Wenn das Ehepaar Friedl von seinem Engagement für vernachlässigte Tiere erzählt, klingt das bisweilen spannend wie ein Krimi. In den 1980er und 1990er Jahren haben sie viel bewegt. Gerne würden sie auch von aktuellen Aktivitäten Jugendlicher in der Region berichten. Aber um ihre Tierschutzschule e.V. ist es ruhiger geworden. Das findet Marion Friedl schade.
„Es ist nicht mehr so leicht, jugendliche Helfer zu gewinnen. Mit 68 Jahren gründe ich keine Jugendgruppe mehr“, bedauert sie. Aber die Hoffnung hat sie nie aufgegeben, junge Unterstützerinnen und Unterstützer für den Tierschutz zu mobilisieren.
Zeitweise bis zu 45 Kinder und Jugendliche
Dabei denkt sie gerne an die 1980er Jahre zurück, als sich in der maßgeblich von ihr geleiteten Tierschutzschule Hammelburg bei vielfältigen Aktionen zeitweise bis zu 45 Kinder und Jugendliche um sie versammelten. „Insgesamt 400 Heranwachsende haben die Tierschutzschule durchlaufen“, überschlägt Marion Friedl.
Die Gruppe demonstrierte in Großstädten gegen Pelzhandel, richtete Informationsveranstaltungen mit bis zu 100 Besucherinnen und Besuchern zu Tierversuchen, Tierhaltung in Zirkussen oder zur Rettung des Regenwaldes aus. Zudem bot sie Ausstellungen auch bei Messen und Kochkurse für vegetarische Gerichte an und trat bei TV-Shows für ihre Anliegen ein.
Bei all dem leistete Friedl mit ihrer Gruppe auch praktischen Tierschutz. Sie sammelten Geld auch mit Festbewirtungen, spendeten das Geld für Futter an Tierheime und organisierten über 30 Jahre lang Krötenwanderungen. Wenn misshandelte Tiere unter Polizeischutz sichergestellt und untergebracht werden mussten, waren Friedls mit anderen Aktiven Tag und Nacht zur Stelle.
Gartenhaus flog in die Luft
Dieser Einsatz bescherte bisweilen schlaflose Nächte. Etwa, als in Maßbach im Jahr 2000 die Abnahme und Unterbringung von 385 Hunden mit dem Landratsamt koordiniert werden musste. Schlechte Erinnerungen hat Marion Friedl auch an Anfeindungen nach der Ausrichtung von „Antipelzmodenschauen“.
Nach so einer Demo in Würzburg brannte ein Gartenhaus der Tierschutzschule am Hammelburger Bleichrasen aus. Das habe bis heute einen bitteren Beigeschmack. „Die Ursache ist ungeklärt“, so Wolfgang Friedl.
Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz
Eine für Marion Friedl unerwartete Auszeichnung nach all den bewegten Jahren gab es im November 2022. Da bekam sie in München das Bundesverdienstkreuz. Die Auszeichnung ist Anlass für diese Redaktion, bei ihr nachzufragen, wie es nach ihrer Einschätzung aktuell um den Tierschutz in Bayern steht.
„Bei manchen Themen hat sich wenig getan“, findet die Tierschützerin mit Blick auf die Massentierhaltung und Tierversuche, auch wenn es um die Themen in der Region ruhiger geworden sei. Schon als Neunjährige habe sie Plakate gegen die Missstände gemalt.
Engagement auf Landesebene
Schon vor Jahren hat sie ihr Engagement aus dem Saaletal mehr auf Landesebene verlegt. „Einmal Tierschützerin, immer Tierschützerin“, sagt sie schmunzelnd. Als Landesbeauftragte für die Tierschutzjugend in Bayern koordinierte sie den Aufbau von Jugendgruppen im Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern.
„Es ging steil bergauf“, blickt Friedl zurück. Von 1998 bis 2003 entstanden bis zu 42 Jugendgruppen. 2005 hatte sie darüber hinaus den Sitz des im Jahr 1955 bei Stuttgart gegründeten Vereins Tierschutzschule nach Hammelburg verlegt.
Hoffnungsschimmer für Jugendgruppen
„Von den vielen Gruppen der Tierschutzjugend gibt es noch 15, aber langsam werden es wieder mehr“, sagt sie mit hoffnungsvoller Stimme. Für ihre Ideen wirbt sie weiterhin als Beirätin im Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes. In dieser Position richtet sie regelmäßig Regionaltreffen aus.
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