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Wo ist die Haselmaus zu Haus?
Haselnüsse, an denen eindeutig die Haselmaus geknabbert hat. Sie hinterlässt eine kreisrunde, saubere Fraßspur
Haselnüsse, an denen eindeutig die Haselmaus geknabbert hat. Sie hinterlässt eine kreisrunde, saubere Fraßspur
Jonathan Tosberg
Eine Vortragsreihe gibt Einblicke in die aktuellen Forschungsergebnisse unter anderem über das Vorkommen der blauschwarzen Holzbiene.
Eine Vortragsreihe gibt Einblicke in die aktuellen Forschungsergebnisse unter anderem über das Vorkommen der blauschwarzen Holzbiene.
Benno von Blanckenhagen
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Bad Brückenau – Naturfreunde in der Rhön haben sich an Forschungsarbeiten beteiligt. Warum die Spurensuche nach dem kleinen Nagetier heuer besonders schwer ist.

Holzbienen, Silberdisteln und Haselmäuse: Die gemeinsame Erfassung von Tier- und Pflanzenarten in der Rhön stand im letzten Termin der Vortragsreihe „In der Rhön, für die Rhön“ im Mittelpunkt. Mit dem Angebot, das die Bayerische Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservats Rhön organisiert, soll den Rhönerinnen und Rhönern die Forschung im Biosphärenreservat nähergebracht werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Unesco-Biosphärenreservats. Die Reihe wird auch im Jahr 2023 angeboten: Der nächste kostenfreie Online-Vortrag findet am Donnerstag, 26. Januar 2023, statt.

Die Aufzeichnungen der Online-Vorträge finden Interessierte auf der Webseite des Biosphärenreservats: biosphaerenreservat-rhoen.de im Bereich Videos. Auch das Video des letzten Termins ist ab sofort verfügbar.

Tina Bauer, die seit 2020 bei der Bayerischen Verwaltungsstelle für das Projekt „Bürgerwissenschaftliche Arterfassungen“ im Biosphärenreservat zuständig ist, und Jonathan Tosberg, Studierender der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, vermittelten den 35 interessierten Teilnehmenden, wie man sich an der Forschung im Biosphärenreservat beteiligen kann. Sie stellten das Bürgererfassungsprojekt zur Haselmaus aus dem Herbst 2022 sowie die Projekte der vergangenen Jahre vor.

Rhöner unterstützen die Forschung

Schon seit Jahrzehnten unterstützen die Rhönerinnen und Rhöner ehrenamtlich die Forschung in der Region – zum Beispiel bereits seit 1996 die Kartierung von Quellen, eines der größten länderübergreifenden Projekte. 2016 hatte die Bayerische Verwaltungsstelle erstmals ein eigenes bürgerwissenschaftliches Erfassungsprojekt zu Tier- und Pflanzenarten gestartet – damals mit dem Aufruf, nach der Prachtlibelle Ausschau zu halten.

Ziel der Erfassungsprojekte ist nicht nur, aktuelles Wissen über die Verbreitung verschiedener Arten zu erhalten, sondern auch, der interessierten Bevölkerung einen Einblick in die Arbeit der Biosphärenreservatsverwaltungen zu geben und Möglichkeiten zu schaffen, sich einbringen zu können, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Fast 1000 gemeldete Tier- und Pflanzenfunde in der Rhön

Tina Bauer berichtete von den Erfassungen aus dem Jahr 2021 – Holzbiene und Trauerkäfer, Silber- und Golddistel – und 2022 – Mehlschwalbe, Rauchschwalbe und Mauersegler. Insgesamt 288 Freiwillige hatten fast 1000 Tier- und Pflanzenfunde gemeldet. „Mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden an unseren bürgerwissenschaftlichen Projekten hatte keine Vorkenntnisse“, sagte Tina Bauer.

Der Klimawandel ist angekommen

Mit über 450 Meldungen konnte im ersten Projekt zur Erfassung von wärmeliebenden Insektenarten eine gute Datenbasis für die Verbreitung der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) geschaffen werden. Auch die rund 70 Meldungen des Trauer-Rosenkäfers (Oxythyrea funesta) zeigen, dass der Käfer im Biosphärenreservat keine Seltenheit mehr ist.

Die Zunahme wärmeliebender Arten zeigt deutlich, dass auch im Biosphärenreservat der Klimawandel angekommen ist. Mit den Ergebnissen können Veränderungen dokumentiert werden und im Rahmen der Klimaanpassung als Entscheidungsgrundlage dienen.

Mithilfe steigert Begeisterung für Rhöner Artenvielfalt

Viele Teilnehmende berichteten, dass mit dem Projekt ihr Interesse an Insekten im eigenen Garten geweckt wurde – und mit der Suche nach Silberdistel (Carluna acaulis) und Golddistel (Carluna vulgaris) auch das Interesse an der Rhöner Pflanzenvielfalt.

Im Gebäudebrüter-Projekt waren ebenfalls fast 200 Meldungen eingegangen, wobei über die Hälfte Neststandorte der Mehlschwalbe (Delichon urbica) waren und weniger Neststandorte von Rauchschwalben (Hirundo rustica) und Mauerseglern (Apus apus) gemeldet wurden. Eine Auswertung von Mehlschwalben-Daten in ausgewählten Dörfern im Vergleich zum Jahr 2003 zeigte einen deutlichen Rückgang an Neststandorten – stellenweise bis zu 50 Prozent.

Tosberg stellte sein Erfassungsprojekt zur Haselmaus vor, mit dem er sich im Rahmen seiner Masterarbeit befasst. Hierzu war er auf die Mithilfe der Rhönerinnen und Rhöner angewiesen, die im Herbst auf „Nussjagd“ gegangen waren – genauer gesagt auf die Suche nach Haselnüssen mit Fraßspuren, die auf die Haselmaus hindeuten. Ziel war, so die Verbreitung der Haselmaus in der Rhön zu erforschen.

Auch wenige Daten helfen

Leider sei laut Tosberg das Jahr 2022 kein gutes „Nuss-Jahr“ gewesen: Es gab wenig gereifte Nüsse an den Haselsträuchern. Doch auch wenige Daten sind durchaus hilfreich. Interessierte können unter folgendem Link an einer Umfrage des Referenten teilnehmen: soscisurvey.de/NussjagdRhoen.

Auch im nächsten Jahr wird es im Unesco-Biosphärenreservat Rhön wieder Projekte zum Mitforschen geben. Ideen und Vorschläge an: E-Mail-Adresse artmeldungen@reg-ufr.bayern.de.

Weiter geht es am Donnerstag, 26. Januar 2023, um 19.30 Uhr mit einem Online-Vortrag von Sonja Schulze (Universität Würzburg), die über „Wildbienen in Dörfern“ berichten wird. Details und Infos zur Anmeldung im Januar auf biosphaerenreservat-rhoen.de.

 

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