Der Europäische Rat hat gerade den nächsten Schritt für eine Reduzierung des Schutzstatus und damit eine leichtere Bejagung des Wolfes beschlossen. In Bayern liegen sich gerade Jagdminister Hubert Aiwanger und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei ebendiesem Thema heftig in den Haaren. Im Gegensatz zur Politik herrscht dagegen vor Ort in der Rhön Ruhe. Von den Wolfsrudeln im Truppenübungsplatz Wildflecken und in der hohen Rhön ist wenig zu sehen und zu hören.
2024 sorgten um diese Jahreszeit schon Risse von Schafen und Ziegen für Wirbel, entnervte und empörte Tierhalter. Weshalb sich das heuer geändert hat, darüber lässt sich – wie so häufig beim Thema Wolf – nur spekulieren.
Problemwölfin seit dem Sommer verschwunden
Ein Grund könnte sein, dass die Problemwölfin, die 2024 in Rhön und Spessart für enorme Probleme gesorgt hat, seit dem Sommer 2024 verschwunden ist – weshalb und wohin auch immer. Nun schauen die einen mit Interesse, die anderen mit Sorge auf die weitere Entwicklung. Da gibt es einige Fragen: Wie viele Wölfe leben noch in der Rhön? Wo sind die Elterntiere des Rudels Hochrhön geblieben? Gibt es heuer wieder Wolfsnachwuchs und wie viele Jungtiere sind es?
Gerade ist die Zeit, in der Wölfe „wölfeln“, das heißt ihren Nachwuchs bekommen. Die Ranzzeit, in der sich die Elterntiere des Rudels paaren, ist von Januar bis März. Nach nur etwa 60 Tagen, also etwa im Mai, bringt die Wölfin in einer versteckten Höhle taube und blinde Welpen zur Welt. 20 Tage dauert es dann, bis die kleinen Wolfs-Welpen ihre Augen öffnen, nach circa vier Wochen tauchen die neugierigen Jungtiere dann schon vor der Höhle auf.
Es dürfte also noch etwas dauern, bis die Welpen vor die Linse einer Wildkamera laufen. Entsprechend lassen sich derzeit auch keine Aussagen machen, ob überhaupt und wenn ja, wie viele Wolfsjungen heuer das Licht der Welt erblickt haben.
Bislang im Truppenübungsplatz recht ruhig
Ein untrüglicher Beleg für Nachwuchs sind auch immer Bilder einer Wölfin mit Gesäuge. Anders als in den Vorjahren haben die Wildkameras in diesem Jahr bislang keine derartigen Fotos geliefert. Überhaupt ist es heuer in Wildflecken sehr ruhig, berichtet Egon Schleyer, Leiter des Funktionsbereichs Naturschutz im Bundesforstbetrieb Reußenberg, im Gespräch mit dieser Redaktion.
Er beobachtet die Entwicklung des Rudels auf dem Truppenübungsplatz von Anfang an, will aber keine Einschätzung abgeben, was das bedeuten könnte. Stattdessen will er noch einmal 14 Tage abwarten und hofft darauf, dann aussagekräftige Bilder vorliegen zu haben. Dass hier noch Wölfe leben, ist aufgrund von Bildern bekannt. Nach seiner Einschätzung dürften es etwa sieben Tiere sein.
Diese Zahl lag Anfang des Jahres schon höher. Laut dem Landesamt für Umwelt (LfU) belegen Fotos die Anwesenheit von bis zu zehn Wölfen zwischen September 2024 und Januar 2025. So sind auch auf einem Foto einer Wildkamera des Oberbacher Jagdpächters Hans-Jörg Blank von Januar 2025 neun Wölfe zu erkennen.
Zwischen 2022 und 2024 insgesamt 19 Welpen
Insgesamt wurden bislang 19 Welpen des Rudels in Wildflecken nachgewiesen. Sechs Tiere kamen 2022 auf die Welt, 2023 waren es sieben Welpen und im vergangenen Jahr wurden wieder sechs Tiere registriert, so Schleyer.
Wo all die Tiere sind, ist nicht bekannt. Ein Teil lebt noch auf dem Truppenübungsplatz, ein anderer ist wohl eines natürlichen Todes gestorben und ein Teil ist sicherlich abgewandert. Vier junge Wölfe sind bislang nachweislich bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Ein weibliches Tier wurde im vergangenen August in der Langen Rhön erschossen, was für Schlagzeilen sorgte. Es handelte sich um den ersten legalen Abschuss eines Wolfs in Bayern seit mehr als 140 Jahren.
Letzter Nachweis stammt von Mitte April
Eine Rüde aus Wildflecken bildete schließlich mit der Problemwölfin, die in den vergangenen Jahren dutzende Nutztiere zwischen Spessart und Rhön tötete, im Frühjahr 2024 ein Paar. Das Ergebnis waren fünf Wolfswelpen. Die beiden Elterntiere des Rudels „Hohe Rhön“ sind allerdings seit Längerem nicht mehr registriert worden. Die Fähe seit Juli 2024, der Rüde wurde letztmals im Oktober nachgewiesen. Ob beide Elterntiere noch leben und ob es in diesem Jahr wieder Nachwuchs gibt, ist daher fraglich.
Aber da gibt es ja noch die Jungtiere. Eines wurde von Wanderern in hilflosem Zustand gefunden und mitgenommen. Es lebt nun in einer Wolfsauffangstation in Belgien. Ansonsten wurden bis Mitte April Gennachweise von drei männlichen Nachkommen des Rudels festgestellt. Teils anhand von Losung, nach Rissen von Wildtieren. Der letzte Nachweis stammt von Mitte April. Keines dieser Jungtiere dürfte allerdings Nachwuchs gezeugt haben. Wölfe werden in der Regel erst nach 22 Monaten geschlechtsreif.











