Der ergiebige Niederschlag in den Winter- und Frühjahrsmonaten hat nur für ein kurzes Aufatmen im Wald gesorgt. „Es ist ziemlich ernst“, sagt Bernhard Zürner vom Amt für Landwirtschaft und Forsten angesichts der anhaltenden Trockenheit. Dies sei auch der Tenor, den er bei den Forstkollegen höre.
Die Waldwirtschaft ist alarmiert und beobachtet mit Sorge die aktuelle Witterung. Denn es sei schon jetzt trocken und recht warm, meint Bernhard Zürner. An vielen Stellen reißt der Boden bereits auf. Und der Hochsommer steht ja erst bevor. Seine Wetter-App zeige auch für die nächsten Tage nur Sonne, sorgt sich Bernhard Zürner. Hinzu kommt, dass viele Bäume schon durch die trockenen Vorjahre geschwächt sind.
Matthias Wallrapp ist der Betriebsleiter der des Juliusspital-Forstbetriebs und des Hammelburger Stadtforstes. Er beschreibt die Situation in Teilen sogar als „katastrophal“. Der Oberboden sei oft schon ausgetrocknet. Bei den Jungpflanzungen des Frühjahrs gebe es bereits Ausfälle. Aber auch die alten Bäume leiden, nicht nur die Nadelbäume, sondern auch die Buchen und andere Laubhölzer. Einzig die Eiche zeige sich in den von ihm betreuten Waldgebieten noch stabil. Das liegt daran, dass Eichen sehr tief wurzeln und auch Trockenheit und Hitze besser vertragen.
Viele Baumarten betroffen
Besonders gefährdet sind die Wälder auf den Muschelkalkkuppen, deren Bodenschicht dünn ist und dadurch Wasser nur schlecht speichern kann. Dazu kommt, dass das Saaletal besonders von der Klimaerwärmung betroffen sei, erklärt der Hammelburger Forstfachmann.
Ähnliche Sorgen wie Matthias Wallrapp hat Jörg Mäckler im Münnerstädter Stadtforst. Die ersten Anzeichen dafür, wie es dem Wald aktuell geht, nennt er dramatisch. Niedrige Niederschlagsmengen und Muschelkalk-Böden sind auch hier ein Problem. Mäckler hatte gehofft, dass die wenigen noch vorhandenen Fichtenbestände zu erhalten sind. Mittlerweile sieht er schwarz. „Wir werden sie nicht retten können.“ Der Borkenkäferbefall ist groß. „Wir sind nur noch mit der Schadholzbeseitigung beschäftigt“, klagt er. Wie auch Matthias Wallrapp sorgt sich Jörg Mäckler um die Buchen. Mit dem Laubaustrieb seien die Trockenschäden des letzten Jahres erst richtig sichtbar geworden.
Gewitter meist nur lokal begrenzt
Die Gewitter der vergangenen Woche haben zumindest ein bisschen Feuchtigkeit gebracht. Die Forstleute sind um jeden Tropfen froh. Das Problem: Selbst dieser wenige Regen fällt oft nur sehr lokal. Ob sich die Situation weiter verschärft, werden die Sommermonate Juli und August zeigen, sagt Michael Sautter, der das Forstrevier Bad Kissingen II betreut. Dieses reicht von Bad Bocklet, über Geroda und Riedenberg bis nach Burkardroth. Schon jetzt sieht er überall Trockenschäden, selbst in der Rhön. Auch in den von ihm betreuten Wäldern sei der Borkenkäfer bereits sehr aktiv.
Noch mehr Wasservorrat in der Rhön
In den höheren Lagen der Rhön ist die Wassersituation aktuell zwar noch besser, zeigen die Messdaten der Waldklimastation in den Schwarzen Bergen auf rund 700 Metern. Dort war bis zum Wochenbeginn der verfügbare Wasservorrat im Oberboden sogar noch im grünen Bereich, allerdings mit deutlicher Tendenz nach unten. Doch das war auch Anfang bis Mitte Juni 2022 so der Fall. Im August war dieser Wasservorrat dann auf fast null gesunken. Michael Sautters Sorge ist, dass sich dieses Szenario wiederholen könnte.
Bernhard Zürner glaubt nicht, dass sich die klimatischen Bedingungen langfristig wieder einmal verbessern. Die Waldumwandlung sieht er als wichtiges Instrument, um den Wald stabiler für die Klimaveränderungen zu machen. Mischwälder mit vielen Baumarten treffe der Ausfall einer Art nicht ganz so stark. „Die Eiche und einige Exoten werden bleiben“, meint Matthias Wallrapp. „Der Wald, wie wir ihn kennen, wird verschwinden.“
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