Seit Anfang April ist es amtlich: Die aus Wildflecken stammende Wölfin mit der Kennung GW4816f, die im Oktober im Spessart Schafe und eine Ziege gerissen hat, hat sich im Enztal im Nordschwarzwald niedergelassen. Sie ist dort seit drei Monaten nachgewiesen und damit die einzige sesshafte Wölfin in Baden-Württemberg, wo man sich fieberhaft fragt, ob sie bald Junge wirft. Denn sie hat sich im Territorium eines männlichen Wolfs niedergelassen, eine Paarbildung gilt als nachgewiesen, wie aus einer Pressemitteilung des Bundeslandes hervorgeht.
Das Tier wurde erstmals am 3. Januar im Nordschwarzwald nachgewiesen. Mit der Auswertung eines Losungsfunds (Kot-Probe) vom 12. März aus Gernsbach (Lkr. Rastatt) bei Baden-Baden wurde die Sesshaftigkeit bestätigt. Die Wölfin ist recht schnell vom Spessart aus rund 200 Kilometer nach Süden gezogen. Im Spessart wurde ihre DNA an einer gerissenen Ziege, die am 15. Oktober im Flüsschen Elsava an der Landkreisgrenze Miltenberg/Aschaffenburg lag, nachgewiesen. Schon am 16. November wurde ihre DNA in Pfalzgrafenweiler (Lkr. Freudenstadt) gefunden, ein Stück südöstlich des Territoriums, wo sie nun lebt.
Zwei Risse im Spessart, einer in der Rhön
Der Wolf wird aufgrund von DNA-Spuren auch für einen Riss von drei Schafen am 6. Oktober in Westerngrund (Lkr. Aschaffenburg) und für ein totes und zwei verletzte Schafe am 3. September bei Riedenberg (Lkr. Bad Kissingen) verantwortlich gemacht. Sie stammt aus dem Rudel, das seit Jahren im Truppenübungsplatz Wildflecken lebt, das bislang kaum mit Nutztierrissen aufgefallen ist. Erstmals nachgewiesen wurde das zwischen 2022 und 2024 geborene Tier im Januar 2025 anhand seiner Losung.
Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat zur Wölfin den Wolfsexperten Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg interviewt. Der sieht es als sehr wahrscheinlich an, dass sie bereits Nachwuchs vom schon lange in der Region ansässigen Rüden GW852m erwarte. Die Fähe ist vermutlich im Februar oder März trächtig geworden, die Tragezeit beträgt um die 60 Tage.
Allerdings sei der Altersunterschied zwischen der Wölfin und dem Wolf beträchtlich. Rüde GW852m, geboren 2017 in Norddeutschland, ist der am längsten im Südwesten sesshafte Wolf und hat die durchschnittliche Lebenserwartung eines Wolfes schon fast erreicht. Der Wolf sei damit schon recht betagt, gab der Wolfsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hartmut Weinrebe, gegenüber der dpa zu bedenken. Man wisse nicht, ob er überhaupt Nachwuchs zeugen könne.
Von weiteren Rissen der Wölfin ist offenbar nichts bekannt.









