Das Video im Messenger-Dienst WhatsApp wirkt schon ein wenig verstörend, und zwar, weil es bei Modlos aufgenommen sein soll: Klar erkennbar durchstreift ein Wolf eine Wiese und verschwindet im Wald, es folgen ein zweiter, ein dritter, dann drei am Stück und schließlich zwei Nachzügler. So deutlich sichtbar sind diese Raubtiere in der Rhön noch nie dokumentiert worden. Und vor allem nicht in dieser Zahl. Die Frage lautet: Spielt die Szene wirklich bei Modlos, wie es bei dem Video dabeisteht?
Film stammt aus westlichem Schweden
Schon der Blick auf den Pflanzenbewuchs lässt einen stutzen, ob das Video, das sich auf Whatsapp in Windeseile verbreitet, wirklich in der Rand-Rhön aufgenommen sein kann. Die Nadelbäume am Rand der Lichtung sehen nordisch aus. Zudem weist der Wachstums-Fortschritt der Vegetation eher auf Sommer oder Herbst als frühen Frühling hin.
Eine einfache Google-Rückwärtssuche samt Übersetzungs-App bringt ans Licht: Das Filmchen wurde ganz woanders als in der Rhön, geschweige denn bei Modlos, aufgenommen. Offensichtlich wurde es am 18. November 2022 in Västra Götalands län, einer Provinz im Westen Schwedens aufgenommen.
Rätseln über den Aufnahmeort
Erstmals soll dieses Video übrigens im Februar und März seinen viralen Weg durch die Messenger-Dienste genommen haben. Und jetzt wieder. Welcher Scherzkeks es bei Modlos verortet hat, lässt sich beim vielen Teilen und Weiterleiten aber nicht mehr nachvollziehen.
Zumindest aber hat das vielfach geteilte Wölfe-Video für Aufmerksamkeit gesorgt – und für Verwirrung. So rätselten nach Informationen dieser Redaktion die Mitglieder einer Jäger-Gruppe bei Whatsapp, ob es bei Burkardroth aufgenommen worden ist. Oder doch bei Aschach?
Raubtier-Begegnungen im Staatsforst
Für den Wald rund um Modlos ist der Forstbetrieb Bad Brückenau der Bayerischen Staatsforsten zuständig – zumindest wenn es sich um Wald im Besitz des Freistaats Bayern handelt. Dort kennt man das Video mit den acht Wölfen. Im Zuständigkeitsbereich des Forstbetriebs gebe es allerdings „keine Auffälligkeiten in puncto Wolf“, heißt es von dort. In diesem Jahr seien weder Fährten noch Risse an Nutztieren festgestellt worden. Keine Rede ist davon, dass acht Wölfe gleichzeitig gesichtet oder gar genetisch nachgewiesen worden wären.
Südlich an den Wald bei Modlos schließt sich großflächig der Neuwirtshauser Forst an. Diesen bewirtschaftet – zumindest zu großen Teilen – der Forstbetrieb Hammelburg.
Rinderkalb bei Unterleichtersbach gerissen
Dessen Leiter Daniel Zippert kann zwar Begegnungen mit dem Wolf vermelden, aber keine spektakulären. So habe vor zwei bis drei Jahren eine Wildkamera des Biospäherenreservats ein solches Raubtier aufgenommen. Vergangenes Jahr gab es einen genetischen Nachweis an einem gerissenen Rinderkalb bei Unterleichtersbach, einer Nachbargemeinde von Modlos. Schließlich will in diesem Winter ein Jäger Isegrim bei einer „Bewegungsjagd“ gesehen haben.
Zippert hielte es für „nicht verwunderlich, wenn der Wolf zu uns herüberkäme“. Zum Truppenübungsplatz Wildflecken, wo nachweislich eine Wolfsfamilie lebt, sei es ein Katzensprung. „Wir sind hier Wolfserwartungsland.“
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