Gegner der SuedLink-Stromtrasse in Mainfranken haben erneut schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma TransnetBW erhoben. Auf einigen SuedLink-Baustellen sollen die Gleichstromkabel anders verlegt werden als in den genehmigten Plänen vorgesehen. Die im Aktionsbündnis Trassengegner vereinten Bürgerinitiativen nennen dies in einer Mitteilung einen „handfesten Umweltskandal“.
Wie Dörte Hamann, Sprecherin des Aktionsbündnisses, schildert, sollen Grundstückseigentümer nachträglich „massiven Änderungen am Projekt“ zustimmen. Dies spiele sich „weitgehend im Verborgenen ab“. TransnetBW gehe penetrant auf die betroffenen Eigentümer zu, um sie „unter erheblichem Zeitdruck“ zu einer Zustimmung der Änderungen zu bringen. Die Bundesnetzagentur müsse einschreiten, fordert Hamann.
SuedLink-Gegner: „Massive Ausweitung“ ein Risiko fürs Grundwasser
Die Trassengegner kritisieren zudem, dass an mehreren Stellen die Kabeltrassen breiter als geplant angelegt und die sogenannten Spülbohrungen „massiv ausgeweitet“ würden. Das erhöhe das Risiko von Bodenverunreinigung und gefährde das Grundwasser.
Dass die genehmigten Pläne für die SuedLink-Bauarbeiten nun stellenweise geändert werden, ist für Hamann ein Zeichen dafür, dass das Planfeststellungsverfahren – also die Genehmigung der Trasse – „offenbar schlampig“ gelaufen sei. „Die Bauarbeiten am SuedLink müssen unverzüglich eingestellt werden“, fordert Hildegard Beyfuß von der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse Nein in Wasserlosen (Lkr. Schweinfurt).
Änderungspläne für 12 SuedLink-Bohrungen
TransnetBW hat nach eigenen Angaben am 7. November die Änderungspläne bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Der Behörde zufolge steht die Entscheidung darüber noch aus. Es gehe um zwölf Bohrungen zwischen der Landesgrenze zu Thüringen bei Mellrichstadt und Bergrheinfeld bei Schweinfurt.
Diese Spülbohrungen, mit denen die Kabelschächte unter Hindernissen wie Straßen oder Gewässern verlegt werden, finden der Bundesnetzagentur zufolge nahe Oberstreu, Rödelmaier und Strahlungen (alle Lkr. Rhön-Grabfeld), Poppenlauer (Lkr. Landkreis Bad Kissingen) sowie Pfersdorf, Hain, Maibach, Oberwerrn, Geldersheim und Bergrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) statt.
Spülbohrungen: Warum die Kabel-Positionen geändert wurden
Es bleibe wie vorgesehen bei insgesamt 48 Bohrungen in Mainfranken, teilt TransnetBW-Sprecher Chris Göpfert auf Anfrage mit. Wie er und die Bundesnetzagentur übereinstimmend schildern, gebe es in den genannten Abschnitten neue Erkenntnisse über die Leitfähigkeit des Bodens mit Blick auf die von den Kabeln ausgehende Wärme. Deshalb habe man die Position der Kabel in den Plänen ändern müssen.
Solche Änderungen seien bei einem Großvorhaben wie SuedLink „im Einzelfall üblich“, teilte die Bundesnetzagentur mit. Dass die Wärme ordentlich abgeleitet wird, sei wichtig für den Betrieb von SuedLink, erklärt der Sprecher von TransnetBW.
Göpfert geht davon aus, dass die zwölf Spülbohrungen wegen der geänderten Pläne nur „wenige Quadratmeter“ mehr an Platz benötigen werden. Der grundsätzliche Verlauf der SuedLink-Trasse bleibe wie genehmigt.
Südlink-Arbeiten laufen seit Sommer 2025
Die unterirdischen Leitungen der insgesamt 700 Kilometer langen SuedLink-Stromautobahn werden seit vergangenem Sommer in Mainfranken verlegt. Die Trasse zwischen Nord- und Süddeutschland gilt als eines der wichtigsten Vorhaben der nationalen Energiewende.
Die Gegner haben ihren jahrelangen Widerstand in den vergangenen Wochen verstärkt. Im November reichten sie beim Bundesverwaltungsgericht eine Klage gegen die Genehmigung ein. Im Dezember stellte die Wählergemeinschaft Zukunft für Würzburg wegen Pannen bei Spülbohrungen Strafanzeige gegen TransnetBW.












