche Gefahren durch Windräder.“
Der Workshop auf dem Lerchenberg zeigte: Mit anschaulicher Vermittlung und direktem Erleben lassen sich Kinder für erneuerbare Energien begeistern – und so manches Vorurteil entkräften.














